13
Feb.
2026
Freitag, 13. Februar 2026 21:15
Der bedauerlicherweise im November vergangenen Jahres verstorbene Udo Kier war einer der charismatischsten

Der bedauerlicherweise im November vergangenen Jahres verstorbene Udo Kier war einer der charismatischsten und schillerndsten deutschen Schauspieler. Er gab jedem Film einen besonderen, oft auf exzentrische Weise eleganten Anstrich. In dieser Hinsicht war es sogar beinahe egal, ob er zu den Hauptdarstellern des jeweiligen Streifens gehörte. Selbst in Nebenrollen gelang es ihm, höchst markante Akzente zu setzen. Bereits seine Rollenauswahl war durchaus eigenwillig: Er wirkte in tabubrechenden, bis heute unvergessenen Exploitation-Klassikern wie „Schamlos“, „Hexen bis aufs Blut gequält“, „Die Insel der blutigen Plantage“ oder „Andy Warhol’s Frankenstein“ mit. Er war in Underground-Filmen von Christoph Schlingensief vertreten, ebenso in Arthouse-Klassikern von so unterschiedlichen Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Lars Von Trier oder Gus Van Sant, aber auch in einigen Hollywood-Blockbustern.

Wir zeigen eine Auswahl sehenswerter und ungewöhnlicher Werke.

Hexen bis aufs Blut gequält

BR Deutschland 1970, 97 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Michael Armstrong, Adrian Hoven, Darsteller: Herbert Lom, Udo Kier, Olivera Vučo, Herbert Fux, Michael Maien

Mit „Hexen bis aufs Blut gequält“ lieferte das deutsche Kino 1970 einen erstaunlich kompromisslosen Beitrag zum damals international florierenden Hexenjäger-Exploitationfilm. Deutlich inspiriert vom britischen „Witchfinder General“, verlegt der Film seine Grausamkeiten in eine scheinbar idyllische Alpenlandschaft – und zieht genau aus diesem Kontrast seine größte Wirkung.

Nach einem provokanten Auftakt aus Nonnenverfolgung und Scheiterhaufen versichert der Film augenzwinkernd, auf realen historischen Fällen zu beruhen. Eine Behauptung, die weniger der historischen Genauigkeit als der Schockverstärkung dient, deren bitterer Kern jedoch kaum zu leugnen ist: Religiöser Fanatismus war im Mittelalter ein ebenso effektives Machtinstrument wie persönliche Rachsucht. In einem kleinen Dorf herrscht zunächst der widerwärtige Hexenjäger Albino (Reggie Nalder), bis der Oberinquisitor Lord Cumberland (Herbert Lom) gemeinsam mit seinem Adlatus Christian von Meruh (Udo Kier) eintrifft – und klar macht, dass ein Machtwechsel nicht automatisch Menschlichkeit bedeutet.

Was folgt, ist Exploitation in Reinform: lose verbundene Anklagen, Folterungen und Machtspiele, zusammengehalten durch die Geschichte der Schankmaid Vanessa (Olivera Vuco), deren persönliche Intrigen exemplarisch für den Missbrauch der Hexenprozesse stehen. Erzählerische Eleganz ist dabei zweitrangig, doch die Folterszenen sind für ihre Zeit bemerkenswert explizit, ohne in monotone Effekthascherei abzurutschen.

Besonders reizvoll ist der ironische Ton: Romanzen im Stil des Heimatfilms, begleitet von schwelgerischer Musik von Schlagerstar Michael Holm und Postkartenpanoramen, kollidieren frontal mit Brutalität und Zynismus. Herbert Lom glänzt mit kalter Autorität, Reggie Nalder ist pures Ekelkino, und Udo Kiers stoische Präsenz wirkt unfreiwillig komisch. „Hexen bis aufs Blut gequält“ ist damit ein böser Anti-Heimatfilm, roh, widersprüchlich und stellenweise überraschend kritisch – ein putziger, aber giftiger Ausreißer im deutschen Genrekino.

Der in Deutschland lange Zeit verbotene und hier ungeschnitten zu sehende Skandalfetzer hinterließ durchaus seine Spuren in der Filmgeschichte. 2014 fand gar ein zweitägiges wissenschaftliches Symposium der Universität Wien nur zu diesem Film statt.

In der Ankündigung hieß es: "Nach langen Jahren, in denen er nur schwer erhältlich war, hat sich der einstige Skandalfilm "Hexen bis aufs Blut gequält" (1970) zu einem der intensivst rezipierten Werke des deutschsprachigen Exploitationkinos entwickelt. Sein unwahrscheinlicher Werdegang vom berüchtigten Publikumserfolg zum Kultobjekt, der v. a. cinephilem Engagement zu verdanken ist, wird nun auch auf wissenschaftlicher Ebene erschlossen. Zur Erforschung dieses randseitigen Kapitels europäischer Filmgeschichte soll das hier vorgestellte Symposium nachhaltig beitragen."

 

14
Feb.
2026
Samstag, 14. Februar 2026 21:15
Dogville Dänemark u. a., 177 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Lars von Trier, Darsteller: Nicole Kidman, Harriet Andersson,

Dogville

Dänemark u. a., 177 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Lars von Trier, Darsteller: Nicole Kidman, Harriet Andersson, Lauren Bacall, Udo Kier, James Caan

Auf der Flucht vor einer Gangsterbande landet die bildhübsche Grace (Nicole Kidman) in einem kleinen Bergdorf in den Rocky Mountains. Auch wenn sie den Einwohnern von Dogville nicht verrät, was sie zu ihnen verschlägt, gewinnt sie bald deren Vertrauen. Sie darf bei ihnen bleiben, muss sich jedoch dem Gemeinschaftsleben anpassen und kräftig mitarbeiten. Als ein Steckbrief mit ihrem Konterfei auftaucht, entpuppt sich die vermeintliche Idylle als sadistisches Gefängnis …

Drei Stunden lang zieht Dogma-Regisseur Lars von Trier die Zuschauer mit seinem Ensemblestück in den Bann. Der perfekt besetzte Film (Kidman, Kier, Bacall!) beweist, dass es keine Stunts, Explosionen und Budgets im dreistelligen Millionenbereich braucht, um das Publikum an die Kinosessel zu fesseln. Eine kluge Abrechnung mit dem effektheischenden Hollywood und den bigotten Werten einer „von Gott auserwählten“ Nation.

"Auf einer Theaterbühne angelegtes, dreistündiges Drama, das durch eine faszinierende Kameraarbeit sowie die exzellente Montage die Grenzen des Kinos neu definiert." (Lexikon des internationalen Films)

"„DOGVILLE“ ist anders als alle anderen Filme und das ist auch wirklich gut so. So originelles, spannendes und vor allem intelligentes Kino wünscht man sich häufiger." (Haiko Herden, Haikos Filmlexikon)

17
Feb.
2026
Dienstag, 17. Februar 2026 21:15
ostPunk! too much future Deutschland 2006, 96 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Carsten Fiebeler „Dokumentarfilm über die

ostPunk! too much future

Deutschland 2006, 96 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Carsten Fiebeler

„Dokumentarfilm über die Ost-Punk-Bewegung, die in der DDR überaus lebendig war und auch im heutigen Ostdeutschland noch ist. In der DDR rebellierten die Punks gegen die engen Grenzen eines Systems, das die Jugend als Kollektiv steuern wollte. Unter dem Motto „too much future!“ wehrten sich Bands mit Namen wie „Wutanfall“ oder „Betonromantik“ gegen den sozialistisch verordneten Optimismus und staatliche „Fürsorglichkeit“. In einer Mischung aus aktuellen Aufnahmen und Interviews und historischen Filmausschnitten ist der Film das Porträt einer kraftvollen musikalischen Subkultur und ihrer Repressionsgeschichte.“ (filmportal.de)

18
Feb.
2026
Mittwoch, 18. Februar 2026 21:15
London Town United Kingdom 2016, 92 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Derrick Borte, Darsteller: Daniel Huddlestone, Dougray

London Town

United Kingdom 2016, 92 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Derrick Borte, Darsteller: Daniel Huddlestone, Dougray Scott, Natasha McElhone, Jonathan Rhys-Myers

„England 1979. Der 14-jährige Shay Baker (Daniel Huttlestone) muss schnell erwachsen werden, denn während sein Vater mit seinem Klavierladen und einem Zweitjob als Taxifahrer versucht, irgendwie die Familie über Wasser zu halten, kümmert Shay sich um den Haushalt und seine kleine Schwester. Seine Mutter hat bereits vor Jahren die Familie im Stich gelassen, um sich in London ihren großen Traum von einer Karriere als Sängerin zu erfüllen. Als Shay die Punkerin Vivian (Nell Williams) trifft, verliebt er sich nicht nur zum ersten Mal, sondern lernt durch sie auch Punkrock kennen. Besonders die Band „The Clash“ hat es ihm angetan. Doch als sein Vater einen schweren Unfall hat, ändert das alles. Nun muss Shay auch noch das Geld für die Familie verdienen. Er übernimmt die Taxischicht seines Vaters. Immer auf der Hut, nicht von der Polizei entdeckt zu werden, achtet er erst nicht darauf, wer einer seiner Fahrgäste ist: Joe Strummer (Jonathan Rhys Meyers), der Sänger von „The Clash“! Eine Begegnung, die sein weiteres Leben auf den Kopf stellt ...“ (cosmic-cine.tv)

19
Feb.
2026
Donnerstag, 19. Februar 2026 21:15
Schleimkeim – Otze und die DDR von unten Deutschland 2023, 96 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Jan Heck, Darsteller: Abse,

Schleimkeim – Otze und die DDR von unten

Deutschland 2023, 96 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Jan Heck, Darsteller: Abse, Michael „Pankow“ Boehlke, Höhnie, Speiche

„Der Dokumentarfilm in Spielfilmlänge geht gemeinsam mit der Punk-Band Schleimkeim, die in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik ihren Ursprung hat, auf eine Zeitreise. Wir lernen deren Sänger Dieter „Otze“ Ehrlich und seine besondere Bedeutung in der Punk-Szene der DDR kennen. Wir erleben den Untergang der DDR und wie sich das Feindbild und die Freiheit Otzes in der neuen BRD verändern. Otze begibt sich nicht nur in den Untergrund der Punk-Szene, sondern auch in die Abgründe seiner Seele und begegnet dort seinem im Geiste verbundenen Freund dem „Alten Tod“.
Durch verschiedene Zeitzeugen, originale Schauplätze und Archivaufnahmen wird der Werdegang der Band, sowie deren Lebensgefühl des „Punk seins“ in der DDR wiedergegeben. Außerdem untersucht die Dokumentation, wie das plötzlich fehlende Feindbild und die neuen Freiheiten der BRD, Otzes rebellische Persönlichkeit in neue Sphären katapultierte. Der Film erzählt die Geschichte der Band Schleimkeim und ihrer zentralen Figur Otze, welcher durch seine Musik zu einem unsterblichen anarchistischen Charakter geworden ist, den bis heute ein Mythos umgibt.“ (Straze.de) „Der erfrischende Dokumentarfilm wirft einen unverstellten Blick auf die Ost-Punks zwischen Ekstase, Selbstzerstörung, Verrat, Krankheit und Tod. Eine vitale, kurzweilige Erinnerung an oppositionelle Außenseiter und ihre grausame Unterdrückung durch das DDR-System.“ (Lexikon des internationalen Films)

20
Feb.
2026
Freitag, 20. Februar 2026 21:15
The Other F Word USA 2011, 98 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Andrea Blaugrund Nevins, Darsteller: Tony Adolescent, Art

The Other F Word

USA 2011, 98 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Andrea Blaugrund Nevins, Darsteller: Tony Adolescent, Art Alexakis, Rob Chaos

Die Dokumentation aus dem Jahr 2011 von Andrea Blaugrund Nevins wirft einen Blick auf Punkrocker, die sich plötzlich in der Vaterrolle wiederfinden. Ein wundervoller Film mit Musikern von Pennywise, NoFX, Bad Religion, Red Hot Chili Peppers, Rancid, Everclear und Blink-182, der auch funktioniert, wenn man mit der Musik nicht so viel am Hut hat.

Was diesen Film so rührend und auch so wichtig macht, ist die Art, wie man bei all der Situationskomik im Grunde vor allem sieht, wie diese Männer versuchen, bessere Väter zu sein, als es ihre eigenen waren. Und das in einer immer noch von Männern dominierten Welt wie Punkrock, wo es gilt, hart und aufmüpfig zu sein. Hier muss man den Hut ziehen vor Andrea Blaugrund Nevins, dass sie ihre Interviewpartner an diese Punkte gebracht hat. Dank ihr ist diese Dokumentation, die bei anderen, weniger sensiblen Regisseuren schnell zum anekdotenhaften Klamauk hätte werden können, ein im Kern feministisches, intimes Portrait über Männer geworden, die versuchen, diese neue, wichtige Rolle anzunehmen, die ihre eigenen Väter verkackt haben. Und das oft erstaunlich gut hinbekommen – eben weil sie ihre vermeintliche Härte manchmal abschütteln. (nach arthaus.de)

21
Feb.
2026
Samstag, 21. Februar 2026 12:00
Der kleene Punker Deutschland 1992, 80 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Michael Schaack „Amadeus ist ein überzeugter Punker,

Der kleene Punker

Deutschland 1992, 80 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Michael Schaack

„Amadeus ist ein überzeugter Punker, einer, der den Tag damit verbringt, darüber nachzudenken, wie man ′ne Mark zusammenbekommt, um im Supermarkt wieder mal einkaufen gehen zu können. Mit diesem Problem steht „der kleene Punker“ aber nicht allein da, denn auch seine gleichgesinnten Freunde Alex, Pinke und Hübi haben ständig Geld- und andere Sorgen. So lümmeln alle herum, bis sich wieder die Gelegenheit bietet, Knete aufzutreiben. Als Amadeus eines Tages beschließt, mit seinen Kumpels in einem Rockkonzert am Brandenburger Tor aufzutreten, heißt es für die vier: Jobben gehen, um die notwendigen Instrumente kaufen und üben zu können. Doch damit fängt auch der Schlamassel an. Denn gleichzeitig hat der massige Wachtmeister Schulzeee die Order bekommen, das Punkerwesen in Kreuzberg zu beseitigen ...

Der kleene Punker ist ein Zeichentrickfilm, dem es weniger um perfekte Trickanimation geht als vielmehr um seine Figuren und deren Originalität. Trotz der zeichnerischen Unschärfe hat man schnell seinen Spaß an den Einfällen und witzigen Gesprächen, die treffsicher das Berliner Punkermillieu, aber auch deren Szenetypen aufs Korn nehmen.“ (filmportal.de/Theos Tips/Kinderfilm online)

21
Feb.
2026
Samstag, 21. Februar 2026 14:00
Chaostage – We Are Punks! Deutschland 2008, 91 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Tarek Ehlail, Darsteller: Christoph

Chaostage – We Are Punks!

Deutschland 2008, 91 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Tarek Ehlail, Darsteller: Christoph Letkowski, Henriette Müller, Ulrich Faßnacht, Christian Beuter, Stipe Erceg, Claude-Oliver Rudolph

„In einer Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm angelegtes Porträt der deutschen Punkszene. Die Spielfilmsegmente erzählen von zwei Punk-Freunden, die zu den Chaostagen nach Hannover reisen, wo es zu dramatischen Straßenkämpfen mit der Polizei und Nazi-Skinheads kommt. In den dokumentarischen Szenen kommen unter anderem Dirk Jora, einst Sänger der einflussreichen Band „Slime“, Karl Nagel, früherer Kanzlerkandidat der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands APPD, aber auch der Schauspieler Ben Becker zu Wort, um ihre ganz persönlichen Punk-Erinnerungen zu berichten.“ (filmportal.de)

Regisseur Tarek Ehlail verstarb 2025. Mit seinem Tod verlor das deutsche Kino eine eigenständige, unbequeme Stimme jenseits etablierter Förder- und Produktionsstrukturen. Ehlail arbeitete konsequent an der Schnittstelle von Spiel- und Dokumentarfilm und interessierte sich für Subkulturen, politische Außenseiter und gesellschaftliche Konfliktzonen. „Chaostage – We Are Punks!“ steht exemplarisch für sein Kino: roh, direkt und geprägt von einem klaren Blick auf Milieus.

21
Feb.
2026
Samstag, 21. Februar 2026 21:15
Mia san dageng! Punk in München Deutschland 2007, 90 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Olli Nauerz

Mia san dageng! Punk in München

Deutschland 2007, 90 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Olli Nauerz

„Low-Budget-Dokumentarfilm über die Münchner Punk-Szene. In einem Produktionszeitraum von fünf Jahren haben die Filmemacher, die auf die eine oder andere Art selbst mit der Szene verbunden sind, eine filmische Collage aus rarem Archivmaterial, neu gedrehten Interviews sowie alten und aktuellen Konzertmitschnitten der verschiedensten Punk-Bands aus München zusammengestellt. Neben der Musik geht es dabei auch um die politischen und sozialen Besonderheiten, mit denen die Punk-Bewegung im konservativen Bayern der 70er und 80er Jahre konfrontiert wurde.“ (filmportal.de) „Eine Zeit, die geprägt war von Franz Josef Strauß, den Schwarzen Sheriffs und dem wilden Gefühls des Aufbruchs, das schließlich im legendären Punk-a-Gogo-Festival seinen Höhepunkt fand. (…) eine absolut sehenswerte Produktion“ (ox-fanzine.de)

24
Feb.
2026
Dienstag, 24. Februar 2026 21:15
Andy Warhol‘s Dracula Originaltitel: Blood for Dracula, Italien/Frankreich 1974, 103 Minuten, Deutsche Fassung, digital, Regie: Paul

Andy Warhol‘s Dracula

Originaltitel: Blood for Dracula, Italien/Frankreich 1974, 103 Minuten, Deutsche Fassung, digital, Regie: Paul Morrissey, Darsteller: Udo Kier, Joe Dallesandro, Arno Juerging, Vittorio de Sica

Graf Dracula, gespielt von Udo Kier, der krank, geschwächt und von seinem eigenen Vampirismus gezeichnet ist. Er benötigt das Blut junger, sexuell unberührter Frauen, um zu überleben, was ihn zunehmend in groteske, verzweifelte Situationen bringt. Dracula reist mit seinem Diener nach Italien und gerät dort in den Einflussbereich einer aristokratischen Familie. Die Frauen des Hauses werden zu potenziellen Opfern, doch Draculas Obsession mit Jungfräulichkeit, seine körperliche Schwäche und seine paranoide Angst vor Enttarnung unterlaufen ständig seine Machtposition.

Vampirismus erscheint hier nicht als überlegenes, dämonisches Prinzip, sondern als degenerierter, fast lächerlicher Zustand. Der Film ist eine freie, bewusst verfremdete Variation von Motiven aus dem Dracula-Mythos nach Bram Stoker, inszeniert von Paul Morrissey und vermarktet erneut unter dem Namen Andy Warhol. Der Warhol-Bezug fungiert primär als Markenzeichen und Kontext: Factory-nahe Darsteller, provokante Körperlichkeit, Gleichgültigkeit gegenüber klassischer Dramaturgie. Die eigentliche Handschrift ist die des Regisseurs: ein Film, der sich demonstrativ weigert, Horror ernst zu nehmen, und stattdessen dessen Motive durch Camp, Exzess und Wiederholung entkernt. In der filmdienst-Redaktion zeigte man sich jedenfalls begeistert: „(…) abstruse und provokante Mischung aus Horrorfilm, Softporno und politischem Traktat. Die Produktion versucht, nach B-Film-Manier die Klischees des Vampirfilms durch Übertreibung zu ironisieren, ist mit ihren Sex- und Gewaltexzessen aber eher dazu angetan, das Publikum zu vergällen.“

25
Feb.
2026
Mittwoch, 25. Februar 2026 21:15
Andy Warhol‘s Frankenstein (3D) Originaltitel: Flesh for Frankenstein, Italien/Frankreich 1973, 94 Minuten, deutsche Fassung,

Andy Warhol‘s Frankenstein (3D)

Originaltitel: Flesh for Frankenstein, Italien/Frankreich 1973, 94 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Paul Morrissey, Darsteller: Udo Kier, Joe Dallesandro, Monique van Vooren, Arno Jürging

Frankenstein bastelt an neuen Menschen, die er aus Leichenteilen zusammensetzt – ein Mann und eine Frau sind fast fertig, nur wenige Teile fehlen noch. Er und sein Gehilfe Otto überfallen einen Bordellbesucher, in der Hoffnung, dass dieser in seiner Triebhaftigkeit ein idealer Spender für einen Kopf ist; ideal, denn das Geschöpf soll baldmöglichst Kinder zeugen. Doch Frankensteins Geschöpf erweist sich als enttäuschend desinteressiert an Sex …

Regisseur Paul Morrissey war der Hausregisseur Andy Warhols, der diesen Film in Europa drehte. Er wurde von der etablierten Filmkritik wegen seiner transgressiven Gewaltdarstellungen reserviert aufgenommen. Allerdings konstatierte selbst der seinerzeit noch sehr moralistische katholische Filmdienst: "Da Morrissey nicht nur den "Vorwärtseffekt" (Gegenstände scheinen auf den Zuschauer zuzufliegen) nutzt, sondern auch die Illusion der Bildtiefe ins Spiel bringt, läßt er ahnen, was 3-D unter Umständen zu leisten vermöchte. (...) Indem Morrissey stereotype Situationen bis zum Exzeß steigert, treibt er der Gattung den Schrecken aus. Derart vordergründig und selbstzweckhaft serviert, erzeugen die Effekte Gelächter. Das ursprünglich Schreckliche büßt in dem Maße an Schrecken ein, wie es aus dem Bereich des bloß Geahnten ans Licht der Leinwand gezerrt wird. "Frankenstein" erweist sich als der erste Horrorfilm ohne Horror. Wer Sinn für schwarzen Humor hat, wird diesen makaber-unappetitlichen Spaß sogar vergnüglich finden." 

Die Grand-Guignol-Effekte dieses einstigen Skandalschockers wirken heute ohnehin nur noch bedingt schockierend, aber in seiner grotesken Überspitzung, kontrastiert von einer eigentlich gediegenen Inszenierung, funktioniert der Film noch immer durchaus gut.
Man sollte ihn in der Tat definitiv in 3-D gesehen haben, denn er wurde mit viel Gespür für die Möglichkeiten der räumlichen Optik inszeniert.

26
Feb.
2026
Donnerstag, 26. Februar 2026 21:15
Die Einsteiger Deutschland 1985, 102 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Sigi Rothemund (aka Siggi Götz), Darsteller: Thomas

Die Einsteiger

Deutschland 1985, 102 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Sigi Rothemund (aka Siggi Götz), Darsteller: Thomas Gottschalk, Mike Krüger, Anja Kruse, Ankie Beilke, Kurt Weinzierl

„Mike erfindet den Video-Integrator, ein Gerät, mit dem man in Videofilme „einsteigen“ kann. Er und Mitbewohner Tommy, ein erfolgloser Schriftsteller und Tankwart, erleben auf diese Weise zahlreiche Abenteuer, bis sowohl ein deutscher als auch ein japanischer Elektronikkonzern auf die Erfindung aufmerksam werden. Es folgt eine verrückte Katz-und-Maus-Jagd zwischen Realität und virtuellen Videowelten. So landen die beiden unter anderem in einem Western, einem Abenteuerfilm à la Indiana Jones, einem Vampirfilm (in Anspielung auf „Tanz der Vampire“), einem Rocky-ähnlichen Boxer- und einem Gangsterfilm (mit Anspielungen auf „Der Clou“ und „Casablanca“). Weitere Segmente behandeln einen Abstecher in die Südsee und zu guter Letzt das alte Rom zur Zeit Neros. Beide Freunde finden außerdem jeweils ihre große Liebe.“ (Wikipedia)

Der vierte Film des von der Kritik gehassten und vom deutschen 80er-Kinopublikum geliebten Blödel-Duos Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Diesmal hatte man mit Siggi Götz alias Sigi Rothemund, dem auch das noch heute erscheinende lesenswerte Magazin für obskures deutsches Kino „Sigi Götz Entertainment“ gewidmet ist, einen handwerklich kompetenten Regisseur an Bord. Und man hatte eine recht originelle Grundidee, wollte offenbar mehr als lediglich die übliche Aneinanderreihung von Flachwitzen bieten. Das Resultat ist dennoch Klamauk für Hartgesottene. Anhänger feingeistigen Humors dürften sich mit dem „Genuss“ dieses Films in akute Gefahr begeben, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Sehenswert ist freilich der standesgemäße Auftritt von Udo Kier (als Vampirgraf), ebenso der von Jochen Busse. „Das Ende ist gar eine handfeste Überraschung: Siggi Götz empfiehlt sich auf einmal als deutscher Giallo-Regisseur, wartet zu den atmosphärischen Klängen des goblinesken Soundtracks mit einer Bildfolge spannungssteigernder Detailaufnahmen auf und liefert eine Paraphrase zu Bavas „Reazione a catena“, die man in jedem Film erwartet hätte, aber gewiss nicht hier.“ (Oliver Nöding, Remember It For Later). Den gewohnt vernichtenden Kritiken zum Trotz wollten knapp 1,3 Millionen Zuschauer „die deutsche Antwort auf „Videodrome““ (Thomas Groh) sehen.

27
Feb.
2026
Freitag, 27. Februar 2026 21:15
Suspiria Originaltitel: Suspiria, Italien 1977, 94 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Dario Argento, Darsteller: Jessica Harper,

Suspiria

Originaltitel: Suspiria, Italien 1977, 94 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Dario Argento, Darsteller: Jessica Harper, Stefania Casini, Alida Valli, Joan Bennett, Udo Kier

Die Amerikanerin Susy Bannion kommt am Münchner Flughafen an, um in einer Ballettschule ihre Fähigkeiten auszubauen. Im Moment ihres Eintreffens bemerkt sie eine andere Schülerin, die panisch aus der Schule flieht. Sie wird von einer strengen Lehrerin unterwiesen, doch merkwürdige Vorkommnisse häufen sich, bis es zu ersten Toten kommt – und die Vermutung im Raum steht, dass Hexen zu Werke sind ...

Ein Traum in Technicolor, der nur in dieser Form mit seinen aufblühenden Farben auf der Leinwand gesehen werden sollte. Die Kamera schafft in jeder Einstellung Gemälde. Argento ist auch später immer dann am stärksten, wenn er malt oder komponiert; seine Filme der mittleren Schaffensphase sind allesamt Gesamtkunstwerke, Horroropern – die Progrockmusik von Goblin ein dionysischer Sog. Ein Film, der ganz Stil, trotzdem nie oberflächlich ist und damit Remakes, die seine unbedeutende Handlung interpretieren, völlig unmöglich macht. Obendrauf gibt’s jede Menge Münchner Lokalkolorit!

19
März
2026
Donnerstag, 19. März 2026 14:45 - Sonntag, 22. März 2026 23:30
Der 23. Hofbauer-Kongress steigt von Do 19. bis So 22. März 2026 bei uns im KommKino Nürnberg, mit einem Warm-Up am Mi

Der 23. Hofbauer-Kongress steigt von Do 19. bis So 22. März 2026 bei uns im KommKino Nürnberg, mit einem Warm-Up am Mi 18.3. im Uferpalast Fürth.
 
„Der Hofbauer-Kongress ist das, was man sich immer erträumt hat, ohne zu wissen, dass es das gibt.“ (Rainer Knepperges)
 
Passend zum Frühlingsanfang, laden wir euch herzlich zum 23. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos ein, um gemeinsam wieder die Kinosessel des Nürnberger Kommkinos zu erhitzen!
 
Seid dabei, wenn wir euch vom 19. bis 22. März 2026 (mit einem entspannten Auftaktabend am 18.3. im Uferpalast Fürth, um eine alte Kongress-Tradition wiederzubeleben) frisch ausgegrabene analoge Archivschätze präsentieren und das Wiedersehen mit zentralen Kongress-Regisseuren wie Ernst Hofbauer, Jürgen Enz, Frits Fronz und Jess Franco zelebrieren.
 
Das Programm wird, wie auch schon bei den letzten Nürnberger Ausgaben, geheim bleiben. Wir wollen eure Neugierde wecken, euch zum Lachen und zum Staunen bringen und möchten, dass ihr die Filme mit uns zusammen erlebt.

Alle Filme (inklusive Warm-Up) werden in analoger Projektion als 35mm- und vereinzelt 16mm-Filmkopien gezeigt, in manchen Nächten werden außerdem spontan noch zusätzliche "Videoknüppel" präsentiert.
 
Besonders liegt uns am Herzen, dass ein Besuch auch trotz finanzieller Schwierigkeiten möglich gemacht werden soll, indem Unterstützer-Dauerkarten die Ausgabe von Soli-Tickets ermöglichen. Wendet euch gerne vertrauensvoll an uns.
 

Programmübersicht:

Mittwoch, 18. März - Warm-Up im Uferpalast Fürth
18:00 und 22:30 Uhr Überraschungsfilme

Donnerstag, 19. März - Beginn Hofbauer-Kongress im KommKino
14:45 Uhr Überraschungsfilm
17:00 Uhr Überraschungsfilm
21:15 Uhr Überraschungsfilm
23:15 Uhr Überraschungsfilm

Freitag, 20. März
14:45 Uhr Überraschungsfilm
17:00 Uhr Überraschungsfilm
21:15 Uhr Überraschungsfilm
23:30 Uhr Überraschungsfilm

Samstag, 21. März
14:45 Uhr Überraschungsfilm
17:00 Uhr Überraschungsfilm
21:15 Uhr Überraschungsfilm
23:30 Uhr Überraschungsfilm

Sonntag, 22. März
14:45 Uhr Überraschungsfilm
17:00 Uhr Überraschungsfilm
21:15 Uhr Überraschungsfilm
23:30 Uhr Überraschungsfilm


Ticketinfos:
 
Einzelkarte: 6 Euro
Dauerkarte (Do-So): 72 Euro
Unterstützer-Dauerkarte: 100 Euro
Soli-Dauerkarte: 40 Euro
Reservierung (nur für Dauerkarten möglich) unter: reservierung@kommkino.de

07
Apr.
2026
Dienstag, 7. April 2026 20:15
Ehrenamt Regie: Daniel Hofmann, Darsteller: Thomas Such, Bernhard Weiß, Thomas Göttlich, Chris Boltendahl, Peter Wagner

Ehrenamt

Regie: Daniel Hofmann, Darsteller: Thomas Such, Bernhard Weiß, Thomas Göttlich, Chris Boltendahl, Peter Wagner uvm., Produktionsland: Deutschland, Jahr: 2026, Weltpremiere: 21.02.2026, Kinostart: 21.05.2026 zum Ehrentag in Deutschland, Länge: 109 min

2013 war das Sauerland geprägt von einer wenig besiedelten Konzert- und Festivallandschaft. Fans mussten nicht selten auf große Veranstaltungen mit mehreren 100 Kilometern Anreiseweg in den angrenzenden Landkreisen oder dem Ruhrpott ausweichen – echte Verbindungen mit Gleichgesinnten blieben leider oftmals aufgrund mangelhafter Möglichkeiten aus. Hinzu kamen lange Wege durch ländlichen Raum und fehlende Strukturen der Vernetzung und der Organisation von gemeinsamen Fahrten und Events.
Mit der Gründung des gemeinnützigen Metal Diver e.V. in Marsberg im Jahre 2013, hat man sich zum Ziel gesetzt, jungen Nachwuchsbands und Künstlern mit dem jährlich stattfindenden Metal Diver Festival eine Plattform zu geben und zeitgleich die Etablierung von Musik- und Kulturveranstaltungen im Sauerland gewährleisten. Zudem soll die kulturelle, touristische und wirtschaftliche Landschaft im Sauerland gestärkt und Vereine mit einem ähnlichen Ziel miteinander vernetzt werden. Große Headliner und kleine Bands sollten fortan nach Marsberg geholt werden und der Verein sollte sich mit anderen Vereinen nach und nach vernetzen. Es entstanden jährliche Konzertfahren und gegenseitige Besuche der Festivals und vor allem konnte man nun neue Freunde und Fans in der Region kennenlernen. Die Vision von übergreifendem Ehrenamt im ländlichen Raum ging auf. Heute kommen jährlich knapp 1000 Besucher in die Kleinstadt im östlichen Sauerland. 2023 gab es den Heimatpreis der Stadt Marsberg als Auszeichnung und auch in der Lokalzeit des WDR hatte das Festival bereits seinen Auftritt.
In einer kulturellen Musikreise durch das Sauerland, beschäftigt sich Total Thrash Regisseur Daniel Hofmann in seiner zweiten Musikdokumentation mit der Frage, wie wichtig ehrenamtliche Arbeit im ländlichen Raum ist. Der Film begleitet die 12-jährige Geschichte von der ersten bis zur zehnten Ausgabe des Metal Diver Festivals in Marsberg und gibt einen weitreichenden Blick hinter die Kulissen und in die intensive Zusammenarbeit mit der Region. In einer spannenden Mixtur aus bestehenden Archivaufnahmen der letzten 12 Jahre und der Begleitung des 10. Jubiläumsfestivals 2025 vom Metal Diver e.V. in der Schützenhalle Marsberg, ist ein Film über echte gelebte Gemeinschaft, Fankulturen, jede Menge ehrenamtliche Arbeit und natürlich auch Sauerländer Klischees entstanden. Ein Film für alle ehrenamtlich arbeitenden Personen in ganz Deutschland, die eine gemeinsame Vision haben und sich in ihrer Freizeit für diese einsetzen. Ehrenamt beschäftigt sich mit der zentralen Frage, wie wichtig eigentlich die ehrenamtliche Arbeit innerhalb der deutschen Kulturlandschaft wirklich ist.

 

24
Apr.
2026
Freitag, 24. April 2026 21:15 - Sonntag, 26. April 2026 16:00
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29
Juli
2026
Mittwoch, 29. Juli 2026 21:15 - Sonntag, 2. August 2026 21:15
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