Verbotene Spiele auf der Schulbank

Filme
Datum: Montag, 5. März 2018 21:15

Eintritt:
6 Euro

Verbotene Spiele auf der Schulbank

BRD 1981, 80 Min., dF, 35mm, R: Jürgen Enz, D: Soraya Athigi, Monika Wolf, Mario Pollak, Horst Sieger, Elke Iro

„Die Zeit steht still. Es ist wie ein Besuch in den Mittagsschlaf- und Mitschlafphantasien der Nachbarn von vor vierzig Jahren. „Auch in meine Klasse kommt heute eine neue Schülerin“, klagt der junge Lehrer – Typ Michael Schanze, dunkles Krolleköpfchen und Brusthaardekolleté, hüftlange Zopfstrickjacke im Schafswollchic – gegenüber seinen älteren Kollegen, die wie ARD-Nachrichtensprecher aussehen, „das bedeutet eine zusätzliche Belastung!“ Solch spröde Dialoge und gewisse lange, mit nur leichtem Transportgut belastete Einstellungen (so wenn jemand die Straße entlang geht oder ein Eis löffelt) bringen einen Hauch von Joe D'Amato ins Spiel. Nora heißt die neue Schülerin. Die Klasse spielt ihr den alten Streich mit dem Wassereimer oben auf der Tür, ihr sonnengelbes Trägerkleid wird nass, peinigend transparent; sie soll sich abtrocknen, im Lehrerzimmer. Das Lehrerzimmer! Ausdrucksvolle Ornamenttapete, nougatbrauner Kunstledersessel. Der Lehrer reicht Nora ein orangenes Tuch aus hochwertigem Samtrelieffrottee. Mit aufrichtig zärtlicher Wehmut sieht er sie an. Warm wie ein Heizlüfter pluckert die Musik; die Heimorgel imitiert ein Mandolinenorchester - Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen.

Der „Katholische Filmdienst“ verachtet diesen zauberhaften, kleinen Schatz als „dümmlich inszenierten Spekulationsfilm“ und schürt damit nur noch mehr unsere Solidarität und Neugier.“ (Silvia Szymanski)

Im Rahmen unseres Jürgen-Enz-Specials!

Der 1941 geborene Jürgen Enz, über den selbst im allwissenden Internet nur wenige Infos zu finden sind, ist einer der eigenwilligsten deutschen Sex- und Porno-Regisseure.

Enz seziert kleinbürgerliche Sexfantasien mit einer Präzision, die fasziniert und bisweilen auch durchaus schmerzt. Ob beabsichtigt oder unfreiwillig, sei dahingestellt, auch wenn einiges für letzteres spricht. Dennoch: Wäre Rainer-Werner Fassbinder jemals gezwungen gewesen, mit etwas „Humor“ garnierte Schulbank-Pornos zu drehen, das Ergebnis hätte wohl ähnlich ausgesehen.

 

 

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  • Montag, 5. März 2018 21:15