Die Sexabenteuer der drei Musketiere

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Datum: Donnerstag, 30. Juni 2022 23:30

Eintritt:
6 Euro

Die Sexabenteuer der drei Musketiere

Deutschland 1971, 80 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Erwin C. Dietrich, Darsteller: Peter Graf, Ingrid Steeger, Nadia Pilar, Li Huber, Rico Peter

Der junge D'Artagnan wächst fernab von der Außenwelt auf der (Sand-?)Burg seines Vaters auf. Sein Traum: er möchte mit Mantel und Degen die Welt vor dem Bösen retten – genauso wie die drei Musketiere. Anstatt sich jedoch auf diese Aufgabe vorzubereiten, vertreibt er sich seine Zeit mit den lüsternen Damen des Burghofs. Seinem Vater wird das Tun seines Sprösslings zu blöde, und er schickt ihn los, um den Musketieren bei ihren Abenteuern zu helfen (das hätte man aber auch gleich machen können!). Doch anstatt jetzt Verantwortung für die Geschicke von Volk und Vaterland zu übernahmen, findet D’Artagnan relativ schnell heraus, dass die echten Musketiere sich auch mehr um ihre Bett- als ihre Heldengeschichten verdient gemacht haben.

Jeder Filmtitel wird besser, wenn das Wort „Sexabenteuer“ darin vorkommt. Jeder! Man stelle sich nur vor, um wie viel bekannte Filme gewonnen hätten, wenn sie diese goldene Regel befolgt hätten: „Herr der Ringe: die zwei Sexabenteuer“, „Star Wars Ep. V – Das Sexabenteuer schlägt zurück“, „Spiel mir das Lied vom Sexabenteuer“, „Sexabenteuer – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, „Full Metal Sexabenteuer“, „Star Trek V: Am Rande des Sexabenteuers ...“ – welche Potenziale hier verschwendet worden sind!

Die „Sexabenteuer der Musketiere“ ist ein typischer 70er-Jahre-Bumm-Bumm-Film aus der durch die zahllosen Report-Filme losgetretenen Sexwelle. Damals musste ALLES zum Sexfilm umgebaut werden, siehe auch Titel wie „Die Stoßburg“, „Bohr weiter Kumpel“, „Drei Schwedinnen in Oberbayern“ und viele mehr. Das intellektuelle Niveau dieser Produktionen sollte klar sein: Irgendwelche Trottel haben irgendwas, was sie für Musketier-Kostüme halten, aus dem lokalen Kostümverleih geklaut und poppen sich durch die Botanik. Dazu darf der Zuschauer vor Freude oder Qual Stöhngeräusche produzieren. Das Konzept Ficki-Ficki-Parodien bekannter Stoffe ins Werk zu setzen, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Hauptdarsteller Peter Graf (keine Verbindung mit dem Vater von Steffi Graf) hatte vor diesem Film keine und danach 42 Jahre lang keine dokumentierten Filmauftritte. Prominenteste Person aus dem Cast ist Ingrid Steeger, die auch auf eine gute Karriere im Fach zurückblicken kann. Sie begann als Foto-Model und drehte in den frühen 70ern einen Sexfilm nach dem anderen, bekannt sind: „Ich – ein Groupie“, „Ehemänner-Report“ und „Die goldene Banane von Bad Porno“ (bester Filmtitel aller Zeiten). Einem breiteren Publikum bekannt wurde sie durch „Klimbim“, an das sich die 2000er-Kids gar nicht mehr erinnern. Sie war Werbefigur, zu sehen im Playboy und gewann mehrfach den Bravo-Otto. Später trat sie in vielen Theaterproduktionen und TV-Filmen und -Serien auf. Am Regiestuhl befand sich kein Geringerer als Exploitation-Veteran Erwin C. Dietrich, Schweizer Regisseur und Produzent. Er begann bereits 1955 das Produzieren, sprang früh auf die Sexwelle auf und führte bei „Die Nichten der Frau Oberst“ (von dem es 1980 mit Brigitte Lahaie ein Remake gibt) zum ersten Mal selbst Regie. Er drehte und produzierte am laufenden Band mit seiner Firma Elite-Film (später Ascot), davon einige Filme mit Ingrid Steeger. Titel sind: „Blutjunge Verführerinnen“ oder „Die Stewardessen“. Zusätzlich arbeitete er regelmäßig mit Jess Franco zusammen, etwa bei „Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“. Eine gute Entscheidung, sagen manche. Dietrich wollte nicht nur mit Exploitation in Verbindung gebracht werden und brachte mit seinem Verleih Avis über 400 Filme ins Kino.

Der katholische Filmdienst urteilte über die „Sexabenteuer“: „Die sexuellen Eskapaden eines jungen Adeligen und seiner drei Freunde. Inhaltlich dem Roman von Alexandre Dumas entnommen, aber stark vergröbert und auf Porno getrimmt. Rundherum dümmlich. – Wir raten ab.“

Und weil „rundherum dümmlich“ auch den durchschnittlichen User des Badmovies.de-Forums sehr gut beschreibt, können wir nur sagen: Wir raten zu!

 

 

 

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