Kalte Wut
Originaltitel: Forced Vengeance, USA 1982, 90 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: James Fargo, Darsteller: Chuck Norris, Mary Louise Weller, Roger Behrstock, Camila Griggs
„Als Sam vor Jahrzehnten mit nur wenigen Dollars gen Hongkong zog, hatte er großes Glück. Er steckte all sein Geld in ein Etablissement für Glücksspiel und landete einen Volltreffer. Viele Jahre später übernimmt sein Sohn Dave die Geschäfte im „Glücklichen Drachen“. Doch Dave hat ein Glücksspielproblem und reitet den Familienbetrieb mit faulen Wetten in den finanziellen Ruin.
Davon ahnt Josh, der als Personenschützer und Geldeintreiber für das Casino arbeitet, nichts. Doch er wird vor vollendete Tatsachen gestellt, als Sam und Dave nach einem abgelehnten Übernahmeangebot eines windigen Gangsters gemeuchelt werden. Er ahnt, dass er als enger Freund der Familie in Gefahr sein könnte. Und wenn nicht er, dann zumindest die einzig verbliebene Teilhaberin des Casinos: Joy.
Josh setzt fortan alles daran, die junge Dame zu retten und den Killern seiner besten Freunde einen Scheitel zu ziehen.“ (actionfreunde.de)
„Die Regie begnügt sich damit, die Akteure an möglichst vielen Plätzen zu zeigen, um neben blutigen Actionszenen auch touristisches Sightseeing zu bieten.“ (Filmdienst) Aber das klingt doch richtig gut, oder?
In Memoriam Chuck Norris
„Wenn Chuck Norris ins Wasser fällt, wird Chuck Norris nicht nass – das Wasser wird Chuck Norris.“
Mit solchen „Facts“ wurde Chuck Norris weit über sein eigentliches Filmschaffen hinaus zur Popkultur-Ikone. Entstanden im Umfeld amerikanischer Late-Night-Shows der 2000er-Jahre und verbreitet durch das frühe Internet, existiert er für viele heute vor allem als Meme – als überlebensgroße, fast zeitlose Idee. Für ein älteres Publikum hingegen hat diese Figur ein konkretes Gesicht: das des Actionhelden der 1980er-Jahre, der mit stoischer Wortkargheit und geballter Schlagkraft für Recht und Ordnung sorgt.
Durch diese Kunstfigur erklärt sich auch sein filmisches Werk: Anders als bei Zeitgenossen wie Schwarzenegger oder Stallone sticht bei Norris kein einzelner Film mit eigenständiger popkultureller Relevanz hervor, sondern eher die Wiederholung eines etablierten Typus. Sein Auftritt 1972 als Gegner von Bruce Lee in „Way of the Dragon“ deutet diese körperliche Präsenz bereits an, die sich in den folgenden Jahren zum Idealbild des „Law and Order“-Vollstreckers verfestigte. In der Zusammenarbeit mit der Cannon Group fand dieser Typus ein ideales Umfeld: ein Kino, das auf Wiedererkennbarkeit, maximale Verlässlichkeit und die Bedienung simpler Konfliktmuster setzt.
So entsteht ein Œuvre, das weniger durch Entwicklung als durch Konsequenz geprägt ist: ein geschlossenes Heldenbild, das den Zeitgeist der Reagan-Ära vielleicht konsistenter widerspiegelt als jedes andere, zugleich aber auch die Grenzen dieser Eindeutigkeit offenlegt. Und genau diese stabile Selbstähnlichkeit seiner filmischen Persona ist es, die mehr ist als die Summe seiner Filme, sie förmlich überstrahlt. Weswegen Chuck Norris zu Recht in die Filmgeschichte eingegangen ist. Besser gesagt: Die Filmgeschichte hat sich um ihn herum geschrieben.