Andy Warhol‘s Frankenstein (3D)
Originaltitel: Flesh for Frankenstein, Italien/Frankreich 1973, 94 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Paul Morrissey, Darsteller: Udo Kier, Joe Dallesandro, Monique van Vooren, Arno Jürging
Frankenstein bastelt an neuen Menschen, die er aus Leichenteilen zusammensetzt – ein Mann und eine Frau sind fast fertig, nur wenige Teile fehlen noch. Er und sein Gehilfe Otto überfallen einen Bordellbesucher, in der Hoffnung, dass dieser in seiner Triebhaftigkeit ein idealer Spender für einen Kopf ist; ideal, denn das Geschöpf soll baldmöglichst Kinder zeugen. Doch Frankensteins Geschöpf erweist sich als enttäuschend desinteressiert an Sex …
Regisseur Paul Morrissey war der Hausregisseur Andy Warhols, der diesen Film in Europa drehte. Er wurde von der etablierten Filmkritik wegen seiner transgressiven Gewaltdarstellungen reserviert aufgenommen. Allerdings konstatierte selbst der seinerzeit noch sehr moralistische katholische Filmdienst: "Da Morrissey nicht nur den "Vorwärtseffekt" (Gegenstände scheinen auf den Zuschauer zuzufliegen) nutzt, sondern auch die Illusion der Bildtiefe ins Spiel bringt, läßt er ahnen, was 3-D unter Umständen zu leisten vermöchte. (...) Indem Morrissey stereotype Situationen bis zum Exzeß steigert, treibt er der Gattung den Schrecken aus. Derart vordergründig und selbstzweckhaft serviert, erzeugen die Effekte Gelächter. Das ursprünglich Schreckliche büßt in dem Maße an Schrecken ein, wie es aus dem Bereich des bloß Geahnten ans Licht der Leinwand gezerrt wird. "Frankenstein" erweist sich als der erste Horrorfilm ohne Horror. Wer Sinn für schwarzen Humor hat, wird diesen makaber-unappetitlichen Spaß sogar vergnüglich finden."
Die Grand-Guignol-Effekte dieses einstigen Skandalschockers wirken heute ohnehin nur noch bedingt schockierend, aber in seiner grotesken Überspitzung, kontrastiert von einer eigentlich gediegenen Inszenierung, funktioniert der Film noch immer durchaus gut.
Man sollte ihn in der Tat definitiv in 3-D gesehen haben, denn er wurde mit viel Gespür für die Möglichkeiten der räumlichen Optik inszeniert.