Die Nacht der rollenden Köpfe

Filme
Datum: Sonntag, 25. November 2018 15:00

Eintritt:
6 Euro

Die Nacht der rollenden Köpfe
(Passi di danza su una lama di rasoio)
Italien/Spanien 1973 | 84 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,66)

Regie: Maurizio Pradeaux
Darsteller: Robert Hoffmann, Nieves Navarro, George Martin, Anuska Borova, Serafino Profumo, Simón Andreu, Anna Liberati, Rosita Torosh
Drehbuch: Alfonso Balcázar, Arpad DeRiso, George Martin, Maurizio Pradeaux
Kamera: Jaime Deu Casas
Musik: Roberto Pregadio

Ketty beobachtet zufällig durch ein Touristenfernrohr einen Mord an einer jungen Frau, das Gesicht des Mörders hat sie allerdings nicht gesehen. Weder ihr Freund Alberto noch die Polizei glauben ihr anfangs, aber dann wird tatsächlich die Leiche in der von ihr beschriebenen Wohnung gefunden. Ein Maronenverkäufer der den Mörder gesehen hat stirbt, genauso wie eine alte Frau die ihr Wissen um die Identität des Mörders an die Presse verkaufen möchte. Und da niemand weiß, dass Ketty den Mörder nicht erkannt hat, gerät auch sie in das Visier des Unholds. Könnte es ihr Verlobter Alberto sein, der gerne Messer in Stoffpuppen rammt? Oder die junge Journalistin Lydia, die für eine Schlagzeile und ihre Karriere absolut alles machen würde? Oder der Musiker Marco, der ein Tanzstück über Bildern von zerstückelten Puppen machen möchte? Oder Silvia, die allem Anschein nach alles und jeden hasst? (Maulwurf)

"Die Nacht der rollenden Köpfe" wurde im Februar 1974 in die bundesdeutschen Kinos gebracht - übrigens durch den Jugendfilm-Verleih - um Anfang der 80er Jahre auf die Liste der jugendgefährdenden Medien gesetzt zu werden, wo er auch fünfundzwanzig Jahre verweilen musste. Die Wahl des deutschen Titels erscheint wie eine Allianz aus Kalkül und Wohlklang, immerhin lässt sich eine deutliche Anlehnung an gängige Formate und laufende Serien herausfiltern. Außerdem wirkt das Ganze bereits im Vorfeld äußerst verlockend. Entstanden in der Blütezeit des Giallo und in einem allgemein sehr produktiven Filmjahr, setzt der eher sporadisch in Erscheinung getretene Regisseur Maurizio Pradeaux auf die typischen Markenzeichen des gelben Films, um schließlich ein Ergebnis abzuliefern, das zwar einen vorgefertigten Weg ohne Risiken oder bedeutende Neuerungen einschlägt. Beim Stammpublikum weiß es aber umso besser anzukommen, da es sich an gängigen Sehgewohnheiten und dem beliebten Spannungskino orientiert. Obwohl gleich zu Beginn der Zufall bemüht wird, kommt es unter strikter Berücksichtigung bestehender Gesetze des Giallo zu einem bemerkenswert klaren Aufbau und fließenden Übergängen, die alle klassischen Attribute des Genres auf einem Silbertablett servieren. Es darf mysteriös, blutrünstig und atmosphärisch werden, aber vor allem spannend und ein Spritzer schwarzer Humor lockert das Geschehen obendrein noch effektiv auf. Die Charaktere sind erneut in Fraktionen aufgeteilt. Auf der einen Seite stehen die Sympathieträger und die Opfer ihres eigenen Pokerspiels, welche die Tanzschritte auf der Rasierklinge gut choreografieren. Auf der anderen Seite plustern sich hingegen krude und störrische Gestalten auf, die nicht nur Verwirrung stiften, sondern tatkräftig an einem angemessenen Whodunit-Effekt mitarbeiten. Wenn sich die nicht immer vorhandene Nacht dem Ende zuneigt und im übertragenen Sinn genügend Köpfe gerollt sind, darf man auf einen kurzweiligen Vertreter der Zunft blicken, der seinen Auftrag locker erfüllen kann.

Prisma

 

 

Alle Daten


  • Sonntag, 25. November 2018 15:00