Der Todesengel

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Datum: Sonntag, 25. November 2018 17:00

Eintritt:
6 Euro

Der Todesengel
(La vittima designata)
Italien 1971 | 100 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:2,35)

Regie: Maurizio Lucidi
Darsteller: Tomas Milian, Pierre Clémenti, Katia Christine, Luigi Casellato, Ottavio Alessi, Marisa Bartoli, Alessandra Cardini, Enzo Tarascio
Drehbuch: Fulvio Gicca Palli, Augusto Caminito, Aldo Lado, Maurizio Lucidi, Antonio Troiso
Kamera: Aldo Tonti
Musik: Luis Bacalov

Der mit der reichen Luisa unglücklich verheiratete Grafiker Stefano Augenti lernt bei einem Venedig-Aufenthalt mit seiner Langzeit-Affäre den exzentrischen Graf Matteo Tiepolo kennen. Letzterer versucht, die Freundschaft Stefanos zu erlangen und ihn zu einem perfekten Verbrechen zu überreden - Stefano soll Matteos verhassten Bruder ermorden, im Gegenzug tötet der Graf Stefanos Frau. Als Stefano sich nicht so recht für den ihm unterbreiteten Pakt begeistern kann, wird er mithilfe eines perfiden Plans dazu genötigt... (Schattenlichter)

Gialli, wie man das Genre landläufig kennt: altbekannte Komponenten sind Rasierklingenmorde, schwarz behandschuhte Killer und eine so verrückte Story, dass diese gut und gerne einem Fiebertraum entsprungen sein könnte. Doch das alles gilt nicht für „Der Todesengel“. Bei diesem Thriller des Regisseurs Maurizio Lucidi handelt es sich nach Alfred Hitchcocks "Der Fremde im Zug" um die zweite Verfilmung eines Romans der Autorin Patricia Highsmith. Während die Credits noch über die Leinwand flackern und Stefanos Geliebte sich vor seiner imaginären Kamera räkelt, erhält man einen ersten Eindruck, wie stilsicher der Film fotografiert wurde. Mit viel Gespür für Ästhetik wurden die Drehorte (vor allem Mailand, Venedig und der Comer See) von niemand Geringerem als Luciano Tonti, der später ebenfalls für „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ als Kameramann fungierte, auf Zelluloid gebannt. Des Weiteren begeistert der Film durch die intelligent aufgebaute Geschichte, der eine nicht zu verleugnende düster-romantische Poesie innewohnt. Sie handelt im Wesentlichen von der tragischen schicksalhaften Verstrickung zweier verlorener Seelen und den zwischen neugierigem Interesse und Hass-liebe pendelnden Emotionen Stefanos (Tomas Milian) und Matteos (Pierre Clémenti). Tiepolo eröffnet ein intrigantes und grausames Psychospiel, das an Intensität und Spannung kaum zu überbieten ist. Milian und Cleménti, beide großartige Charakterdarsteller, ergänzen einander und konkurrieren zur selben Zeit auf darstellerischer Ebene.

"Always searching, never finding, my shadow in the dark..." intoniert Tomas Milian selbst trübsinnig zu den Klängen der Prog Rock Band „New Trolls“. Es gibt keinen Song, der besser zu den Bildern des nebelverhangenen, mysteriösen Venedigs und dem Schicksal der beiden ungleichen Männer passen würde. Wer Venedig liebt und sich für gut inszenierte psychologische Geschichten begeistern kann, darf sich von "Der Todesengel" mitnehmen lassen auf den desaströsen Trip zwischen der geheimnisumwitterten Welt des Grafen Tiepolo (Venedig) und dem von der bitteren Realität gefärbten Mailand Stefanos.

Mauritia Mayer

 

 

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  • Sonntag, 25. November 2018 17:00