Frankensteins Horror-Klinik

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Datum: Donnerstag, 22. November 2018 21:15

Eintritt:
6 Euro

Frankensteins Horror-Klinik

OT: Horror Hospital, Großbritannien 1973, 90 Min, dF, 35mm, R.: Antony Balch, D.: Michael Gough, Robin Askwith, Vanessa Shaw

Jason ist ein erfolgloser Musiker und will in einem Erholungszentrum eine Auszeit nehmen. Auf dem Weg dahin verliebt er sich in ein Mädchen, die ihn dorthin begleitet – doch angekommen, geraten sie an den finsteren Dr. Storm, der aus den hedonistischen Gästen willenlose Zombies kreiert.

Dr. Storm heißt in der deutschen Fassung natürlich Dr. Frankenstein, damit mehr Zuschauer ins Kino gehen, beglückend ist der Film aber in beiden Fassungen. Neben viel Sex gibt es blutige Spezialeffekte und der Film, der zwischen Ernsthaftigkeit und Genrepersiflage schwankt, unterhält außerordentlich.

 

 

200 Jahre Frankenstein

2018 jährt sich das Erscheinen von Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ zum 200. mal. 1910 erstmals verfilmt, ist bis heute die Darstellung Boris Karloffs aus dem Jahr 1931 ikonisch und Ziel zahlreicher Parodien. Doch neben dem klassischen Gruselcharme schwebte Shelley sehr Gehaltvolles vor: 1815 brach der Vulkan Tambora aus und veränderte das Weltklima, es gab Ernteausfälle und viele Europäer flüchteten nach Amerika. Ein Jahr später, im „Jahr ohne Sommer“ verbrachte Mary Shelley unter anderem mit ihrem Mann und Lord Byron den Juni am Genfer See. Wegen der frostigen Sommertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt beschlossen die Dichter, in der Villa Deodati, ihrem Feriensitz, Drogen zu nehmen und Gespenstergeschichten zu schreiben. Polidori, Byrons Arzt, schrieb „Der Vampyr“, teils Byron zugeschrieben, und begründete den bis heute wirkenden Mythos des Dandy-Vampirs mit erotischer Ausstrahlung (vgl. neuerdings Angel in „Buffy“, 1997, „Twilight“, 2008, „Dracula untold“, 2014). Byron schuf ein Gedicht „Finsternis“ über die letzten beiden Menschen in einer apokalyptischen Welt, die sich gegenseitig umbringen. Und Mary Shelley den Urvater des Mad-Scientists, der die Kontrolle über seiner Schöpfung verliert.

Inhaltlich geht das tiefer: In einer Zeit, in der gerade erst Napoleon besiegt wurde – der einen Weltkrieg führte, wenn man so Kriege, die in mehreren Kontinenten ausgetragen werden, bezeichnet – und demokratische Kräfte bereits seit einem halben Jahrhundert immer mehr die alte Adelsordnung bedrohten (Unabhängigkeit Amerikas 1776, Französische Revolution 1789) ist Frankenstein das Symbol revolutionärer Kräfte einer Sturm-und-Drang-Epoche. Kräfte, die ohne Vernunft und Maß das Alte zerstören wollen, um Neues zu erschaffen und schließlich daran scheitern, da sich das Neue im Gegensatz zum Alten als mindestens ebenso gefährlich, aber darüber hinaus als unkontrollierbar erweist.

Damit erreicht „Frankenstein“ eine politische Dimension, die durchaus beabsichtigt ist: Victor Frankenstein aus Genf studiert und erschafft sein Monster in Ingolstadt, und Mary Shelley siedelte ihr Werk deswegen in der kleinen Universitätsstadt an, da in Ingolstadt Adam Weishaupt den Illuminatenorden gründete, einen Geheimbund, der den Adel stürzen und demokratische Prinzipien an dessen Stelle installieren wollte. - Wobei auch die werkgetreueren Verfilmungen in ihrer Tendenz kaum als demokratiefeindlich einzuordnen sind, auch wenn sie sich aus einer solchen Quelle speisen – vielmehr aber fortschrittsfeindlich sind - und damit seit eh und je ein Politikum.

 

 

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