Der Tod trägt schwarzes Leder

Filme
Datum: Samstag, 24. November 2018 16:00

Eintritt:
6 Euro

Der Tod trägt schwarzes Leder
(La polizia chiede aiuto)
Italien 1974 | 91 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:2,35)

Regie: Massimo Dallamano
Darsteller: Giovanna Ralli, Claudio Cassinelli, Mario Adorf, Franco Fabrizi, Farley Granger, Marina Berti, Sherry Buchanan
Drehbuch: Massimo Dallamano, Ettore Sanzò
Kamera: Franco Delli Colli
Musik: Stelvio Cipriani

Die 15-jährige Silvia wird erhängt auf einem Dachboden aufgefunden, alles sieht nach Selbstmord aus. Kommissar Silvestri findet jedoch schnell heraus, das der vermeintliche Selbstmord nur vorgetäuscht ist und man es mit einem Mord zu tun hat. Zusammen mit der Staatsanwältin Stori macht sich Silvestri an die Ermittlungen und stößt schon bald auf einen Verbrecher-Ring der sein Geld mit Kinderprostitution macht. Aber nicht nur der Kommissar macht Jagd auf die Verbrecher, auch ein mysteriöser, komplett in schwarzer Motorradkleidung steckender Unbekannter macht auf seine Art Jagd auf die Bande... (OFDb.de)

Massimo Dallamano schuf mit »La polizia chiede aiuto« (übersetzt: Die Polizei bittet um Hilfe) einen Thriller, der sich nur bedingt in eine bestimmte Genre-Schublade pressen lässt, da hier bewusst zwischen mehreren Stilen italienischer Kriminalfilmstrukturen gependelt wird. Die notwendige Dramatik wird dabei keineswegs außer Acht gelassen. Doch so kalt der Plot und die Atmosphäre rund um Mailand auch sein mögen: Dallamano gelingt es eindrucksvoll das ermittelnde Dreiergespann um Giovanna Ralli, Claudio Casinelli und Mario Adorf als hell erleuchteten Gegenpol zu den tragischen Ereignissen im Schulmädchenmilieu, sowie den erbarmungslosen Hinrichtungen vonseiten des titelgebenden Phantoms einzuordnen und die Handlung, um sie herum zu zentralisieren. Ralli und Cassinelli erledigen ihren Part dabei routiniert wie eh und je, aber es ist Mario Adorf, der aus dem Trio heraussticht und die schauspielerischen Großmomente vom Rand aus unfreiwillig an sich zu reißen vermag. Ähnlich präsent ist der hier vorliegende Soundtrack von Komponistenlegende Stelvio Cipriani, der das Geschehen vehement vorantreibt, ebenfalls das Handlungsgerüst in etlichen Passagen verdunkelt und überhaupt zu eine der bekanntesten Musiken des italienischen Genrefilms vergangener Tage zählen dürfte. Es ist allerdings auch der intensiven Erzählweise Dallamanons geschuldet, dass man diesen Film nicht so schnell vergessen wird, denn das anstößige Thema – in ähnlichen Formen aus heutiger Sicht immer noch präsent – versteht zu fesseln und erschüttern zugleich. Dass Dallamano gerade bei diesem schwierigen Drahtseilakt das preschende Tempo öfters reduziert, stärkt den Aufbau ungemein und lässt »La polizia chiede aiuto« in seiner Gesamtheit betrachtet als einen der besten italienischen Thriller der Siebzigerjahre glänzen, der obendrauf auch keine Seitenhiebe in Richtung Politik und System scheut.

Tobias Reitmann

 

 

Alle Daten


  • Samstag, 24. November 2018 16:00