20. außerordentlicher Filmkongress des Hofbauer-Kommandos

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Kategorie
Filmfestivals
Datum
Donnerstag, 5. Januar 2023 15:00 - Sonntag, 8. Januar 2023 23:15

Nach drei langen Jahren, deren Entbehrungen nur von einem Sondergipfel im Juni 2022 im Luru-Kino in Leipzig gelindert wurden, findet endlich wieder ein außerordentlicher Filmkongress des Hofbauer-Kommandos in Nürnberg statt!

Streifzüge durch die Seitengassen der deutschen Filmgeschichte verbinden sich mit Schlaglichtern auf das Gegenwartskino (zu Gast: Eckhart Schmidt - Anm.: Der Besuch muss leider krankheitsbedingt entfallen! - und Garegin Vanisian) und Ausflügen in andere Länder und Kontinente. Lange wurde in nationalen und internationalen Archiven gegraben, fragile Raritäten geprüft und unglaubliche Zelluloid-Schätze gehoben, die mitunter eine weite Reise angetreten haben - darunter von einem HK-Säulenheiligen inszenierte, schwarz-weiße US-Erotica der 60er, die von der IMDb als verschollen gelistet wird, jedoch von uns aufgespürt wurde.

Von deutschen Wohnzimmern, Garagen und Toiletten bis in brasilianische Spelunken, japanische Gemächer und den indischen Ozean führt die filmische Reise für alle, die gegenüber den Besonderheiten und Seltsamkeiten des Kinos aufgeschlossen sind. Lasst euch entführen, verführen und oft einfach überraschen! Das Programm wird spontan ergänzt von „Videoknüppeln“ als nächtlichen Überraschungsfilmen.


Ticketinfos:

Einzelticket: 6 Euro

Tageskarte: 20 Euro

Dauerkarte: 70 Euro

Unterstützer-Dauerkarte: 100 Euro

Reservierungen bitte per Mail an: reservierung[at]kommkino.de

 

Programmübersicht:

Donnerstag, 5.1.

15:00 MAN & WOMAN & ANIMAL
Geschlechterfragen im Spiegel des 70er-Populärkinos
(R: Ernst Hofbauer, 35mm, 90 min)

17:00 BIRDIE
(BRD 1971. R: Hubert Frank, 35mm, 86 min)
Einführung: Drehbuchautor Eckhart Schmidt

21:00 GENERATION Z - DA WAR EIN HIMMEL
(D 2020, Digital, 90 min)
zu Gast: Regisseur Eckhart Schmidt

im Anschluss #WÜF: Weltpremiere als Überraschungsfilm!
(D 2023, R: Eckhart Schmidt, digital, engl. OV, 30 min)

0:00 WET BODIES - DER GANZ HEISSE WORKOUT
aka #SPÜF: Der sportliche Überraschungsfilm!
(35mm, engl. OV, 110 min)

 

Freitag, 6.1.

12:30 LOVE'S PLACES - PLÄTZE DER LIEBE
(Nürnberg/Frankfurt/Berlin/München 2019, Digital, engl. OV, 90 min)
zu Gast: Regisseur Eckhart Schmidt

14:45 Ein saftiges Sittenbild aus Edos Opiumhöhle
(35mm, OmeU, 90 min)

17:00 Eine Trouvaille aus dem Kleiderschrank der Verlorenen
(35mm, engl. OV, 80 min)

21:00 Deutschland, 50er Jahre. *
(35mm, 90 min)

23:15 DEUTSCHLAND INTIM: WENN DIE SEKTKORKEN KNALLEN...
aka #SCHMÜF: Der außerordentlich schmierige Überraschungsfilm
(35mm, 70 min)

 

Samstag, 7.1.

14:15 Deutschland, 30er Jahre. **
(35mm, 100 min)

16:45 HEISSE SEHNSUCHT, KALTE KASTE!
Schulmädchen-Liebesschicksale im indischen Ozean
(35mm, OmeU, 110 min)

21:00 DIE SPELUNKE DER FEURIGEN TRIEBE
aka #BRÜF: Der brünftige Überraschungsfilm
(35mm, OmU, 100 min)

23:30 Deutschland, 10er Jahre. ***
(digital, 80 min)

1:30 Spanien, 60er Jahre. ****
(35mm, DF, 90 min)

 

Sonntag, 8.1.

14:30 GEHEIMNISVOLLE QUALEN DER EROTIK
(BRD, 35mm, 70 min)

16:15 HOW I COME (USA 1976, 16mm, engl. OV, 60 min)
+ vorab: DAS HERZ DURCH WÜSTENEYEN RENNT - ARBEITSTITEL (16mm, 15 min)
zu Gast: Regisseur Garegin Vanisian

21:00 Argentinien, 60er Jahre.*****
(35mm, DF, 80 min)

23:15 Eine Lustreise durch die Aborte der Republik
(35mm, 80 min)

 

Ankündigungstexte entsprechend Sternchen-Kennzeichnung:

* Deutschland, 50er Jahre. Ein Gebirgsgroßbauer tanzt mit grimmig-wildem Ungestüm mit der mustergültigen Magd und der animalischen Hauswirtschafterin. Enges Denken, fiese Häme, blutige Eifersucht, unabsehbare Folgen. Mitreißender Kassenschlager seiner Zeit. Gucken! Doch besser nicht zuhause nachmachen.

** Deutschland, 30er Jahre. Eine herzig kecke Verkäuferin aus einem Handschuhladen hat sich unsterblich verliebt und ist grenzenlos glücklich. Sie singt und tanzt voll Überschwang in einer wunderschön gefilmten und an leuchtenden und anzüglichen Details überreichen Weltstadt, die das für eine allzu kurze Zeit erlaubt. Das, was danach kommt… um Gotteswillen nicht nachmachen.

*** Deutschland, 10er Jahre. Ein hochbetagter Ex-Maschinenschlosser der Firma Prym in Stolberg/Rhld. setzt sich nach dem Tod seiner Frau in seiner Wohnküche an einen Rechner und steht fortan zehn Jahre lang praktisch nicht mehr auf. Als er am Ende (2022) stirbt, um endgültig in das Reich der Mythen, Feen und Belustigungen zu fliegen, hat er mehr als 100 Animationsfilme fertig. Schlitzohrig-naive und locker-süffisante Juwelchen aus den Genres Abenteuer, Horror, Sci-Fi, Krimi, oft mit augenzwinkerndem Sleaze. Wir verneigen uns mit einem Special.

**** Spanien, 60er Jahre. Ein kesses, kleines und enorm begeisterungsfähiges Mädchen bohrt sich mit grellen Schlagern, frechen Outfits und surrealem, erwachsenenparodistischem Gehabe wie ein Wurm in unser Herz und unseren Verstand. Nun wird ihre Erscheinung in alle Ewigkeit durch uns tanzen und uns in den wohlverdienten Wahnsinn treiben.

***** Argentinien, 60er Jahre. Eine untreue Schönheit wird von ihrem erzürnten Liebhaber aus dem Auto geworfen, wacht an einem Tropenstrand wieder auf und ruft bei den lokalen Männern starke, magnetische Reaktionen hervor. Jeder will sie für sich, doch sie will frei sein: Konflikte über Konflikte… wenn es euch irgend möglich ist: besser nicht zuhause nachmachen.

 

Allgemein über die Veranstaltung:

„Die Kongresse richten ihren kundig liebevollen Blick auf Filme, die oft seit Jahrzehnten unbeachtet oder gar verfemt waren. Manche sind so kurios, abseitig und unperfekt wie B-Seiten von Single-Schallplatten. Manche sind aber auch einst viel geliebte Kostbarkeiten, deren Neuentdeckung lange reif war. […] Es ist ein Wechselbad der Gefühle, eine Mentalitäts-Experience, eine Zeitreise durch die unterdrückt erregte, schwarzweiße Beklommenheit der frühen Sechziger Jahre, den schwimmtierbunten Pop der Sixties, die fantasievolle, entgrenzende Wildheit der Seventies, die klobige Aufgetakeltheit der Achtziger Jahre. […] Über Filme schreiben viele der Besucher. Vertreter nahezu jedes relevanten deutschen cinephilen Print- oder Onlinemagazins tummeln sich auf den Kongressen.“

– Silvia Szymanski (seit 2019 selbst Hofbauer-Kommandantin)

„Ein weiterer zentraler Aspekt: Die Kongressfilme zählen auch in materieller Hinsicht zu den Vergessenen des Kinos. Das Hofbauer-Kommando führt seine Entdeckungen, so weit möglich, als 35-mm-Kopien vor. Schon deshalb, weil die meisten dieser Filme nie digitalisiert wurden und – angesichts der geringen Mittel, die derzeit dafür zur Verfügung stehen – es wohl auch nie werden; die warten in den hinteren Regalen der Archive auf ihren endgültigen Verfall. Man sieht da, ganz buchstäblich, einem Teil der Filmgeschichte beim Sterben zu, teils in immer noch beglückend leuchtenden Farben, teils aber auch durch rotstichige Schlieren hindurch.“

– Lukas Foerster

 
 

Alle Daten

  • Von Donnerstag, 5. Januar 2023 15:00 bis Sonntag, 8. Januar 2023 23:15