TUESDAY TRASH NIGHT:
Mystics in Bali
Originaltitel: Leák, Indonesien 1981, 86 Minuten, englische Fassung, digital, Regie: Tjut Djalil, Darsteller: Ilona Agathe Bastian, Yos Santo, Sofia W.D., W.D. Mochtar
Manche Filmkarrieren beginnen auf der Schauspielschule, andere auf einer Einkaufspromenade in Bali. Als die deutsche Touristin Ilona Agathe Bastian dort Anfang der 80er-Jahre ihren Urlaub verbrachte, ahnte sie nicht, dass findige lokale Filmproduzenten auf der Suche nach europäischen Gesichtern ausgerechnet sie von der Shoppingmeile wegcasten würden. Als amerikanische Autorin Catherine reist sie in „Mystics in Bali“ nach Bali, um für ein Buch über schwarze Magie zu recherchieren und gerät über ihren einheimischen Freund Mahendra an eine Meisterin des Leák-Kultes. Eine Begegnung, die ihr eher weniger wünschenswerte Superheldenfähigkeiten beschert: Des Nachts löst sich Catherines Kopf mitsamt Wirbelsäule und Eingeweiden vom Körper und fliegt auf der Suche nach dem Blut ungeborener Kinder durch die Gegend. Was kann bei ein bisschen ethnologischer Feldforschung schon schiefgehen?
So vollkommen durchgeknallt das für westliche Augen erscheinen mag, schöpft „Mystics in Bali“ aus echter balinesischer Folklore und den dortigen Vorstellungen vom Leák – was Regisseur Tjut Djalil 1981 allerdings nicht davon abhielt, daraus eine der herrlichsten Kuriositäten des indonesischen Exploitationkinos zu fabrizieren. Fliegende Köpfe und Innereien, ausgekotzte Mäuse, magische Tätowierungen, Tierverwandlungen, gackernde Hexen und ein Kampf zwischen Schweinen werden mit Spezialeffekten auf die Leinwand gebracht, die irgendwo zwischen erstaunlich effektiv und herrlich scheps pendeln. Das Ergebnis ist ein gleichermaßen faszinierender Einblick in eine uns fremde Mythologie und Trash in seiner schönsten Form: billig, befremdlich, vollkommen unberechenbar – und garantiert nicht das, womit Ilona Agathe Bastian bei ihrem Baliurlaub gerechnet hatte.