29. Tuesday Trash Night: Moor-Monster 2

Es ist zurück! Furchterregender als je zuvor!! Das schreckenerregende Moor-Monster wurde vom verrückten Affen-Diktator Dr. Bobo wieder belebt, um damit die Weltherrschaft zu erlangen. Zeit für altbekannte Gegenspieler: Großwildjäger Jack Wood und Wissenschaftlerin Dr. Damato ziehen gemeinsam mit dem extra angefertigten Football-Cyborg Brad 209 erneut in den Kampf gegen das atomare Bio-Monster. Ob sie es schaffen, das grüne Zottelvieh aufzuhalten, bevor es eine unschuldige Pornofilm-Crew oder gar den US-Präsidenten auffrisst? Und kann der namenlose Tourist rechtzeitig zur Hilfe eilen? Und was zum Henker sollen eigentlich die Cheerleader-Zombies hier...?
Fragen über Fragen! Die eigentlich keinen interessieren... Schließlich geht's hier nicht um Story oder andere irrelevante Dinge, sondern einfach um ein Feuerwerk an parodistischen und skurrilen Gags. Diesmal ist der Rest der Filmgeschichte dran - alles was in Teil eins noch verschont wurde, ist jetzt fällig! Eine fröhliches Filmzitate-Raten im humoristischen Stile von "Hot Shots", "Scary Movie" oder den guten alten Monty-Python-Filmen.

Noch abgedrehter als Teil 1!

You want more Monster?! Bitteschön!

Die Fortsetzung der kultigen Independent-Horrorkomödie.

 

Filme

Musikfilm-Reihe zu Nürnberg Pop:

Utopia Ltd.

BRD 2011, digital, 90 Min, R.: Sandra Trostel, D.: Anton Spielmann, Jonas Hinnerkort, Basti Muxfeldt

Anton, Jonas und Basti sind die Band 1000 ROBOTA. Trotz Presse-Hypes müssen sie ihren Weg zwischen Schule und Musikbusiness finden. Künstlerische Differenzen mit ihrem Plattenlabel und ein ernüchternder Bandalltag führen bei den Jungs zu Zweifeln und Frust. Das sie umgebende System bringt immer wieder die Frage auf: Gibt es in einer wirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft überhaupt eine Nische für Ideale und die freie Kunstproduktion?

“Utopia Ltd.“ begleitet 1000 ROBOTA auf ihrer Achterbahnfahrt durch eine drückende Kulturindustrie und die eigene Sinn- und Selbstfindung. Die Nähe, die die Filmemacherin Sandra Trostel in ihrem Debütfilm zu den jungen Bandmitgliedern aufbaut, und die provokanten und erfrischenden Ansichten von Frontmann Anton Spielmann machen den Film zu einem echten und fühlbaren Zeitgeist-Porträt.

(arte)

 

Musikfilm-Reihe zu Nürnberg Pop:

Can a Song save your Life?

Begin again, USA 2013, dF?,  digital, 104 Min., R: John Carney, D: Keira Knightley, Mark Ruffalo, Adam Levine

Zwei junge Musikliebhaber suchen in New York ihr Glück: Auf der einen Seite ist die Singer/Songwriterin Greta, die in der Stadt, die niemals schläft, ihre Musikkarriere vorantreiben möchte. Unterstützung erhofft sie sich dabei von ihrem langjährigen Freund Dave, doch dieser verlässt sie unerwartet, um eine für ihn vielversprechende Solokarriere zu beginnen.

Nach seinem Indie-Hit "Once" aus dem Jahr 2006 widmet sich John Carney erneut der beflügelnden Kraft, die von Musik ausgehen kann, und überrascht das Publikum mit einer erfrischend leichtfüßigen Tragikomödie, die vor allem von ihrem Spiel mit Genre-Mustern und den beiden glänzend aufgelegten Hauptdarstellern lebt. (Spielfilm.de)

 

Musikfilm-Reihe zu Nürnberg Pop:

Mistaken for Strangers

USA 2013, digital, 75 Min, R.: Tom Berninger, D.: Matt Berninger, Aaron Dessner, Bryce Dessner, Bryan Devendorf, Scott Devendorf

Matt Berninger, Frontmann der erfolgreichen US-amerikanischen Indie-Rock Band The National, lädt am Vorabend seiner bis dahin größten Tour seinen jüngeren Bruder Tom – Amateur-Horrorfilm-Regisseur und Metalhead, der noch bei seinen Eltern wohnt – ein, für seine Band als Roadie zu arbeiten. Tom sagt zu und beschließt dabei, die ganze Tour mit zu filmen.

Was dabei rauskommt ist nicht nur eine Rock-Doku über die 2010er Tour der Band, sondern auch ein „tragikomischer Brüderfilm“ (SZ), der mit viel Humor die zwei gegensätzlichen Brüder und die damit einhergehenden Konflikte porträtiert.

 

Filmfestivals

Halloween-Double-Feature

Zu Halloween zeigen wir zwei Überraschungsfilme mit Gänsehaut-Garantie. Den ersten Streifen präsentieren wir zum Gedenken an George A. Romero, den unlängst verstorbenen Horror-Meisterregisseur („Zombie“). Ein kultiger Episoden-Schocker, der eine blutgetränkte schwarzhumorige Hommage an die legendären EC-Horrorcomics darstellt. Auch Romeros Lieblingsthema, die Zombies, kommen dabei nicht zu kurz.

Der zweite Streich ist ein inhaltlich simpler, aber wilder und herrlich absurder Monster-Reißer. Ein schrilles Sequel, das seinen Vorgänger in puncto horribler Action deutlich überbietet.

Im vergangenen Herbst durften wir im KommKino unser 10-jähriges Jubiläum im Rahmen des Italo-Cinema-Festivals ausgiebig feiern, gefolgt von einer Reise in die gnadenlose Welt des Italowesterns zusammen mit Dirty Pictures. Ende März folgt nun: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms!

Eine kurze Einführung in das Genre überlassen wir dem Experten und Mitautor des Standardwerkes "Der Terror führt Regie" Michael Cholewa, dem wir hiermit ganz herzlich für den Text danken:

Antihelden vs. Verbrechen - Der italienische Polizeifilm

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts tickten die Uhren im europäischen Kino, speziell dem italienischen, noch anders. In den 1960er Jahren bekam der Western in Italien nicht nur ein komplett neues Aussehen verpasst, auch inhaltlich gab es kein Weichspülprogramm mehr. Als dem Italo-Western in den frühen 70er Jahren langsam die Puste ausging, wuchs man mit seinen Aufgaben, orientierte sich abermals formal an Hollywood und den Klassikern des modernen Actionfilms und kreierte erfolgreich das Genre des Poliziotto. Nonkonforme Cops, die nicht selten auch gegen die eigenen Vorgesetzten agierten. Eine Kunstform, die schließlich in der Fleischwerdung solch rebellischer Einzelkämpfer wie Commissario Ferro kulminierte und mit seinem Darsteller Maurizio Merli eine untrennbare Allianz einging. Als Architekten des Poliziottesco muss man unbedingt Regisseure nennen wie Fernando Di Leo, Umberto Lenzi, Enzo G. Castellari oder Marino Girolami.

Das italienische Gangsterkino war geboren und kondensierte erfolgreich die Essenz des Thrillers, verdichtet und beschleunigt seine Rituale, nutzte und veränderte noch einmal dessen Erbinformation, die DNA des Polizeifilms. Jene Polizisten waren schlagkräftige Arbeiter und Malocher. In gewisser Weise auch das schlechte Gewissen einer Wohlstandsgesellschaft, die ihre Drecksarbeit gerne delegiert. Die Grauzone zwischen Unterwelt und Penthouse. Charaktere, die das exakte Gegenteil der z. B. hierzulande inflationär vorkommenden Kriminologen waren. Hiesige Kommissare und ihr ins Drehbuch gemeißeltes instinktsicheres Einfühlungsvermögen (ein dem Täter gegenüber versöhnliches Auftreten), waren eine ältliche Mischung aus Kombinationsgabe, einem unerschütterlichen Glauben das Richtige zu tun und stets eine Prise zu viel Verständnis. Dieser pädagogische Ansatz, das Richtige tun zu müssen, konveniert leider nicht mit dem Unterhaltungsaspekt bzw. kollidiert schon mal mit einem spielerisch fantasievollen Konzept, ohne den das Gangster- und Polizeikino aber nicht funktioniert. Das italienische Genrekino der 70er Jahre ließ sich nicht durch politisch korrekte Polizei-Überflieger einschränken. Jene "Helden" waren schon damals Antihelden und folgten ihrem eigenen ganz persönlichen ethischen Kompass. Protagonisten mit einem reinen Herzen, auch wenn sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Dialog weniger mit Worten als mit ihren Fäusten suchten. Ein Kompass und die Wildcard für ein aus allen Fugen berstendes Actionkino. Figuren die auf der richtigen Seite waren, auf der Seite der Schwächeren. Politisch nicht astrein, aber, auch niemals langweilig! Womit zumindest eine Mission erfüllt war: Kino total!

Entführung, Erpressung, Gewaltverbrechen, Raub, das Italien des 70er Polizeikinos zeichnete unser liebstes Urlaubsland ganz anders als die Kataloge der Reiseindustrie. Die quietschenden Pneus der Alpha Giulias und ihre sich vor Adrenalin überschlagenden Fahrer standen dabei in einem starken Kontrast zu einer farbenfrohen, mediterranen, urbanen Architektur der italienischen Innenstädte und der quirligen lebhaften Mentalität ihrer Bewohner. Dazu schwelgte die Musik in psychedelischen, atonalen, sphärischen Klängen. Und die Geschichten zeichneten mit Freude und ungebremstem Schwung Gewalt und Brutalitäten.

Der Zuschauer wurde damals durch die Filmkritik (einmal mehr) "entmündigt". Kritiker bemängelten einen undifferenzierten Erzählaufbau sowie (im Genrekino üblich) ideologisch fragwürdige Charakterzeichnungen. Dagegen spricht jedoch das satirische Gesamtkonzept des Poliziotto. Im Genrekino im Allgemeinen und dem Poliziesco im Besonderen hat Realismus wenig Platz. Figuren werden überzeichnet, ins Comichafte überhöht. Man muss entweder völlig ahnungslos oder ein Spielverderber sein, um in dieser phantastischen, einer symbolhaft verdrehten Filmsprache politisch fragwürdige Tendenzen orten zu können. Hinzu kommt, dass diese Commissarios nie durch Besonnenheit oder taktisches Kalkül glänzten. Sie folgten einer emotionalen, aber ehrlichen Ethik. Den Schwachen hilft man und das Böse, oftmals auch die Karikatur dessen, wird exemplarisch bestraft (symptomatisch für das gesamte Genre). Der Poliziotto besaß genau den richtigen Abstand zur Tragödie und eine unverkennbare Liebe für klassisches Thrillerkino. Eine Entdramatisierung, die den Filmen ihr charakteristisches, angenehmes Tempo gab und eine erzählerische Ebene ohne gestenreiches Moralisieren erstellte. Ein Kino, das geschickt mit einer unbestimmbaren Mischung aus Gut und Böse spielte. Eine fast verloren gegangene künstlerische Freiheit, welche dem heutigen Kino bestimmt sehr gut täte.

(Michael Cholewa)

Programmübersicht:

 

Freitag, 07.10.

21:15 Uhr Der Mafi aboss - Sie töten wie Schakale
(La mala ordina, 1972)


23:15 Uhr Testament in Blei
(Crazy Joe, 1974)

 

Samstag, 08.10.

14:00 Uhr Gangster sterben zweimal
(Gangsters ‚70, 1968)


16:30 Uhr Die Klette
(Un detective, 1969)


21:15 Uhr Tote Zeugen singen nicht
(La polizia incrimina la legge assolve, 1973)


23:15 Uhr Feuerstoß
(Una Magnum Special per Tony Saitta, 1976)

 

Sonntag, 09.10.

13:00 Uhr Ein Mann geht aufs Ganze
(L‘assassino... è al telefono, 1972)


15:00 Uhr Höllenhunde bellen zum Gebet
(Con la rabbia agli occhi, 1976)


17:00 Uhr Eiskalte Typen auf heißen Öfen Eiskalte Typen auf heißen Öfen
(Uomini si nasce poliziotti si muore, 1976)

Der Mafiaboss - Sie töten wie Schakale
(La mala ordina)
Italien/Deutschland 1972 | 85 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Fernando Di Leo
Darsteller: Mario Adorf, Henry Silva, Woody Strode, Adolfo Celi, Luciana Paluzzi, Cyril Cusack, Peter Berling, Sylva Koscina
Musik: Armando Trovajoli

 

Als eine große Ladung Heroin verschwindet, gerät der gutherzige Zuhälter Luca Canali unschuldig ins Fadenkreuz der Mafia. Aus den Staaten reisen zwei eiskalte Killer an und auch der Mailänder Don will Lucas Kopf. Als seine Familie getötet wird, sieht Luca rot und schlägt erbarmungslos zurück...

Holt den J&B aus dem Spirituosenschrank, zieht euer „Milano Calibro Nove“-Shirt an und setzt euch in die erste Reihe: Mario Adorf macht wieder Bambule im italienischen Gangsterfilm der 70er.

Eingebettet zwischen den Meisterwerken „Milano Kaliber 9“und „Der Teufel führt Regie“ist „Der Mafiaboss – Sie töten wie Schakale“ der zweite Teil der berühmt-berüchtigten, von Fernando di Leo inszenierten „Milieu“-Trilogie, die man gut und gerne auch als Heilige Dreifaltigkeit des Poliziotti bezeichnen darf. Wenn man in der Unterwelt Cinecittàs ernsthaft mitreden möchte, sind di Leos Großtaten Pflichtprogramm.

Mario Adorfs Überlebenskampf als von allen gehetzter Luca Canali ist ebenso pures Adrenalin wie die treibenden Bassläufe aus Trovajolis großartigem Score. Neben Adorf glänzen Henry Silva und Woody Strode als eiskaltes, aber saucooles Killergespann.

„Sie töten wie Schakale“, nomen est omen, nimmt vor allem in seinem leichenreichen letzten Drittel keine Gefangenen mehr und Fernando di Leo demonstriert einmal mehr mit Nachdruck, wer der Pate des italienischen Gangsterfilms ist.

Filmfestivals

Testament in Blei
(Crazy Joe)
Italien/USA 1974 | 100 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Carlo Lizzani
Darsteller: Peter Boyle, Paula Prentiss, Fred Williamson, Rip Torn, Fausto Tozzi, Eli Wallach
Musik: Giancarlo Chiaramello

Die Brüder Joe und Richie sind Teil einer fünfköpfigen Gangstergruppe, die für den Underboss der amerikanischen Cosa Nostra, Don Falco, die Drecksarbeit erledigt. Da die mörderische Qualitätsarbeit des Quintetts nicht entsprechend honoriert wird, beschließt das Brüderpaar dem undankbaren Falco „etwas Feuer unter dem Arsch zu machen“. Ihre hinterhältige Aktion beschwört einen internen Familienkrieg herauf und ruft gleichzeitig den Boss und Schlichter, Don Vittorio, auf den Plan. Doch aus anfänglichen Vertröstungen wird Verrat und Joe landet für viele Jahre im Gefängnis …

Ob Tommy Udo oder Jack Buck, (Crazy) Joe kennt sie alle, die großen Gangster der Lichtspiele, die mit ihrer Coolness die Leinwand „zum Gefrieren bringen“. Die Dialoge seiner Helden gedeihen zu seinem persönlichen Vaterunser, und wenn die Kids es wünschen, dann legt „Joe, der Schmalspurganove“ auch gern eine Imitation seiner Idole auf das schmutzige „Straßenparkett“ von New York City. Dieser sympathische Spitzbube wird von Peter Boyle gemimt. Jener Typ, der als Wizard in Scorseses „Taxi Driver“ (mit seinen absurden Weibergeschichten) selbst dem schmierigen Joe Spinell die Show stehlen konnte.

Carlo Lizzani, der Schöpfer von Genreperlen wie „Die Banditen von Mailand“, „Mögen sie in Frieden ruhen“ und „San Babila, 20 Uhr: Ein sinnloses Verbrechen“, balanciert (für „Testament in Blei“) zwischen dem italienischen Mafiafilm, den Klassikern des amerikanischen Gangsterkinos und Blaxploitation. Letztgenanntes Genre sorgte dafür, dass Lizzani den ungekrönten „Black Power King“, Fred Williamson, ins Boot holte. Für Fred, auch liebevoll „The Hammer“ genannt, war der Part des Gangsters, Willy, einer seiner ersten Kontakte mit dem italienischen Genrekino. Aus einem anfänglichen Flirt entwickelte sich zusehends eine große Liebe und der überaus sympathische Zeitgenosse aus Indiana konnte mit seiner unnachahmlichen Art die Freunde des „Terza Visione“ fortwährend in Feierlaune versetzen, denn ob „Riffs“, „Metropolis 2000“ oder „Black Cobra“, wo er auch spielte - die „knallenden Sektkorken“ waren nicht weit.

„Testament in Blei“ orientiert sich an der Lebensgeschichte des Mafioso, Joe Gallo, und transportiert diesen als einen liebenswerten, wenn auch überwiegend skrupellosen Ganoven, der durch tragisch-anekdotische Fügungen von seinen Zielen ferngehalten wird. Ein Gangster, Held und Narr zugleich.

Somit schließe ich diesen kleinen Appetizer mit den Worten des Literaturnobelpreisträgers, Bob Dylan, der auf seinem 1976er Studioalben, „Desire“, dem „Bad Boy“, Joseph Gallo, folgende Zeilen widmete:

“And someday if god's in heaven overlooking his preserve,
I know the men that shot him down will get what they deserve.“

Filmfestivals

Gangster sterben zweimal
(Gangsters '70)
Italien 1968 | 95 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:2,35)

Regie: Mino Guerrini
Darsteller: Joseph Cotten, Franca Polesello, Giampiero Albertini, Giulio Brogi, Bruno Corazzari, Franco Ressel
Musik: Egisto Macchi

Destil riecht nach einem Jahrzehnt hinter schwedischen Gardinen endlich wieder Frischluft. Der etwas in die Jahre gekommene Gangster möchte sich nun in Griechenland zur Ruhe setzen. Natürlich nicht, ohne vorher noch den ganz großen Coup seines Lebens zu landen. In Windeseile stellt er sich eine Truppe von Spezialisten zusammen, die ihn dabei unterstützen sollen. Doch hat er bei seinem (vermeintlich) genialen Plan nicht etwas Wichtiges übersehen?

Sein kriminelles Projekt hat er jahrelang ausgeklügelt und sorgfältig durchdacht. Doch ein nicht unwesentliches Detail wird von Destil schlichtweg ignoriert: die Zuverlässigkeit seiner Helfer. Er rekrutiert unter anderem einen ehemaligen Olympiaschützen, der heute ein abgebrannter Junkie ist, einen ehemals guten Pokerspieler mit schwachem Nervenkostüm, einen arroganten Schachmeister mit krimineller Energie, eine suizidale Schauspielerin und einen überengagierten Chemiker-Jungspund.

Mensch, das kann doch niemals gut gehen! Es liegt auf der Hand, wie fehleranfällig und daher gewagt Destils Vorhaben mit dieser Truppe ist. Noch dazu gefährdet er selbst den Erfolg des geplanten Überfalls durch einen Anflug von Sentimentalität. Trotz Medienberichten, er sei in einer Klinik in der Schweiz, taucht er bei seiner ehemaligen Geliebten in Rom auf ...

Diese Gangstergeschichte, bei der Maestro Fernando Di Leo maßgeblich beteiligt war, erzeugt allein schon durch die Konstellation der Charaktere Spannung. Im letzten Drittel wird dann jegliches Drehbuch-Konstrukt für obsolet erklärt. Das Chaos regiert und alle überbieten sich gegenseitig in puncto Brutalität und Kompromisslosigkeit.

Eingefleischte Fans des Italokinos dürfen sich neben den üblichen, schmierigen Gestalten und finsteren Verbrechern auf Joseph Cotten (sogar mit lustigem Wind-Iro), ein Wiedersehen mit Giampiero Albertini (auch bekannt aus dem thematisch ähnlichen Film „Sieben goldene Männer“), Parade-Gangster Bruno Corazzari (sollte später in „Ein Mann ohne Gedächtnis“ ebenfalls einen Bösewicht mit Erkältungssymptomen mimen) und Franco Ressel (legendär als Schurke namens „Stengel“ in „Sabata“) freuen.

Kameraaufnahmen mit scharfem Blick für ästhethische Details, manchmal versetzt mit einem ironischen Augenzwinkern, spritzige Dialoge und bleigeschwängerte Luft lassen garantiert schönste Sixties-Heist-Movie Stimmung aufkommen.

Filmfestivals

Die Klette
(Un detective)
Italien 1969 | 101 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Romolo Guerrieri
Darsteller: Franco Nero, Florinda Bolkan, Adolfo Celi, Delia Boccardo, Renzo Palmer, Laura Antonelli, Silvia Dionisio
Musik: Fred Bongusto


Der Inspektor der Fremdenpolizei Belli lässt sich vom Rechtsanwalt Fontana für viel Geld beauftragen, die Freundin von Fontanas Sohn Mino aus dem Land zu weisen. Nebenbei will er auch noch herausfinden, warum Fontanas Frau eine beträchtliche Menge Geld in eine Firma von Minos Kumpel Romani stecken möchte. Der Teil mit der Freundin ist ja noch relativ einfach, aber der andere Teil ist schwieriger: Romani ist nämlich tot. Ermordet. Belli kann seine Finger nicht mehr aus dem Job rausziehen, da sonst herauskäme dass er bestechlich ist. Also muss er weiterermitteln, immer im Wettlauf mit dem Mörder einerseits und der Polizei unter Kommissar Baldo andererseits. Und so sehr er auch gerne die Wahrheit herausfinden möchte, so wenig mag er auch auf Fontanas Geld verzichten. Und in Freiheit bleiben, denn auf Baldos Liste der Verdächtigen steht der Name Belli ziemlich weit oben.

Schon mal die Klassiker des US-amerikanischen Film Noir gesehen? „Murder, My Sweet“ oder „Tote schlafen fest“? Genau jene, und es hat auch seinen Grund, warum diese Art Kriminalerzählung gerade im Film nicht totzukriegen ist. Mit dem chauvinistisch-coolen Helden kann sich jeder männliche Zuschauer identifizieren, die Handlung ist spannend-vertrackt und fordert zum Mitdenken auf, die Frauen sind verrucht und geheimnisvoll, so ganz anders als die Hilde zu Hause, und überhaupt ist das für den Zuschauer ein Kosmos zum im Dreck aalen und unbeschadet und sauber wieder herauskommen (im Gegensatz zum Helden).

Da haben wir den abgebrühten Schnüffler (Franco Nero), der von einem (einfluss-)reichen alten Mann (Adolfo Celi) gebeten wird auf seinen Sohn aufzupassen. Der alte Mann hat noch eine erheblich jüngere und geheimnisumwitterte Frau (Florinda Bolkan), und überhaupt kreuzen jede Menge lebender und toter schräger Vögel seinen Weg. Der ermittelnde Kommissar (Renzo Palmer) ist knorrig und gutmütig, aber nicht bereit seinen Kollegen bis zum Äußersten zu decken, ein paar sexy Liebschaften sind zu begutachten, die selbst dann lügen wenn sie nichts sagen, und der “Held“ kriegt auch mal eine aufs Maul, steckt das mit Hilfe von Whisky und hübschen Frauenaugen aber eigentlich ganz gut weg. Schlussendlich haben einfach alle irgendwie Dreck am Stecken, die Reichen und Schönen genauso wie die armen Schweine, und dazwischen liegt ein Haufen Toter herum.

Gute Krimi-Unterhaltung mit Anspruch also, die für Fans des 60-er Jahre Kinos eine Augenweide vom Feinsten bietet. Das Zusammenspiel aus Schnitttechnik und Kameraführung ist gehobene Filmkunst. Ob nun Franco Nero durch ein sich bewegendes Mobilé aus Dreiecken gezeigt wird, das illustriert, wie sich um ihn alles dreht, ob er vor einer Wand fotografierter Augen steht und verzweifelt versucht die Wahrheit zu erkennen oder ob der Mörder direkt nach der zuschauerseitigen Entlarvung geradezu Hitchcock-like durch ein Gitter hindurch gefilmt wird … Solche Momente machen viel aus und sorgen für wohlige Schauer, wenn man nur aufmerksam genug ist. Und dann wären da noch die immer wiederkehrenden Puppen und Spiegel …

Die Gelegenheit ist übrigens geeignet, um darauf hinzuweisen, dass “Belli“ eine Konjugation des lateinischen Wortes “Bellum“ ist, was nichts anderes als “Krieg“ bedeutet. Ob nun Inspektor Belli im Krieg mit sich ist oder eher mit der Außenwelt, diese Frage wäre nicht uninteressant zu erörtern. Wahrscheinlich aber mit beidem ...

Filmfestivals

Tote Zeugen singen nicht
(La polizia incrimina la legge assolve)
Italien/Spanien 1973 | 102 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Enzo G. Castellari
Darsteller: Franco Nero, James Whitmore, Delia Boccardo, Fernando Rey, Silvano Tranquilli, Ely Galleani
Musik: Guido & Maurizio De Angelis


Da in der beschaulichen Hafenstadt Genua allerorts das organisierte Verbrechen regiert, hat der unnachgiebige Kommissar Belli (Franco Nero) alle Hände voll damit zu tun, die drogenverseuchten Straßen von den kriminellen Subjekten zweier konkurrierender Organisationen zu säubern. Doch leider hat er dabei die Rechnung ohne die landeseigene Justiz gemacht, welche ihm aufgrund einer unausgegorenen Gesetzgebung andauernd unüberwindbare Steine in den Weg legt. So gleichtsein aussichtsloser Kampf dem eines Don Quichottes gegen spanische Windmühlen. Am meisten verärgert ihn aber die Tatsache, dass seinem Vorgesetzten Scavino (James Whitmore) zwar bereits seit längerer Zeit stoßweise belastendes Material in Form eines eigens verfassten Dossiers vorliegt. Der möchte aber mit der entsprechenden Anklage dennoch weiterhin abwarten, bis er schließlich auch über die alles entscheidenden Beweise zur Überführung der eigentlichen Strippenziehern verfügt. Da aber Belli von Natur aus ein sehr ungeduldiger Mensch ist, der zudem am liebsten gleich alle Verbrecher Genuas auf einen Schlag hinter Gitter bringen möchte, geht dieser kurzerhand eine rechtlich nicht gerade einwandfreie Zusammenarbeit mit dem bereits in die Jahre gekommenen Don Cafiero (Fernando Rey) ein. Sie bringt ihn aber schlussendlich nicht unbedingt in seinen Ermittlungserfolgen weiter, denn der Don scheint wiederum sein eigenes Spiel mit Belli zu spielen.

Enzo G. Castellaris „La polizia incrimina la legge assolve“ (Die Polizei klagt an, das Gesetz spricht frei) gehört meinem Empfinden nach sowohl zu den gelungensten Arbeiten des Regisseurs als auch eindeutig zur Speerspitze des italienischen Polizeifilmgenres. Dabei reiht sich sein erster Poliziesco nahtlos in die bereits bestehende Riege früher Genrevertreter ein, zu denen dann auch beispielsweise Stefano Vanzinas „Das Syndikat“, Roberto Infascellis „Der unerbittliche Vollstrecker“, Romolo Guerrieris „Auf verlorenem Posten“ oder auch Sergio Martinos „Violent Professionals“ zählen. Im Gegensatz zu den späteren Polizeifilmproduktionen bewegen sich die prototypischen Ermittler aus der Entstehungszeit des Genres im Großen und Ganzen noch im rechtlichen Rahmen. Wohingegen ja Merli und Co. gleich auf Anhieb die rechtliche Grauzone links liegen lassen, um sich dann geradewegs ohne größere Umschweife genüsslich auf der schwarzen Piste der Illegalität völlig rechtsfrei austoben zu können.

Insgesamt ein höchst pessimistisches Genrefilmwerk, bei dem es sich vordergründig um die kriminelle Vernetzung von organisiertem Verbrechen, mächtigen Wirtschaftsvertretern, der landeseigenen Justiz, politischer Abgeordneter und der daraus resultierenden Handlungsunfähigkeit der polizeilichen Ordnungsmacht dreht. Die einschlägige Kritik hinsichtlich des Schauspielstils von Franco Nero kann ich persönlich in keinster Weise nachvollziehen, da sein betriebenes Overcating doch genau den Vorgaben des darzustellenden Rollencharakters entspricht. Denn Kommissar Belli ist ein sowohl ungeduldiges, dauerangespanntes, unbändiges, nasensprayabhängiges, rastloses, launisches als auch cholerisches Nervenbündel, welches am liebsten immer sofort mit dem Kopf durch die Wand möchte. Dann wäre da auch noch der traumhafte Titeltrack der beiden De-Angelis-Brüder, der übrigens zu meinen allerliebsten Filmmusikkompositionen zählt. Dieser fantastischen Nummer gelingt jedes mal wieder aufs Neue, einen gehörigen Gänsehautalarm auszulösen.

“Ein unverzichtbarer Meilenstein des italienischen Polizeifilmgenres”

Filmfestivals

Feuerstoß
(Una Magnum Special per Tony Saitta)
Italien/Kanada/Panama 1976 | 88 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:2,35)

Regie: Alberto De Martino
Darsteller: Stuart Whitman, John Saxon, Martin Landau, Tisa Farrow, Carole Laure, Jean LeClerc, Gayle Hunnicutt
Musik: Armando Trovajoli


Captain Tony Saitta (Stuart Whitman) von der Polizei in Ottawa befindet sich mitten in einer Verfolgungsjagd und kann so den dringenden Anruf seiner Schwester Louise (Carole Laure), die an der Universität von Montreal studiert, nicht entgegen nehmen. Als Louise während eines College-Streiches, den man eigentlich ihrem Liebhaber Dr. Tracer (Martin Landau) spielen will, vergiftet wird, will Saitta den Tod seiner Schwester aufklären. Unterstützung erhält er von seinem dortigen Kollegen Lt. Matthews (John Saxon).  Tony geht nicht gerade zimperlich bei der Befragung von Verdächtigen und der Verfolgung von seltsamen Spuren vor, die das Geheimnis nur zu vergrößern scheinen. Es fehlt ein Motiv. Erst als Saitta bereit ist, seine Vorurteile zu überwinden und erkennt, dass er im Grunde nur sehr wenig von Louise wusste und deshalb ein völlig verklärtes Bild von ihr hat, kommt er der Lösung des Falles näher. Die Spur einer gestohlenen Perlenkette und der Tod eines weiteren Studenten führen ihn ins Transvestitenmilieu und zu einem weiteren noch ungelösten Mordfall.

Mit „Feuerstoß“ inszenierte Alberto de Martino in italienisch-kanadischer Co-Produktion einen Genre-Mix zwischen Polizeikrimi à la Dirty Harry und Giallo. Mit den zu ihren Regisseuren im Allgemeinen recht großzügigen Geldgebern Edmondo und Maurizio Amati ließen sich nicht nur internationale Stars wie Stuart Whitman, John Saxon, Gayle Hunnicutt, Martin Landau oder Carole Laure engagieren, sondern auch spannende Autoverfolgungsjagden und harte Actionszenen inszenieren, gekrönt von einem albtraumhaften Flashback-Finale.

„Una Magnum Special per Tony Saitta“ erzählt zudem eine spannende Geschichte, in der Alberto de Martino wie gewohnt zeigen kann, dass ihm die Charaktere und deren Innenleben am Herzen liegen – ebenso wie kurze aber heftige Gewaltszenen. So muss der Polizei-Captain Tony Saitta im Laufe des Films feststellen, dass ihn seine eigenen Vorurteile an der Lösung des Falles hindern. Den Schlüssel zum finalen Geheimnis des Falls hält aber eine bezaubernde Tisa Farrow in Händen, die eine blinde Studentin spielt, die aber das Graue-Maus-Makeup keineswegs entstellen konnte. Also viel Spaß, und Vorsicht mit Knarre und Lockenstab.

Filmfestivals

Ein Mann geht aufs Ganze
(L'assassino... è al telefono)
Italien/Belgien 1972 | 90 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:2,35)

Regie: Alberto De Martino
Darsteller: Telly Savalas, Anne Heywood, Osvaldo Ruggieri, Giorgio Piazza, Willeke van Ammelrooy, Rossella Falk
Musik: Stelvio Cipriani


Frisch an der belgischen Nordseeküste angekommen, erlebt die Theaterschauspielerin Eleanor (Anne Heywood) eine traumatische Begegnung mit einem Unbekannten (Telly Savalas) und sinkt nach einem Ohnmachtsanfall zu Boden. Wieder aus der Bewusstlosigkeit erwacht, muss sich der Bühnenstar fortan mit einer hartnäckigen Amnesie herumplagen, welche sämtliche Erinnerungen der letzten fünf Jahre in ihrem Kopf erlöschen lässt. In dem Glauben, ihr verstorbener Liebhaber Peter (Roger Van Hool) sei noch am Leben, misstraut sie ab sofort jedem, der sie vom Gegenteil überzeugen möchte. Dennoch mag so vieles nicht ganz so recht zusammen passen: Wieso leidet Eleanor plötzlich an Gedächtnisschwund? Gibt es einen Grund für Peters Verschwinden? Sind ihre Freunde und Familie nur darin versucht, sie verrückt zu machen? Und warum scheint der glatzköpfige Fremde ihr unnachgiebig nach dem Leben zu trachten?

Ein paranoider Krimi mit Anne Heywood und Telly Savalas in den Hauptrollen, gedreht im wunderschönen Ostende, verzaubert mit den verträumten Klängen eines Stelvio Cipriani und unter der Fuchtel von Regie-Tausendsassa Alberto De Martino eindrucksvoll vom großartigen Aristide Massaccesi am Objektiv eingefangen – mehr Namedropping geht beim besten Willen nicht mehr!

„Ein Mann geht aufs Ganze“ – ein derartig unpassender Titel aus der deutschen Filmverleih-Schmiede, der die folgenden 90 Minuten zudem ins völlig falsche Licht zu rücken droht – ist ein leckerer Snack aus der breiten Riege des italienischen Thriller-Sujets geworden. Er kann in allererster Linie bei Zuschauern punkten, die ein entschleunigter Story-Aufbau vor keine größeren Überwindungen stellt, denn spektakulär dürfte ein Adjektiv sein, welches in keinster Weise auf De Martinos Werk zutreffen wird. Aber aus diesem vermeintlichen Manko zieht „L'assassino... è al telefono“ letztendlich dennoch seine Stärken und spinnt sein Netz aus Irrungen und Wirrungen gekonnt. Währenddessen animiert die gesamte Atmosphäre rund um Brügge zum Schwelgen und man möchte in Verbindung mit Ciprianis eingängigem Klangmuster sofort mit offenen Augen schlafwandeln. Sofern man nicht den tückischen Fehler mittels Irritation der eigenen Erwartungshaltung begeht, denn hier wird keinesfalls im Alleingang gegen die Unterwelt rebelliert oder gnadenlos per Dauerfeuer mit etwaigen Schergen abgerechnet, auch wenn freilich hin und wieder ein paar Akteure unfreiwillig ins Gras beißen müssen. Viel mehr bewegt sich De Martinos unüblicher Genrebeitrag auf psychologischer Ebene – getragen vom undurchsichtigen Schauspiel der einstigen Miss Great Britain – anstatt im ständigen Takt auf die Pauke zu hauen.

Höllenhunde bellen zum Gebet
(Con la rabbia agli occhi)
Italien 1976 | 98 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Antonio Margheriti
Darsteller: Yul Brynner, Massimo Ranieri, Barbara Bouchet, Martin Balsam, Salvatore Borghese, Luigi Bonos
Musik: Guido & Maurizio De Angelis


Der pensionierte Auftragskiller Peter Marciani (Yul Brynner) schippert nach einem Hinweis auf die Mörder seines Bruders von New York nach Italien, um dort furchtbare Rache zu nehmen. Dort trifft er auf den jungen Angelo (Massimo Ranieri), der ihm mit Eifer unter die Arme greifen will und bei der Suche nach den Mördern, welche sich in Kreisen der Mafia befinden, behilflich ist. Der Commissario (Martin Balsam) und seine psychisch bedingten Sehstörungen sind ihm, im Gegensatz zur bezaubernden Anny (Barbara Bouchet), hierbei verständlicherweise keine große Hilfe.

Nach Sichtung der ganz vorzüglichen Doku über das filmische Gesamtwerk von Antonio Margheriti, welche auf der "Im Wendekreis des Söldners"-Blu-ray von Ascot Elite zu finden ist, habe ich endlich damit angefangen meine fehlenden Lücken in dessen Filmografie zu schließen. Margheriti hat so gut wie jedem Genre einen Besuch abgestattet, mit "Höllenhunde bellen zum Gebet" (Con la rabbia agli occhi, 1976) also auch dem Action & Crime der 70er Jahre. Die Hauptrolle hat Yul Brynner inne, damals schon im stolzen Alter von 61 Jahren, der wie viele alternde Stars des US-Kinos irgendwann den Schritt über den großen Teich wagte. „Höllenhunde“ ist Brynners letzter Film, 1985 starb er an Lungenkrebs am selben Tage wie sein Schauspielkollege Orson Welles. Den meisten Italophilen wird er als Sabata (eigentlich Indio Black) in "Adios Sabata" (Indio Black, sai che ti dico: Sei un gran figlio di..., 1971) von Gianfranco Parolini bekannt sein. In den weiteren Hauptrollen sind der italienische Schlagerstar Massimo Ranieri, Martin Balsam (bestens bekannt aus zahlreichen Polit-Thrillern, oft unter der Regie von Damiano Damiani) und Barbara Bouchet zu sehen. Ferner geben sich Sal Borgese und Luigi Bonos in kleineren Rollen die Ehre.

Margheriti liefert uns hier einen sehr überzeugenden und dramatischen Mafia-Thriller mit ruhiger Grundstimmung, der sich vor den Großen des Genres nicht zu verstecken braucht. Die wachsende „Vater/Sohn“-Beziehung zwischen Brynner und Ranieri erinnerte zunehmend an den Italowestern "Der Tod ritt dienstags“ von Tonino Valerii, in dem Giuliano Gemma und Lee Van Cleef ein ebenso ungleiches Paar abgeben, wenn auch mit anderem Ausgang. Sehr passend sind die Locations, Neapel als Sündenpfuhl eignet sich hervorragend für jene Art von Filmen, wie man auch in "Camorra - Ein Bulle räumt auf" (Napoli Violenta, 1976) von Umberto Lenzi oder in "Sie nannten ihn Plattfuss" (Piedone lo sbirro, 1973) von Steno sehr gut sehen kann. Der ausgezeichnete Soundtrack stammt von den De Angelis Brüdern Guido und Maurizio.

"Höllenhunde bellen zum Gebet" ist eine vergessene Perle, die dringend eine deutsche Heimkinoauswertung erfahren muss.

Eiskalte Typen auf heißen Öfen

 

Die beiden Polizisten Alfredo (Ray Lovelock) und Antonio (Marc Porel) gehören einer Spezialeinheit an, allerdings gehen ihre Methoden zur Säuberung der römischen Gassen selten mit dem Gesetz konform. Um die jungen Draufgänger etwas auszubremsen, setzt ihr Chef (Adolfo Celi) sie auf die hiesige Unterweltgröße Pasquini (Renato Salvatori) an, damit der Wirbel um die in Notwehr mordenden Gesetzeshüter bei höheren Vorgesetzten und der Presse etwas eingedämmt werden kann. Pasquini hat allerdings überhaupt keine Lust sich ohne Gegenwehr abservieren zu lassen und so häufen sich die Leichensäcke weiter.

 

Ruggero Deodatos einziger Beitrag zum Poliziottesco-Genre startet mit einer furiosen Verfolgungsjagd durch die Innenstadt Roms und macht sofort klar, dass die zwei Hauptakteure die restliche Spielzeit über – bei der Bekämpfung des aufkeimenden Gesindels – keine Gnade an den Tag legen werden. Diese Selbstjustiz unter dem Deckmantel des Gesetzes ist zur Entstehungszeit von „Uomini si nasce poliziotti si muore“ keinesfalls neu beim Poliziotteschi, allerdings überzeichnet Deodato das gesamte Geschehen derartig, dass man ihm durchaus eine gewollte Provokation unterstellen darf, sofern man das Gezeigte nicht doch lieber als Satire interpretieren mag. Denn völlig konträr zur hemmungslosen Vorgehensweise des Duos, welche von ihrem Vorgesetzten in gewisser Weise sogar billigend bei den tolldreisten Aufräumaktionen in Kauf genommen wird, driftet der Zuschauer dank andauernder Besänftigung mittels Lifestyle, sympathischer Kameradschaft, heftigen Damenflirts oder Ray Lovelocks schmalziger Dudelei nicht auf die Seite des verärgerten Moralapostels, vor allem da die deutsche Synchronisation mit einer gewaltigen Überdosis asozialer Coolness auftrumpft und den beiden Haudegen unentwegt kesse Sprüche in den Mund legt. Dabei ist das Handlungsgerüst unwiderlegbar nicht das stabilste, zudem müssen bis zum Finale immer wieder nebensächliche Verbrechen herhalten, um mit äußerst viel Krawall unterbunden zu werden, bis es den eigentlichen Lumpenhunden endlich an den Kragen gehen kann. Deodato löst dieses Defizit dennoch ziemlich geschickt, indem er die Spannung vehement minimalisiert und dafür umso öfter das Gaspedal bis zum Anschlag tritt.