McQuade, der Wolf
Originaltitel: Lone Wolf McQuade, USA 1983, 107 Minuten, deutsche Fassung, digital, R.: Steve Carver, D.: Chuck Norris, David Carradine, Barbara Carrera
Texas-Ranger McQuade (Chuck Norris) ist Einzelgänger durch und durch. Angesichts seiner Sozialkompetenz unter Null mutet es wie ein Wunder an, dass der einsame Wolf irgendwie tatsächlich eine Tochter gezeugt hat. Nun ja, Ausrutscher im zwischenmenschlichen Bereich passieren selbst den härtesten Mackern - und irgendwie gewöhnt man sich ja auch an die kleinen Teppichratten. Da schmerzt es doch ein wenig, als der brutale Waffenhändler Wilkes (David Carradine) McQuades Töchterchen entführt. Was tun? Die Lösung ist ebenso simpel wie effektiv: Alles niederschießen und hoffen, dass sich keine Kugel in den eigenen Nachwuchs verirrt …
Einmal mehr pfeift Chuck Norris auf Konventionen und „brilliert“ als kompromissloser Einzelkämpfer in einem durchaus packenden Western-Setting. Komponist Francesco De Masi („New York Ripper“) unterstreicht mit seinem gelungenen Soundtrack die staubtrockene Atmosphäre des Action-Reißers.
Der Film wurde zu einem beachtlichen Überraschungserfolg, kam sogar bei der Kritik relativ gut an und sorgte für Norris‘ Durchbruch beim breiten Publikum.
n Memoriam Chuck Norris
„Wenn Chuck Norris ins Wasser fällt, wird Chuck Norris nicht nass – das Wasser wird Chuck Norris.“
Mit solchen „Facts“ wurde Chuck Norris weit über sein eigentliches Filmschaffen hinaus zur Popkultur-Ikone. Entstanden im Umfeld amerikanischer Late-Night-Shows der 2000er-Jahre und verbreitet durch das frühe Internet, existiert er für viele heute vor allem als Meme – als überlebensgroße, fast zeitlose Idee. Für ein älteres Publikum hingegen hat diese Figur ein konkretes Gesicht: das des Actionhelden der 1980er-Jahre, der mit stoischer Wortkargheit und geballter Schlagkraft für Recht und Ordnung sorgt.
Durch diese Kunstfigur erklärt sich auch sein filmisches Werk: Anders als bei Zeitgenossen wie Schwarzenegger oder Stallone sticht bei Norris kein einzelner Film mit eigenständiger popkultureller Relevanz hervor, sondern eher die Wiederholung eines etablierten Typus. Sein Auftritt 1972 als Gegner von Bruce Lee in „Way of the Dragon“ deutet diese körperliche Präsenz bereits an, die sich in den folgenden Jahren zum Idealbild des „Law and Order“-Vollstreckers verfestigte. In der Zusammenarbeit mit der Cannon Group fand dieser Typus ein ideales Umfeld: ein Kino, das auf Wiedererkennbarkeit, maximale Verlässlichkeit und die Bedienung simpler Konfliktmuster setzt.
So entsteht ein Œuvre, das weniger durch Entwicklung als durch Konsequenz geprägt ist: ein geschlossenes Heldenbild, das den Zeitgeist der Reagan-Ära vielleicht konsistenter widerspiegelt als jedes andere, zugleich aber auch die Grenzen dieser Eindeutigkeit offenlegt. Und genau diese stabile Selbstähnlichkeit seiner filmischen Persona ist es, die mehr ist als die Summe seiner Filme, sie förmlich überstrahlt. Weswegen Chuck Norris zu Recht in die Filmgeschichte eingegangen ist. Besser gesagt: Die Filmgeschichte hat sich um ihn herum geschrieben.