Mondo Candido
Italophile wissen: Wo „Mondo“ draufsteht, muss auch Gualtiero Jacopetti drinstecken – und genauso ist es auch hier. Als Mitbegründer des von vielen Seiten mit Verachtung gestraften Mondo-Genres, das auch US-amerikanische Filmemacher zur primitiven „Gesichter des Todes“-Reihe animierte, hat er sich einen Namen gemacht, und so lässt der Titel wieder Provokatives erwarten: oftmals hämisches Herabblicken der überlegenen Europäer auf niedrige afrikanische Naturvölker und ihre Riten, Tiertötungen, nackte Tatsachen und ein Erzähler, der das Ganze zynisch einordnet. Nur – Obacht: „Mondo Candido“ ist gar kein Mondo!
Vielmehr handelt es sich um eine – zugegebenermaßen sehr freie – Adaption des Voltaire-Romans „Candide oder der Optimismus“. Eben jener titelgebende Candide steckt in diesem keinem Genre hundertprozentig zuordenbaren Film auf einem mittelalterlichen Schloss seine Zunge einmal zu viel in die Schamlippen seiner Liebsten Kunigunde, da wird er von ihrem Vater vom Hof gejagt und findet sich plötzlich in einer Wüste wieder, wo er von einer Gruppe von Sonderlingen gemästet und in ein weißes Gewand und gebastelte Flügel gesteckt wird.
Leute, es sei ganz klar gesagt: Das ist fast noch das am wenigsten Merkwürdige, was hier geschieht. Candido reist schon bald durch Raum und Zeit, trifft Christoph Columbus, Abraham Lincoln und Al Capone auf einem Schiff, landet in einem äußerst freizügigen Ausbildungscamp, Menschen sterben und tauchen in einer anderen Zeitzone wieder auf – und all das in der Hoffnung, seine Kunigunde wiederzufinden. Bizarr, psychedelisch, pythonesk und derb gleichermaßen – ein Film wie ein wilder Drogentrip und damit natürlich genau richtig für die B-Film Basterds.