Rivalen am Steuer

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Samstag, 12. November 2022 14:00
RIVALEN AM STEUER
DDR 1957, 101 Minuten, 35mm, R.: Ernst W. Fiedler. D.: Johannes Arpe, Hermann Belitz, Gertrud Bergmann
 
Während eines Autorennens in Westdeutschland wird der erfahrene Eisenacher Fahrer Manfred Falk von den südamerikanischen Alvarez-Werken abgeworben. Die rassige Alvarez-Tochter Manuela brachte ihn dazu, sein Kollektiv und auch Freundin Inge im Stich zu lassen. Nach großen Erfolgen in Amerika wird sein Siegeseifer aus geschäftlichen Gründen von seinem neuen Arbeitgeber gedrosselt. Er ist enttäuscht, und nach einem Rennen in Frankreich kehrt er nach Deutschland zurück. (DEFA-Stiftung)
 
Basierend auf den Erinnerungen des Rennfahrers Manfred von Brauchitsch wurde RIVALEN AM STEUER in Dessau, Staaken und in der Nähe von Eisenach gedreht. Zahlreiche Rennszenen wurden von echten Rennfahrern gedoubelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo der erfahrene Eisenacher Rennfahrer Manfred Falk seiner sportlichen Leidenschaft besser nachgehen kann, in Südamerika, in West- oder Ostdeutschland. Moral, Loyalität und natürlich die Liebe sind die treibenden emotionalen Faktoren in einem auch die Faszination für die Ästhetik der Rennautos und deren Geschwindigkeit betonenden Film. (Michael Grisko)
 
Ein Defa-Film über schnelle Autos, schöne Frauen und die Verführung durch das große Geld? War vor dem Mauerbau 1961 offenbar noch möglich, als der Kampf der Wirtschaftssysteme und der politischen Ideologien noch nicht entschieden schien, jedenfalls aus Ost-Berliner Sicht. […] Weshalb „Rivalen am Steuer“ nur wenige Wochen auf den Spielplänen in den Filmtheatern der DDR blieb: Nachdem ihn drei Millionen offenbar begeisterte Zuschauer gesehen hatten, wurde Fiedlers melodramatische Liebesgeschichte in die Giftschränke der staatlichen Zensoren verbannt. Zu sehr hätten die übrigens ausschließlich im Arbeiter- und Bauernstaat gedrehten exotischen Szenen der lebensfrohen Südamerikaner das Fernweh der ja noch nicht eingemauerten DDR-Bürger wecken können. Und überhaupt: Wo bleibt der Klassenstandpunkt? Selbst an der Rennstrecke unter der Wartburg werben kapitalistische Unternehmen wie Dunlop, Continental, Bosch und Veedol mit Bannern und Fahnen. Und beim Reifenwechsel bekommen auch Falk und Seering eine Sinalco oder gar eine Coca Cola zur Erfrischung gereicht. […] „Rivalen am Steuer“ bietet in gut einhundert vom Regisseur Ernst W. Fiedler selbst gedrehten Schwarzweiß-Minuten neben exotischen Kulissen und zu Herzen gehender Liebesfilm-Unterhaltung auch rasant geschnittenen Rennsport. Einschließlich einiger dokumentarischer Szenen großer Rennen samt zahlreicher spektakulärer Unfälle, die das Sensationsbedürfnis der Zuschauer befriedigen. Was für die Babelsberger Produktionen eher die Ausnahme darstellt: Entgegengesetzt zur großen politischen und gesellschaftlichen Bedeutung der um internationale Anerkennung ringenden DDR hat es überhaupt nur rund zwanzig „Sportfilme“ der Defa gegeben – und „Rivalen am Steuer“ ist darunter eine Ausnahmeerscheinung. Weil der sportliche Wettkampf unter ehrgeizigen Rivalen mit filmischen Mitteln sozusagen hautnah auf die Leinwand übertragen wird: Kameras sind auf den Rennwagen positioniert und fangen Zweikämpfe auf der Strecke authentisch ein. Was Mitte der 1950er Jahre noch als technische wie künstlerische Meisterleistung anzusehen war, ist heute mit der Digitalisierung Alltag: ein Formel-Eins-Rennen wird mühelos aus Hunderten von Perspektiven gefilmt und live übertragen – selbst aus dem Cockpit der Fahrzeuge. (Pitt Herrmann)
 
 

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