Man-Eater – Der Menschenfresser
Originaltitel: Antropophagus, Italien 1980, 92 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Joe D’Amato, Darsteller: George Eastman, Tisa Farrow, Serena Grandi
Zum Tod des Schauspielers, Regisseurs und Drehbuchautors Luigi Montefiori (aka George Eastman), der am 20. Mai von uns ging.
Eine Bootsfahrt in der Ägäis endet für eine kleine Gruppe Touristen auf einer kleinen Insel, auf der sie auf ein blindes Mädchen treffen, das ihnen von einem Menschenfresser erzählt. Nur wenig später schlägt er auf dem Boot zu, tötet und macht sich auf die Suche nach den übrigen Besuchern ...
Der Schocker wurde im Deutschland der 80er Jahre zum großen Skandal. Im Rahmen der hysterischen Anti-Horrorvideo-Kampagne war er einer der am häufigsten attackierten Titel, die Medien stellten ihn als Musterbeispiel für Filme dar, die verboten werden müssen. Dies geschah dann auch ein paar Jahre später. Einkassiert wurde sowohl die Kino- als auch die Videofassung, was trotz der zahlreichen deutschen Gewaltfilm-Verbote selten vorkam. Inzwischen ist das Verbot aber endlich aufgehoben. Sogar das deutsche Kinoplakat wurde übrigens als jugendgefährdend indiziert, aber bereits 2006 von der Liste gestrichen.
Tatsächlich stellt „Man-Eater“ zwar durchaus die konsequent zu Ende gedachte Übersteigerung der damals so beliebten Kannibalismus-Klischees dar. Entgegen seines Rufs ist er aber keine Aneinanderreihung von Splatterorgien, sondern über weite Strecken überraschend subtil.
Der Film erzeugt eine für Joe D’Amato ungewöhnlich intensive Spannung – mittels seines Sounddesigns, das im Kino am besten zur Geltung kommt: ein basslastiges Röcheln, mit dem die oft aus subjektiver Kameraperspektive gezeigten Morde geschehen, ein Elektroscore, der später prominent eingesetzt wird, und das Entsetzen verstärkt. Auffällig ist auch, wie „Man-Eater“ das griechische Urlaubsparadies nach und nach in eine potthässliche Hölle verwandelt und zuletzt eine Ugolinotragik enthüllt, die italienischen Gothic-Horror mit deutschem Sturm und Drang verbindet.
"Schaut man sich ANTHROPOPHAGUS mit objektiver Distanz an, fällt doch vor allem auf, wie ruhig und geduldig D’AMATO seine Geschichte aufbaut, dass es ihm weniger um ein Schlachtfest ging, als vielmehr darum, eine niederdrückende Atmosphäre der Traurigkeit, des Todes und der Ausweglosigkeit zu schaffen." (Oliver Nöding, Remember It For Later)
"Ein Film, der einem nicht nur auf einer psychischen Ebene attackiert, sondern der auch körperlich fühlbar ist." (Marco Koch, wwww.filmforum-bremen.de) "Der Irrsinn unter heißer Sonne wird spürbar“, meinte auch Kultautor Hans Schifferle, in dessen Buch "Die 100 besten Horrorflme" es der Schocker schaffte.
Wir zeigen eine originale 35mm-Kopie aus dem KommKino-Archiv, die leider rotstichig ist. Immerhin passt dies zu der Thematik des Films und angesichts der Seltenheit und da es die erste Kopie des inzwischen sehr umfangreichen KommKino-Analog-Archivs ist, möchten wir sie unserem Publikum nicht vorenthalten.