Exzess - Mord im schwarzen Cadillac

Filme
Datum: Sonntag, 25. November 2018 13:00

Eintritt:
6 Euro

Exzess - Mord im schwarzen Cadillac
(Femmine insaziabili)
Italien/Deutschland 1969 | 93 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Alberto De Martino
Darsteller: Robert Hoffmann, Dorothy Malone, Luciana Paluzzi, Frank Wolff, John Ireland, Nicoletta Machiavelli, Ini Assmann, Rainer Basedow, Roger Fritz, Romina Power
Drehbuch: Alberto De Martino, Vincenzo Mannino, Lianella Carell, Carlo Romano
Kamera: Sergio D'Offizi
Musik: Bruno Nicolai

Der Journalist Paolo Sartori (Robert Hoffmann) liegt angezogen und verkatert auf seinem Bett, als plötzlich zwei Männer in sein Appartement in Los Angeles eindringen. Sie halten sich nicht lang mit Reden auf, sondern versuchen aus ihm heraus zu prügeln, wo sich „Lambert, the Smile“ befindet. Sartori ahnt nicht, dass damit sein alter Freund aus Italien, Giulio Lamberti (Roger Fritz), gemeint ist, den er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat, der aber plötzlich auf seiner Terrasse steht, nachdem die beiden Schläger wieder verschwunden sind. Lamberti, mit dem er sich früher auch politisch engagiert hatte, bleibt nur einen Moment, will ihn aber kurzfristig wieder treffen, um ihn über die Hintergründe seiner Situation zu informieren. Stoff für eine gute Story, wie Sartori seinem Chefredakteur Salinger (John Ireland) am nächsten Morgen mitteilt, der ihm die Bezeichnung „Lambert, the Smile“ erklärt. Lamberti ist das Werbegesicht eines mächtigen Chemie-Konzerns, auf dessen Plakaten er immer mit einem Lächeln zu sehen ist. Doch das dabei eine Titel-Story herauskommt, glaubt er nicht - bis Sartori, als er seinen Freund aufsuchen will, erfährt, dass er bei einem Unfall ums Leben gekommen ist… (Udo Rotenberg)

„Mord im schwarzen Cadillac“ entstand im Winter 1968/69 unter der Regie des verdienstvollen Genrefilm-Regisseurs Alberto De Martino und wurde in unseren Breitengraden erstmals am 14. August 1970 aufgeführt. Dabei handelt es sich um eine irrwitzige Giallo-Inszenierung, die zwar keinen vermummten, handschuhtragenden und mit hochglanzpoliertem Schneidewerk bewaffneten Täter vorweisen kann, dafür aber mit ganz anderen Qualitäten auftrumpft, die wiederum einen genregerechten Hochgenuss garantieren. Beeinflusst vom amerikanischen Noir-Kino vergangener Tage, schuf Alberto De Martino einen zeitgenössischen Kriminalfilm, der zudem die damaligen Grenzen vorzeigbarer Nacktheit auslotete; denn was der Regisseur in der Originalfassung des Films zeigt, dürfte einigen Moralhütern schwer auf den Magen geschlagen haben. Leider wurden diese expliziten Szenen weltweit in zahlreichen Schnittfassungen entschärft, worunter zwar auch die deutsche Kinofassung fiel, die aber nichtsdestotrotz immer noch ein hoch vergnügsames Filmerlebnis bereiten dürfte, zumal es sich bei der deutschen 35mm-Kopie um eine absolute Seltenheit handelt.

Eine weitere Stärke dieses außergewöhnlichen Kriminalfilms resultiert aus dem bunt zusammengewürfelten Haufen an gut aufgelegten Schauspielern, von denen der Österreicher Robert Hoffmann die Rolle des hartnäckigen Journalisten verkörpern darf, den während seines investigativen Ermittlungsfeldzugs eine böse Überraschung nach der anderen erwartet. Ihm gegenüber steht der deutsche Schauspieler, Filmemacher und Fotograf Roger Fritz, der seinen Rollencharakter Dieter Lambert ebenfalls mit Bravour darstellt. Dabei entpuppt sich der Dressmann als ein Charakterschwein erster Güte, das dann nicht nur die Haupteignerin Vanessa Brighton (Dorothy Malone) eiskalt mit deren Tochter betrügt oder den Aktionär Frank Donovan (Frank Wolff) mit dessen Lasterhaftigkeiten erpresst, sondern auch noch dessen naive Sekretärin (Luciana Paluzzi) aufs Übelste vorführt. Die Tochter von Vanessa Brighton, Gloria, wird von der damals gerade erst siebzehnjährigen Romina Power verkörpert, wobei ihr hippiehafter Rollencharakter rein vom Äußerlichen her sehr stark an ihre Rolle aus dem italienisch-spanisch co-produzierten Giallo „Trumpet of the Apocalypse“ (I caldi amori di una minorenne) erinnert, der überraschenderweise gerade mal acht Tage nach „Mord im schwarzen Cadillac“ in den italienischen Kinos startete. Neben den US-amerikanischen Schauspielstars Dorothy Malone und John Ireland darf dann auch noch die deutsche Darstellerriege mit Ini Assmann, Rosemarie Lindt und Rainer Basedow ihr Können in kleineren Nebenrollen unter Beweis stellen. Wobei die energiegeladene Darbietung des Letztgenannten gerne ein wenig zeitintensiver hätte ausfallen können, denn Rainer mimt einen der beiden üblen Schlägertypen, der mit seiner unnachahmlichen Stimme kein Blatt vor den Mund nimmt.

Abschließend gilt noch festzuhalten, dass jeder der beteiligten Charaktere ordentlich Dreck am Stecken hat, denn reine Westen sind in Alberto De Martinos Glanzstück sehr rar gesäht. Untermalt wird das abgründige Treiben von einer sensationellen Filmmusik, die der Soundtrackschmiede Bruno Nicolais entstammt. Bleibt jetzt nur noch zu fragen: Are you ready for the "exzess"?

Richie Pistilli

 

 

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