Tommy
UK, 1975, 111 Minuten, OV, digital, Regie: Ken Russell, Darsteller: Roger Daltrey, Oliver Reed, Ann-Margret
Klassiker! Ken Russells Musikfilm „Tommy“ nach der gleichnamigen Rockoper von The Who:
„Ever since I was a young boy, I've played the silver ball
From Soho down to Brighton, I must've played 'em all
But I ain't seen nothing like him in any amusement hall
That deaf, dumb, and blind kid sure plays a mean pinball“
„Eine optisch und akustisch orgiastische, zuweilen gewalttätige Verfilmung der gleichnamigen Rock-Oper von „The Who“: Der blinde und taubstumme Tommy steigt vom gedemütigten Außenseiter zum Weltmeister im Flipper-Spiel und zum Messias einer begeisterten Fan-Gemeinde auf, deren kultische Verehrung bald kommerziell ausgeschlachtet und industriell vervielfältigt wird. Die allegorische Geschichte, in der sich das wütende Aufbegehren der Rock-Generation ebenso artikuliert wie deren mystische Erlösungssehnsucht, wurde zum grellen Pop-Bilderbogen, angereichert mit satirischen Seitenhieben auf die eigene Branche und getragen von einer effektbewußten Bürgerschreck-Attitüde.“ (Filmdienst)
Retrospektive Henry Kenneth Alfred „Ken“ Russell (1927-2011)
Das KommKino widmet dem britischen Regisseur Ken Russell eine Retrospektive. Russell zählt bis heute zu den eigenwilligsten Filmemachern des internationalen Kinos. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen klassischer Musik, literarischen und religiösen Stoffen und einer Bildsprache, die bewusst überzeichnet, dabei körperlich und oft grotesk ist.
Zu seinen bekanntesten Filmen zählen „Die Teufel“, „Die Hure“, „Gothic“, „Tommy“, „Salomes letzter Tanz“ und „Der Biss der Schlangenfrau“. Russell griff darin auf historische, musikalische und mythologische Vorlagen zurück, um sie filmisch zuzuspitzen und gegen den Strich zu lesen. Religion, Sexualität, Macht und Kunst stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, ohne auf eindeutige Deutungen hinauszulaufen.
Russells Filme sind fordernd und nicht auf unmittelbare Gefälligkeit angelegt. Sie irritieren, provozieren und eröffnen neue Perspektiven auf das, was Kino leisten kann. Der Regisseur, der seine Laufbahn im britischen Fernsehen begann, schuf später Arbeiten, die immer wieder auf Widerstand, Zensur und Skandalisierung stießen. Gerade aus dieser Spannung zwischen künstlerischem Anspruch und bewusster Übersteigerung beziehen seine Filme ihre Wirkung. Viele seiner Bilder haben bis heute nichts von ihrer Kraft verloren.
Eine Ken-Russell-Retrospektive im KommKino ist daher mehr als eine bloße Wiederaufführung. Sie bietet die Gelegenheit, ein Werk neu zu betrachten, das sich einfachen Einordnungen entzieht und bis heute singulär im Kino steht.