Hated - GG Allin & the Murder Junkies

Filme
Datum: Freitag, 8. Juni 2018 23:15

Eintritt:
6 Euro

Hated - GG Allin & the Murder Junkies

USA 1993, digital, OV, R: Todd Phillips, D: GG Allin

„Punks sind heute die Typen, die einem die Tür zur Sparkasse öffnen und, wenn man sie nicht weiter beachtet, hinterherrufen: „Trotzdem noch einen schönen guten Tag.“ Nur gut, dass GG Allin diese höflichen Sparkassenpunks nicht mehr miterleben musste. 1993 ist er nach einem Gig in Manhattan standesgemäß nach einer Überdosis in einem New Yorker Apartment gestorben, er wurde gerade mal 36 Jahre alt. In seiner Karriere als Punksänger, die in den frühen Achtzigern begann, hatte er

sich den ordentlichen Ruf erarbeitet, der fieseste und gesellschaftsunfähigste Punkrocker aller Zeiten zu sein. Sid Vicious und Iggy Pop wirken gegenüber Allin wie Ministranten.

HATED, die Dokumentation des Regisseurs Todd Phillips über das Leben und Schaffen von GG Allin, ist kurz vor dessen Tod erschienen. Der Meister durfte den Film selbst noch in einem Kino sehen, er soll recht zufrieden mit ihm gewesen sein und zum Dank eine leere Bierflasche in Richtung Leinwand geworfen haben. (...)

Die religiösen Erfahrungen seiner Kindheit prägten GG Allin bis zum Schluss, er hatte regelrecht Erlöserfantasien, die darin gipfelten, dass er irgendwann bekannt gab, sich im Namen des Rock ’n’ Roll auf der Bühne selbst zu töten. Er inszenierte sich als eine Art Messias der Unmoral. Er sei Gott, Jesus und Satan in einer Person, sagte er einmal, und in einer Talkshow formulierte er den Satz: „Mein Körper ist der Tempel des Rock ’n’ Roll. Mein Fleisch, mein Blut und meine Körpersäfte sind die Kommunion für die Menschen.“

GG Allin war eine Unterklassen-Version von „Church of Satan“-Gründer Anton LaVey, Charles Manson und Donald Trump. Regeln und Moral galten für ihn nicht. Es gibt Footage in HATED, in dem man immerhin sieht, wie GG Allin während einer Performance eine Frau aus dem Publikum schlägt und sie an den Haaren zieht und das wirkt nicht bloß wie Theater. Über 50 Mal wurde GG Allin bei seinen Konzerten von der Polizei festgenommen. Einer, der mit seiner eigenen Scheiße sein Publikum bewarf, das war einfach zu viel in den USA. Hätte er jedoch gar nicht mehr auftreten dürfen, wäre er Massenmörder geworden, sagte Allin. Er gab alles dafür, gehasst zu werden, und dafür liebten ihn seine Fans. Auch Kurt Cobain, der sich dann wirklich im Namen des Rock ’n’ Roll opferte, war einer seiner Bewunderer. Das mit dem

öffentlichen Suizid, seiner Kreuzigung, wenn man so will, hat dann ja nicht geklappt bei GG Allin, aber für diesen Sachverhalt gibt es immerhin einen passenden Song von ihm: „Die when you die“.“ (Andreas Hartmann, taz.de)

 

 

 

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