Krimi im Dezember

Der Champagner-Mörder

(Le Scandale), F 1966, 99 Min., dF, 35mm, R.: Claude Chabrol, D.: Anthony Perkins, Maurice Ronet, Yvonne Furneaux

Als Namensgeber für die erfolgreiche Champagnermarke „Wagner“, führt der junge Playboy Paul ein exzessives Leben. Die Firma selber wird von seiner Cousine Christine und deren Ehemann Christopher betrieben, die schon seit langem ein Auge auf Pauls Namensrechte geworfen haben. Als eine Serie von Frauenmorden Pauls Umgebung erschüttert, gerät er unter Tatverdacht – weiß aber aufgrund eines alkoholbedingten Gedächtnisverlustes nicht, ob er eventuell tatsächlich der Täter ist. Da sieht das gewissenlose Ehepaar seine Chance gekommen ...

Mit „Der Champagner-Mörder“ gelang Chabrol ein morbider Psycho-Thriller in Anlehnung an Hitchcock, passend mit „Psycho“-Darsteller Anthony Perkins besetzt. Zugleich ist es eine handwerklich geschickt entwickelte, sozialkritische Studie der französischen Bourgeoisie. Chabrol nutzt hier einmal mehr gekonnt die Kriminalgeschichte, um sich über das reiche Bürgertum ironisch – mitunter sogar recht zynisch – auszulassen.

 

Einer gegen sieben

Duello nella sila, IT 1962, 89 Min., dF, 35mm, R.: Umberto Lenzi, D.: Fernando Lamas, Liana Orfei, Lisa Gastoni, Enzo Cerusico, Vincenzo Musolino

„Süditalien, 1855: Baron Carteri beherrscht als Provinz-Grande sein Fleckchen Erde uneingeschränkt mit harter und korrupter Hand. Er hat nicht nur den Polizeiapparat unter seiner Fuchtel, sondern verfügt auch über einen privaten Sicherheitsdienst und macht unter der Hand gemeinsame Sache mit den Banditen von Rocco Gravina. Was nicht nur seiner Privatschatulle, sondern auch seiner Stellung zugutekommt. Als Rocco mit ein paar seiner Jungs eine Postkutsche rippt, ruft dies Antonio Franco auf den Plan: An Bord des Gefährts war nämlich seine Schwester Dina. Und so geht die rote Sonne der Rache auf.

Umberto Lenzi hat sich vom Peplum über den Italowestern, Krimi und Poliziottesco bis zum Horror in vielen Genres getummelt. Vorliegender Streifen ist seine dritte Regiearbeit, lässt aber schon seine Vorliebe für Härte zutage treten, wenngleich – der Entstehungszeit geschuldet – noch sehr zahm. Dazu baut er bereits Elemente des Italowesterns ein, der ja erst zwei Jahre später „offiziell“ aus der Taufe gehoben wurde. Der Plot ist eine klassische Italo-Rachegeschichte, in deren Protagonisten wir ohne Probleme einen wenn auch deutlich weniger zynischen Vorfahren der späteren Gunslinger vom Schlage eines Ringo oder die diversen Inkarnationen eines Antonio De Teffès wiedererkennen.“ (Film Maniax)

In memoria di Umberto Lenzi

Der auch von Quentin Tarantino sehr geschätzte B-Film-Meister Umberto Lenzi starb am 19.10. im Alter von 86 Jahren. Er drehte 52 Streifen in verschiedensten Genres. Besonders prägte er den italienischen Polizeifilm. Auch dazu werden wir noch mindestens ein Beispiel zeigen. Mit dem Kannibalenschocker „Mondo Cannibale“ schuf er gar ein eigenes Genres, zu dem er später noch zwei weitere bis heute sehr populäre Reißer beisteuerte.

Selbst „Focus“ und der „Bild der Frau“ (!) war sein Tod einen Nachruf wert.

 

Mondo Cannibale

Italien 1972, 92 Min, dF, 35mm, R.: Umberto Lenzi, D.:Me Me Lai, Ivan Rassimov, Pratitsak Singhara

„Bradley, ein junger, englischer Journalist, wird in Thailand in einen Mord verwickelt. Er flüchtet in den Dschungel und wird dort von „primitiven“ Eingeborenen gefangen genommen. Sämtliche Versuche, dieser Hölle zu entkommen, schlagen fehl. Irgendwann lernt er Maraya, die Tochter des Häuptlings, kennen und lieben. Als das Dorf von benachbarten Kopfjägern angegriffen wird, macht man Bradley zu ihrem Kriegsführer.“ (Frank Trebbin, „Die Angst sitzt neben dir“)

Umberto Lenzi schuf hier den ersten italienischen Kannibalenfilm, der bereits viele Elemente aufweist, die in weiteren Streifen des Genres immer wieder eingebaut werden. Es handelt sich hier um einen durchaus gut inszenierten Abenteuerfilm. Ob die zahlreichen realen Tiertötungsszenen notwendig waren, darf bezweifelt werden. Auch wenn Tiere in der ganz alltäglichen Massentierhaltung mit Sicherheit wesentlich mehr leiden müssen . Im Vergleich zu späteren Kannibalenschockern ist der Streifen ansonsten noch eher harmlos, weist aber bereits einige heftige Schocks und für die Entstehungszeit durchaus gewagte Szenen auf. In England wurde die Freigabe fürs Kino komplett abgelehnt. Die Videoveröffentlichung landete auf der Verbotsliste und bis heute hat man dort keine ungeschnittene Fassung freigegeben.

In memoria di Umberto Lenzi

Der auch von Quentin Tarantino sehr geschätzte B-Film-Meister Umberto Lenzi starb am 19.10. im Alter von 86 Jahren. Er drehte 52 Streifen in verschiedensten Genres. Besonders prägte er den italienischen Polizeifilm. Auch dazu werden wir noch mindestens ein Beispiel zeigen. Mit dem Kannibalenschocker „Mondo Cannibale“ schuf er gar ein eigenes Genres, zu dem er später noch zwei weitere bis heute sehr populäre Reißer beisteuerte.

Selbst „Focus“ und der „Bild der Frau“ (!) war sein Tod einen Nachruf wert.

 

Weihnachtshorror-Special

Silent Night – Leise rieselt das Blut

Kanada/USA 2012, 93 Min., dF, digital, R.: Steven C. Miller, D.: Malcolm McDowell, Jaime King, Brendan Fehr

Weihnachtsabend in der Kleinstadt Cryer in Wisconsin, nur eine kleine Besatzung ist auf der Polizeiwache unter der Leitung von Sheriff Cooper zum Dienst erschienen. Dabei ist in der Stadt an diesem Tag die Hölle los, denn Cryer präsentiert seine alljährliche Santa-Claus-Parade der staunenden Öffentlichkeit.

Das macht die Polizeiarbeit für Deputy Aubrey Bradimore noch schwerer, denn zwischen ein paar sehr unfreundlichen Weihnachtsmännern, Drogenhändlern und Pornofilmern geht in der Stadt auch noch ein als Santa verkleideter Serienkiller um. Er hat all die – in seinen Augen – bösen Bewohner der Stadt im Visier, um sie mit allerlei Waffen und Werkzeug möglichst blutig in die nächste Welt zu befördern. (nach www.ofdb.de)

Der Streifen basiert lose auf dem Weihnachtshorror-Klassiker „Silent Night, Deadly Night“, ist aber deutlich besser. Ein unerwartet gelungener Christmas-Horror mit einigen bösen satirischen Spitzen gegen die hemmungslose Weihnachtskommerzialisierung, einem großartigen Malcolm McDowell („Uhrwerk Orange“) in der Hauptrolle, herrlich schmierigen Figuren – und heftigen Splatterszenen. Weshalb die FSK die Freigabe verweigerte und der Gang zur Juristenkommission notwendig war.

 

Krimi im Dezember

Seilergasse 8

DDR 1960, 91 Min, 35mm, R.: Hans-Joachim Kunert, D.: Martin Flörchinger, Manja Behrens, Dieter Perlwitz, Dietrich Kerky

„Das Haus Seilergasse 8 in Rostock: Bei Familie Schlehufer tropft Wasser von der Decke. Auf Klopfen und Klingeln öffnet die Obermieterin Lisa Gau nicht die Wohnung, so dass Schlehufer sich gewaltsam Zutritt verschafft. Das Wasser hat bereits die Küche überflutet, im Schlafzimmer findet Schlehufer die junge Mieterin tot in ihrem Bett vor. Die Ermittlungen übernimmt Albert Schirding von der Mordkommission der Volkspolizei – er wohnt ebenfalls in der Seilergasse 8.

Eine Befragung der Hausbewohner bleibt ohne Ergebnis, keiner kannte die junge Frau näher, so dass zunächst alles auf Selbstmord hindeutet. Doch es fehlt ein Motiv. Spätestens mit dem Fund von Zyankali-Spuren ist sich Schirding sicher: Die junge Nachbarin muss ermordet worden sein.

Kriminalfilm der DEFA, in dem die viel beschworene sozialistische Menschengemeinschaft kritisch durchleuchtet und ad absurdum geführt wird. Als psychologisches Porträt einer Hausgemeinschaft mit ihren unterschiedlichen Individuen interessant und gut gespielt, wenn auch am Ende mit politisch-belehrenden Tendenzen befrachtet.“ (Lexikon des internationalen Films)

 

Krimi im Dezember

Das Raubtier rechnet ab

F 1959, 98 Min, dF, 16mm, R.: Maurice Labro, D.: Lino Ventura, Estella Blain, Paul Frankeur, Nadine Alari

„Ein beliebter Gastwirt und Familienvater, einstmals Gangster, wird von der Polizei genötigt, einen früheren Freund zu verraten. Daraus entwickelt sich ein gefährliches Spiel um wichtige Geheimdokumente, das er zwangsweise zu seiner Sache macht, als der Freund ermordet und sein kleiner Sohn entführt wird.

Routiniert inszeniertes, intelligent konturiertes düsteres Krimiabenteuer, das Polizei und Gangster gleichermaßen als gewissenlose Befehlsvollstrecker darstellt; psychologisch glaubwürdig, in der Hauptrolle überzeugend gespielt.“ (Filmdienst)

 

Filme

Krimi im Dezember

Perrak

D 1970, 92 Min., dF, 35mm, R.: Alfred Vohrer, D.: Horst Tappert, Erika Pluhar, Judy Winter, Werner Peters, Jochen Busse, Carl Lange​​

Perrak übt mit seinem Sohn Autofahren, als ihm ein reicher Industrieller „nur so aus Spaß" das Auto kaputt fährt und ihm einen Blanko-Scheck überreicht. Kurz darauf muss Perrak wieder zur Arbeit – denn er ist ja Leiter des Sittendezernats bei der Hamburger Polizei. Heute muss er allerdings einen Mord aufklären: Toni, ein 19-jähriger Transvestit, wird vom Penner Ede in einem Auto auf einem Schrottplatz tot aufgefunden – offensichtlich ermordet …

Mit Schrotthändlern macht auch Perraks Sohn zur selben Zeit seine Erfahrung: Ein Händler will ihm nämlich ganze 5 Mark für sein Auto geben – bis der Chef des Schrottplatzes, ein gewisser Kaminski das mitbekommt, ihm 500 Mark in die Hand drückt und seinem Vater viele Grüße bestellen lässt. Perrak fordert den Jungen auf, das Geld zurückzubringen. Danach muss er wieder an die Arbeit und im Rotlichtmilieu nach den Hintermännern suchen …

Das klingt verwirrend? Ist es auch! "Den roten Faden findet man in „Perrak“ kaum."(Moviemaster) Muss man auch gar nicht. Der Streifen ist ein herrliches Trash-Vergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Regie führte Alfred Vohrer, auf dessen Konto auch vierzehn Edgar-Wallace-Streifen gehen, und der Quentin Tarantinos erklärter deutscher Lieblingsregisseur ist.

„Perrak“ ist quasi der Kino-Vorläufer von Tapperts bekanntester Rolle: „Derrick“. Auch hier spielt er einen Inspektor, allerdings im Sittendezernat. Im Vergleich zu „Derrick“ ist dieser „pulvertrockene Sittenreißer“ (damaliger Werbeslogan) zudem um einiges rüder, rasanter und erotischer. Was seinem Unterhaltungswert extrem zugutekommt.

Öffentlicher Testsichtungsmarathon

In dieser Nacht heißt es: „Sky is the limit“. Zu sehen bekommt ihr Überraschungsperlen aus unserem Archiv: Echte Gefühle. Echtes Kino. 35mm. 16mm. Ein Abend, an dem alles passieren kann – im Guten wie im Bösen. Selbst der Filmvorführer lässt sich überraschen!

Was hier gezeigt wird, läuft vielleicht nie wieder in einem Lichtspielhaus dieser Welt, ist quasi unwiederbringlich verloren.

Für Filmrisse und Essiggeruch kommen Sie vorbei oder schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.