Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer

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Samstag, 17. Januar 2026 13:00
                                           Einzelticket: 6 Euro                           

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer

Originaltitel: Gojira, Ebira, Mosura: Nankai no Daikettō, JP 1966, 87 Min., 35mm, deutsche Kinofassung

Regie: Jun Fukuda

Darsteller: Akira Takarada, Kumi Mizuno, Chotaro Togin

Wer glaubt, das Godzilla-Universum habe nur erhabene, weltbewegende Monsterdramen hervorgebracht, der wird bei Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer eines Besseren belehrt. Und zwar liebevoll, herzlich und mit ordentlich Gummi-Charme. Der deutsche Verleihtitel lässt zwar vermuten, dass hier mal wieder ein „Mad Scientist“ mit seinen Experimenten über die Stränge geschlagen ist, doch in Wahrheit trifft Godzi in diesem entspannten Strandabenteuer vor allem auf: ein gigantisches Hummermonster, eine paramilitärische Bananenrepublik – und ein paar ziemlich verlorene junge Männer auf der Suche nach einem Bruder. Man könnte sagen: Robinson Crusoe trifft Kaiju-Karaoke. Regisseur Jun Fukuda – Godzillas Spezialist für leichtere, tropisch-sonnige Kaiju-Kost – übernahm erstmals die Monsterregie. Heraus kam ein Godzilla-Film, der weniger Weltuntergang und mehr Strandurlaub bietet. Tatsächlich sollte das Projekt ursprünglich gar kein Godzilla-Film werden: Toho plante zusammen mit amerikanischen Partnern eine Art King-Kong-auf-Robinson-Inseln-Abenteuer. Kong sollte gegen den Riesenkrustentierkollegen Ebirah antreten. Als das Projekt in kreativer Brandung stecken blieb, tauschte man kurzerhand den Protagonisten aus – und schon durfte der König der Monster selbst die Krallen schärfen.

Die Handlung ist ungefähr so logisch wie ein Monster in Gummifell schwerelos: Ein junger Mann sucht per Tanzwettbewerb (!) Hinweise auf seinen verschollenen Bruder. Er entführt prompt ein Boot, landet mit Freunden auf einer geheimnisvollen Insel und stolpert über die zwielichtige Organisation „Roter Bambus“, die Atombomben baut, Sklaven hält und offenbar keinerlei Sicherheitsprotokolle kennt. Zwischen Palmen und Waffenlagern lauert das titelgebende Monster Ebirah – ein gigantischer Hummer, der Schiffe knackt wie andere Leute Sonnenblumenkerne. Zum Glück schläft Godzilla in einer Felsspalte vor sich hin, bereit, jederzeit mit einer ordentlichen Tempowatsche zu helfen. Dass am Ende auch noch Mothra fürs Finale vorbeischwebt, versteht sich fast von selbst – es ist eben Toho in Hochform.

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer ist herrlicher Unsinn, der sich seines eigenen Schunds absolut bewusst ist – und genau darin seinen Charme findet. Die Miniaturkulissen sind liebevoll gebastelt, die Monsterkämpfe wirken wie ein äußerst engagierter Kindergeburtstag und die Musik schwingt zwischen Abenteuerfilm und Sixties-Loungestimmung. Fukudas lockerer Tonfall macht den Film zu einem außerordentlich sympathischen Außenseiter im Godzilla-Kanon. Wer ohnehin ein Faible für japanischen Monstertrash hat, wird hier glänzende Augen bekommen – wie Godzilla, wenn er sich zum Frühstück einen Hummer gönnt.

Viel Vergnügen bei diesem tropischen Klassiker des charmanten Gummikinos!

 
 

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  • Samstag, 17. Januar 2026 13:00