Filme

22. Mai

BE 2010, 93 Min, dF, digital, R.: Koen Mortier, D.: Norman Baert, Titus DeVoogdt, Sam Louwyck

Sam ist Sicherheitsagent in einer Shoppingmall und wird an einem ganz gewöhnlichen Tag Opfer und Zeuge eines terroristischen Bombenanschlags. Er versucht, Menschen und Verletzte zu retten, bevor ein erneuter Anschlag geschieht. In zunächst menschenleeren Räumen begegnen Sam nun die Opfer des Anschlags. Sie erzählen ihm ihre Geschichte erzählen und erklären, warum sie in dem Kaufhaus waren. Und schließlich gelangt Sam nach der Begegnung mit dem Täter zu der Erkenntnis, wie sehr sich Schuld und Unschuld ähneln.

„Koen Mortiers „22nd Of May“ ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil zu seinem brillanten „Ex-Drummer“: Wo „Ex-Drummer“ laut, krude, brutal, wild und schnell war, ist „22nd Of May“ introspektiv, zeitlupenhaft, nachdenklich. Was gleich bleibt: die emotionale Wucht und die wunderbaren Bilder, die Mortier auf die Leinwand bringt.“ (Christian Ihle, taz.de)

 

Filme

Killing Zoe

F 1993, 96 Min., OmdU, 35mm, R.: Roger Avary, D.: Eric Stoltz, Julie Delpy, Jean-Hugues Anglade, Gary Kemp

Paris! Welch reichhaltiges Füllhorn kultureller Höhepunkte du über deine Besucher ausschüttest: Versailles, Panthéon, Le Louvre ... Safeknacker Zed interessiert das alles nicht die Bohne. Statt Sightseeing steht für den talentierten Tresorexperten ein Bankraub mit Jugendfreund Eric und dessen Kumpels auf dem Programm. Letztgenannte entpuppen sich leider als völlig chaotischer Haufen mit einem Hang zum drogenindizierten Amoklauf. So kommt's wie's kommen muss: Die illegale Bargeldbeschaffung läuft völlig aus dem Ruder, zumal sich jetzt auch noch Zeds Liebschaft Zoe unter den Geiseln befindet ...

„Killing Zoe“ ist nichts für Zartbesaitete. Im Jahr seine Erscheinens geriet er aufgrund seiner expliziten Gewaltdarstellungen ins Kreuzfeuer der Kritik, was den spannenden und intensiven Kinogenuss freilich nicht schmälert. Regisseur Roger Avary („Die Regeln des Spiels“) schrieb vor „Killing Zoe“ das Drehbuch zu „Pulp Fiction“, woraufhin sich Quentin Tarantino mit der Produktion des Bankraub-Streifens revanchierte.

 

Zum Gasthof der spritzigen Mädchen

BRD 1979, 87 Min., dF, 35 mm, R.: Franz Marischka, D.: Sylvia Engelmann, Peter Steiner, Fred Stillkrauth, Rosl Mayr

„Beim Kirchenwirt Alois geht der Gerichtsvollzieher ein und aus, die Brauerei will nicht mehr liefern, kurz: Es muss etwas geschehen. Hochwürden und der Lehrer sind dafür, im Stadl des Kirchenwirtes ein frommes Ritterspiel aufzuführen, damit sich der Umsatz hebt. Doch dort hat Annemirl, die Tochter des Wirts, die vier Musikerinnen einer vorübergehend gestrandeten Damen-Combo untergebracht. Und Annemirl denkt, dass der Auftritt einer Damenkapelle mehr Umsatz bringt als ein frommes Ritterspiel. Das Dorf spaltet sich in zwei Lager. Und gekämpft wird mit allen Mitteln ...“ (Covertext der raren alten VHS-Cassette)

Franz „Manche sagen, wir haben den deutschen Film gerettet“ Marischka, der Großmeister der deutschen Sexkomödie („Liebesgrüße aus der Lederhose“, „Lass jucken, Kumpel“), führte Regie, Peter Steiner spielt die Hauptrolle und der Alemannia-Verleih („Zombies unter Kannibalen“, „Ein Zombie hing am Glockenseil“) brachte den Streifen in die Filmtheater. Und Rosl Mayr ist auch dabei. Braucht es noch mehr Argumente für einen Kinobesuch? Na also …

La Cicciolina – Göttliche Skandalnudel

D/F 2016, 56 Min, digital, R.: Alessandro Melazzini

- „Das Fräulein Staller ist eine Art Callas des Sex, besser gesagt: Sie hat eine Stimme, die so … unverwechselbar ist und von vielen Bewunderern geschätzt wird, so heißt es. Stimmt das?“
- „Ja; sagen wir, ich bin Missionarin der Liebe, hm, ja …“
- „Sagen Sie mal, kann es sein, dass Sie aus Ungarn nach Italien gekommen sind, um zu stöhnen?“
(Ilona Staller aka Cicciolina in einem Interview mit Enzo Biagi - berühmtester Journalist Italiens)
Der Lebenslauf der Ilona Staller, besser bekannt als Cicciolina, ist künstlerisch und menschlich wohl einmalig in der Welt. Nach ihrer Ausreise aus dem kommunistischen Ungarn folgte sie dem Lockruf des Dolce Vita nach Italien und fand dort ein fruchtbares Terrain für ein Leben im Zeichen des Skandals. Neckische Fotos als leichtbekleidete Nymphe wurden zum Sprungbrett für eine steile Karriere, die sie nach und nach zum Radio, zum Fernsehen und zum Erotik- bzw. Pornofilm brachte. Als bislang einzige in der Geschichte der Demokratie hat Ilona Staller es geschafft, vom Pornostar zur Abgeordneten gewählt zu werden und erlangt mit ihrem unerwarteten Sieg entsprechend Weltruhm. Ihre turbulente Ehe mit Jeff Koons, dem sie Ehefrau und Muse war, sicherte ihr schließlich endgültig ihren ikonischen Status in der zeitgenössischen Popkultur. Auf der Basis reichhaltigen Archivmaterials erzählt „La Cicciolina – Göttliche Skandalnudel“ mit Leidenschaft und Ironie vom Phänomen Ilona Staller in seinen vielen Facetten und ordnet es in den politischen Kontext des damaligen Italiens ein. (arte/Alpenway)

 

Bra Wars – Hollywoods Affäre mit dem BH

BRD 2014, 88 Min., dF, digital, R.: Hermann Vaske

„BH und Film haben sich gemeinsam entwickelt – von den frühen Stummfilmen bis hin zum heutigen 3D-Spektakel. Hermann Vaske veranschaulicht in seinem Dokumentarfilm, wie Hollywood und der BH sich gegenseitig pushten. „Bra Wars“ entdeckt die spannenden Wechselwirkungen zwischen der Traumfabrik Hollywoods und dem Kleidungsstück, das das Bild der Frau wohl am nachhaltigsten geprägt hat.“ (Raban Ruddigkeit)

 

Wild Style - Graffiti

USA 1982, 82 Min., OmdU, 35mm, R.: Charlie Ahearn, D.: 'Lee' George Quinones, Sandra Fabara, Andrew Witten, Patti Astor, Carlos Morales

Die Story kreist um eine weiße Journalistin, die eine Reportage über Graffiti-Writer, DJs, Rapper und Breakdancer im legendären New Yorker Dixie Club machen will. Im Mittelpunkt steht das Schicksal von Raymond (Graffiti-Künstler „Lee“ Quinones) und dessen Umgang mit der steigenden Anerkennung seiner eigenen Kunst in Kenner-Kreisen. Der Film wirft grundsätzliche Fragen über die Vermarktung der schwarzen Subkultur durch die weißen Medien auf.

Charlie Ahearn hielt 1982 die noch damals sehr junge HipHop-Kultur in seinen vier ursprünglichsten und wichtigsten Elementen fest und brachte diese so der ganzen Welt nahe. Die (natürlich aus heutiger Sicht) Oldschool-Beats und die entsprechenden Raps versprühen einen umwerfenden nostalgischen Charme und machen Spaß. Gleiches gilt für die die Einlagen von legendären Tänzern wie der Rocksteady Crew oder dem kurzen Gastauftritt von Grandmaster Flash.

„Als kleine, unabhängige Produktion von Regisseur Charlie Ahearn war Wildstyle der erste Film, der die vier Elemente der HipHop-Kultur: Dee-Jaying, MC-ing, B-Boying und Graffiti-Writing miteinander verband und gleichzeitig den Startschuss für globale HipHop-Szenen setze. Längst ist der Film legendär und bis heute in seiner Bedeutung wohl als wichtigster HipHop-Film aller Zeiten anzusehen!“ (OFDb)

 

Filme

Slap Shot

USA 1977, 123 Min., OV, DCP, R: George Roy Hill, D: Paul Newman, Michael Ontkean, Lindsay Crouse

Das unterirdisch schlechte Provinz-Eishockeyteam der „Charleston Chiefs“
hat ein Problem: Es verliert einfach jedes Spiel. Auch Coach Reggie Dunlop, ein ehemaliges Eishockey-Ass, schafft es nicht, der Mannschaft aus dem Keller der Tabelle zu helfen. Der erhoffte Erfolg stellt sich erst ein, als die drei Hanson-Brüder mit ihrem Kampfgeist das Blatt in die Hand nehmen. Mit ihrer brutalen Taktik kämpfen sie sich nach vorne, was den Gegnern natürlich gar nicht gefällt. Vor allem nicht dem ebenbürtigen Gegner aus Syracuse, ein erbarmungsloser Schlägertrupp.
Doch wie sich schon bald herausstellt, scheint das nicht das größte Problem der „Charleston Chiefs“ zu sein.

Nicht umsonst schafft es dieser Meilenstein des Eishockeyfilms auf Platz
1 von Maxims 100 besten Filmen für Kerle, die je gedreht wurden. „Slap Shot“ hat einfach alles: Sport, Bier, Humor, Gewalt, Männerfreundschaften und für die Handlung nicht unbedingt notwendige nackte Tatsachen, aber auch durchaus noch mehr …

„Hills Film demonstriert sehr schön, dass hehre Grundsätze von Fair Play nur allzu gern über Bord geworfen werden, wenn sie dem Erfolg im Wege stehen. Diese Kritik zielt längst nicht nur auf Sport und Entertainment ab, denn diese sind auch nur Ausdruck einer kapitalistischen Philosophie. (…) Ich liebe diesen Film und entdecke immer noch etwas Neues, obwohl ich ihn nun schon seit 25 Jahren kenne.“ (Oliver Nöding, Remember It for Later)

 

SPECIAL ZU "ZEIGEN WAS MAN LIEBT":

Die Kapitulation (Kurzfilm)

BRD 1967, 10 Min., s/w, 35mm, R: Martin Müller, D: Klaus Lemke, Katja Borsche und Marran Gosov

Lemke sagte einmal voller Attitüde: „Im Leben geht es eigentlich nur darum, wie lässig man am Abgrund steht, in den man unweigerlich stürzen wird.“ - Martin Müller inszeniert Lemke. Hier die Heirat als Abgrund; die Schlacht, welche ein Mann wohl nie gewinnen kann. In verzweifelt heroischer Pose unterschreibt er mit Verve sein Urteil ...
„Einer meiner absoluten Schwabinger Lieblingsfilme!“ – Bernhard Marsch

Henker Tom (Kurzfilm)

D 1966, 10 Min., dt. OV, 35mm, R.: Klaus Lemke, D.: Werner Enke

Ach, wär' das Leben doch so unbeschwert wie in einem Werbefilm. Morgens mit einem Lächeln im Gesicht aufwachen, dynamisch durch den Tag spurten und am Abend glücklich ins traute Familiennest zurückkehren. In Klaus Lemkes „Henker Tom“ versucht ein junger Mann genau das: Er will das Glücklichsein eines Werbefilms leben, streift mit seinem Mädchen durch das München der 60er-Jahre, geht raus ins Grüne, vertreibt sich die Zeit mit rasanten Autofahrten. Am Ende steht freilich die Erkenntnis, dass die Wirklichkeit schlicht nicht zum Werbefilm taugt.
„Henker Tom“ ist Klaus Lemkes zweiter Kurzfilm. Der Regisseur drehte meist mit Laiendarstellern, gerne auch im bayerischen Dialekt. Sein Credo: kein Geld vom Staat, keine Schauspieler, kein Drehbuch.

48 Stunden bis Acapulco

D 1967, 81 Min., dt. OV, 35mm, R.: Klaus Lemke, D.: Dieter Geissler, Christiane Krüger, Monika Zinnenberg

Frank Murnau träumt von einem unbeschwerten Leben, das ihm die Heirat mit der reichen Fabrikantentochter Laura Gruner ermöglichen könnte. Doch Frank will mehr. Mit seiner Geliebten Monika schmiedet er einen Plan und setzt sich nach Acapulco ab, um sein Wissen über die dunklen Geschäfte seines designierten Schwiegervaters Gruner zu Geld zu machen.
In Mexiko angekommen, stößt der mehrgleisig fahrende junge Mann allerdings schnell an seine Grenzen, da er sich im Vorfeld nicht ausmalen konnte, mit welchen Leuten er sich anlegt. Innerhalb von 48 Stunden wird sich sein Schicksal, und das einiger Anderer, entscheiden ...

Klaus Lemke lieferte mit seinem subtilen Thriller „48 Stunden bis Acapulco“ ein bemerkenswertes Spielfilmdebüt ab. Der Verlauf wird dabei in auffälliger Weise von eingängiger Musik, exzellenten Bildern und außergewöhnlichen Typen getragen. Die Geschichte orientiert sich offensichtlich an amerikanischen Vorbildern, ohne sich jedoch dabei als lose Kopie abzuqualifizieren. (…)

Klaus Lemke ebnet einen Weg bei dem es von vorne herein eigentlich außer Frage steht, dass groß angelegte Überraschungen auftauchen könnten. Die Geradlinigkeit der Geschichte offenbart eine Effizienz, bei der es den Anschein hat, dass sie von vorne herein en détail geplant gewesen sein wird. Somit ist ein sehr schönes und noch viel mehr aussagekräftiges Exemplar des Jungen Deutschen Films entstanden, das viele Stärken ohne halsbrecherische Kapriolen zu bieten hat und mit einer beinahe genialen Einfachheit auftrumpfen möchte. Die These, dass man Ideen auch ohne ein Mammut-Budget in eine besondere Gestalt bringen kann, wird von Klaus Lemke mit „48 Stunden bis Acapulco“ in eindrucksvoller Manier belegt.
Ein edles Sehvergnügen! (Prisma/Dirty-Pictures.de)

SPECIAL ZU "ZEIGEN WAS MAN LIEBT":

Detektive – Ihr erster Fall war eine Frau

BRD 1969, 91 Min, dF, 35mm, R.: Rudolf Thome, D.: Ulli Lommel, Marquard Bohm, Uschi Obermeier, Iris Berben, Elke Haltaufderheide

„Sie nennen sich Detektive. Sie sind charmant, zäh und rücksichtslos. Sie arbeiten für Geld, doch ihren Auftraggeberinnen erfüllen sie auch ohne Bezahlung jeden Wunsch. Jeden!
Detektive: Sie sind hart im Nehmen, und zärtlich im Geben! Wenn ihre Fäuste versagen, versuchen sie’s mit Liebe.“ (Text aus dem Originaltrailer)
Andy und Sebastian träumen vom schnellen Geld. Mit Spaß beschafft. Und als selbst ernannte Detektive in München sollte sich das schon irgendwie anstellen lassen. Als die beiden jungen Schnüffler ihren ersten Auftrag erhalten und die bildhübsche Annabella vor ihrem aufdringlichen Liebhaber erfolgreich beschützen können, scheint ihr Plan aufzugehen. Doch schon der nächste Fall wendet das Blatt und aus Kollegen werden schnell Kontrahenten. Dass der Grund hierfür das Spiel ihres Auftraggebers sein soll, können beide zunächst nicht erahnen …
Gespickt mit Action und Erotik porträtiert Rudolf Thome in seinem ersten Langfilm – in welchem zudem Uschi Obermeier debütierte – das Ende der 60er Jahre und vermittelt dabei das einzigartige Feeling jener Zeit, einer Zeit des Aufbruchs.

 

SPECIAL ZU "ZEIGEN WAS MAN LIEBT"

Der lange Marsch (Kurzfilm)

D 1970, 10 Min., dt. OV, 35mm, R: Marran Gosov, D: Dieter Augustin, Helmut Hanke, Marran Gosov

Lebenskünstler Gustl lebt auf der Straße. Er borgt sich beim Kostümverleih eine Wachtmeisteruniform aus, um Parksünder abzukassieren, mit Folgen.

Die Liebes-Abenteuer eines Schwerenöters

BRD 1968, 88 Min.

G. ist ein Schürzenäger, wie er im Buche steht: Wo er geht und steht, er lässt keine Gelegenheit zu flirten aus. Seine unverschämte Unbeirrbarkeit führt bei der Damenwelt auch meist zum Erfolg. Doch seinem spießigen Bruder ist G.s Leichtlebigkeit schon lange ein Dorn im Auge: Um dem als „rufschädigend“ empfundenen Lotterleben ein Ende zu bereiten, müsste er ihn verheiraten und lässt nichts unversucht, den lüsternen Bruder mit seiner jüngsten Errungenschaft festzunageln. Leichter gesagt als getan ...

SPECIAL ZU "ZEIGEN WAS MAN LIEBT":

Häschen in der Grube

BRD/Italien 1969, 94 Min., 35mm, R.: Roger Fritz, D.: Helga Anders, Françoise Prévost, Anthony Steel, Ray Lovelock

„Eines Engagements wegen reist der Stardirigent Maurice Pouliard mit seiner Geliebten Francine und deren Tochter Leslie zum Klassik-Festival von Spoleto. Schon auf dem Weg kommt es zu Spannungen: Maurice nötigt Leslie immer wieder, was Francine schweigend hinnimmt – aus Angst, Maurice zu verlieren. In Spoleto trifft Leslie auf eine Gruppe von Hippies und verliebt sich in den gleichaltrigen Brian. Maurice setzt alles daran, das Mädchen wieder unter seine Kontrolle zu bringen ...
„Erst zögerlich, dann erleichtert verliert die junge Helga Anders im Dämmerlicht der umbrischen Abendsonne ihre Unschuld an Ray Lovelock, irgendwo in den Hügeln vor Spoleto, in Roger Fritz' elegischer Coming-of-Age-Ballade „Häschen in der Grube“ (1969). Umbrien ist hier ein Sehnsuchtsort, der ein anderes Leben verspricht, zumindest im Augenblick des Abschieds. So groß und so greifbar ist diese Utopie, dass ihr Inneres unweigerlich schon von der Melancholie des Flüchtigen gezeichnet sein muss. (...) Ein bittersüßer Sommerfilm zwischen erregter Neugierde und Spasmen von Weltschmerz, hier und da einen Hauch von Pietrangeli und Antonioni versprühend.“ (Christoph Draxtra, eskalierende-traeume.de)

IN ANWESENHEIT DER REGISSEURE:

Zeigen was man liebt

BRD 2016, 129 Min., dt. OV, digital, R.: Frank Göhre, Borwin Richter, Torsten Stegmann

„Die deutsche Filmgeschichte ist eine vieler Missverständnisse. Etwa, dass der deutsche Film dröge sei. Dass es ihm an Sinnlichkeit mangele. Und dass Genreunterhaltung nicht so sein Ding sei. Das mag stimmen für einige Filme - aber für viele eben auch nicht. Ein weiteres Missverständnis besagt, dass die alten deutschen Filme noch viel schlimmer seien als die aktuellen. Diesen Irrtümern liegt zugrunde, dass die „alten“ Filme, die Unterhaltung und Anspruch, Lockerheit und Leidenschaft, Energie und Lust verbinden, heute kaum mehr zu sehen sind. Was es auf DVD nicht gibt, was im Fernsehen nicht läuft, gerät in Vergessenheit. Doch es gibt Abhilfe: Nach Dominik Grafs „Verfluchte Liebe Deutscher Film“, der die Genrevariationen des Neuen Deutschen Films durchdeklinierte, blicken Frank Göhre, Borwin Richter, Torsten Stegmann nun mit ihrem Dokumentarfilm „Zeigen was man liebt“ dezidiert auf die Münchner Filmszene Ende der 1960er Jahre: Da, wo Klaus Lemke und Rudolf Thome herkamen, wo May Spils und Werner Enke Erfolge feierten. (…)
Viele dieser Filme sind gar nicht mehr verfügbar heute. Das ist umso bedauerlicher, wenn man hier in Filmausschnitten eine Kraft und Energie spürt, die so gar nicht das ist, was man von einem deutschen Film der 1960er Jahre erwartet. Und ganz nebenbei hat man bei diesem Film auch das heimelige Gefühl eines Klassentreffens, bei dem sich alte Freunde wiederbegegnen, die, die damals auf den Putz hauten und sich dann auseinanderentwickelt haben. Auch wenn Thome nur aus dem Archiv zu uns spricht. Und Lemke seine Rotzigkeit beim Interview in einer Tiefgarage auslebt.“
(Harald Mühlbeyer, www.kino-zeit.de)

„Es ist ein eher unbekanntes Kapitel des deutschen Films, das in dem enorm kurzweiligen Dokumentarfilm „Zeigen was man liebt“ aufgeblättert wird. Sozusagen standesgemäß ist er ganz ohne Förderung oder Fernsehbeteiligung entstanden, einfach, weil die Macher Lust auf ihn hatten und die Zeit reif war. Ein Film, der nicht nur gute Laune, sondern auch Lust auf das Sprengen von allerlei inneren Ketten macht. (…) „Zeigen was man liebt“ ist mehr als ein Film der guten Laune, ist weit mehr als eine filmhistorische Exkursion. Er ist und zeigt trotzige, lässige Selbstbehauptung, lacht der Welt ins Gesicht, ist Herzblut pur in hoher Dosis. Nach diesem Film fühlt man sich – egal, wie alt man ist – für eine ziemliche Weile ziemlich verdammt jung. Und lässig. Und cool.“ (Alf Mayer, www.culturmag.de)

Zu dieser sehenswerten Doku präsentiert das KommKino vom 5.-13.5. ein umfangreiches Programm mit seltenen alten Originalstreifen.

 

SPECIAL ZU "ZEIGEN WAS MAN LIEBT":

Frühstück in Rom

D 1965, 17 Min., dF, 35mm, R.: Max Zihlmann, D.: Ingrid Caven, Lutz Bajohr, Eckhardt Schmidt, Klaus Lemke

Drum prüfe, wer sich ewig bindet: In Frühstück in Rom trifft sich ein Münchner Filmkritiker mit seiner Freundin und schlägt vor, zu heiraten. Eine schwierige Entscheidung, die reiflich überlegt sein will. So wägen die beiden an verschiedenen Orten die Vor- und Nachteile des Ehelebens ab und beschließen am Ende ... eben, unverheiratet zu bleiben.
Mit Frühstück in Rom wandelt Regisseur Max Zihlmann auf den Spuren der Nouvelle Vague. Neben flapsigen Sprüchen über die Ehe und Diskussionen über Filmkritik fesselt er den Zuschauer mit herrlichen Aufnahmen des 60-Jahre-Münchens – inklusive seiner lebendigen Cafés, Kinos und Kneipen.

Rote Sonne

D 1970, 87 Min., dt. OV, 35mm, R: Rudolf Thome, D: Marquard Bohm, Uschi Obermaier, Sylvie Kekulé

Thomas trampt von Hamburg nach München. Dort trifft er im Nachtclub seine Ex-Freundin Peggy. Thomas hat noch kein Bett für die Nacht, und Peggy findet Thomas noch immer sympathisch. So nimmt sie ihn nach Feierabend - die Sonne geht gerade auf - mit nach Hause. Die Mitbewohnerinnen ihrer aus vier Frauen bestehenden Wohngemeinschaft sind jedoch nicht erfreut, als sie merken, dass Thomas sich bei Peggy einnistet. Denn die vier haben eine mörderische Vereinbarung.
Ein unsterblicher Kultklassiker des Neuen deutschen Films. Jetzt endlich wieder im Kino zu sehen!

 

Überraschungstrash

Da es sich um einen Überraschungsfilm handelt, soll an dieser Stelle nicht allzu viel von der Handlung preisgegeben werden. Ohnehin besteht weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit, einen erkennbaren Handlungsverlauf zu beschreiben. Ein roter Faden, der sich durch die nicht immer wahllose Aneinanderreihung verschiedener blödsinniger Sketche zieht, ist dennoch auf jeden Fall vorhanden. Wahrscheinlich ist aber ein Knoten drin. Dieser Film wartet auf mit dämlichen Witzen, politischer Unkorrektheit und unsagbarem Klamauk. Schauspieler, die heute als hochkarätige Stars gehandelt werden, schienen sich in den 80ern für nichts zu Schade gewesen zu sein, um an den ein oder anderen Dollar zu kommen. Wer nicht auf Blödsinn steht, sollte zu Hause bleiben.

Der Rest: unbedingt verzaubern lassen!

 

Filme

Achterbahn

OT: Rollercoaster, USA 1977, 118 Min., dF, 35 mm, R.: James Goldstone, D.: George Segal, Richard Widmark, Timothy Bottoms, Henry Fonda

„Ein Bombenleger sorgt für Angst und Schrecken in Amerikas Vergnügungsparks. Seine Vorliebe gilt Achterbahnen, in welchen er kleine Sprengsätze versteckt, die die Wagen zur Entgleisung bringen. Als Gegenspieler erwählt er sich den Sicherheitsinspektor Harry Caulder, der für ihn den Geldboten spielt, ihn jedoch nicht stoppen kann und darüber hinaus auch noch Probleme mit dem ermittelnden FBI-Agenten hat. Auch bei der Neueröffnung einer besonders wilden Achterbahn will der Saboteur wieder zuschlagen und Harry hat in dem bunten Trubel alle Hände voll zu tun ...“ (www.ofdb.de)

Ein ganz auf Hochspannung getrimmter US-amerikanischer Sensationsstreifen, der den damals populären Katastrophenfilm mit Thriller-Elementen mischt. Die „New York Times“ verglich das Resultat gar mit Alfred Hitchcock. „Ein herrlicher Nervenzerrer, den ich liebe, seit ich ihn in meiner Kindheit im Fernsehen sah und man mich noch Monate später nicht in eine Achterbahn gekriegt hat. Heute gefällt mir sein sarkastischer Humor am besten, den es in dieser Form im heutigen Kino nicht mehr gibt. Ach, die 70er…“ (www.retro-film.info) „Dank starker Kamera, Lalo Schifrins Kompositionen und munteren Akteuren auch heute noch großes Kino.“ (www.handlemedown.de)

 

Der Rasenmäher-Mann

The Lawnmower Man, USA 1992, 107 Min., dF, digital, R.: Brett Leonard, D.: Pierce Brosnan, Jeff Fahey, Jenny Wright, Austin O'Brien

Der perfekte Soldat! Das ist das Ziel, das der Wissenschaftler Dr. Lawrence Angelo manisch verfolgt. Mit dem Segen der Regierung schreckt er dabei auch nicht vor dem Einsatz von Drogen und einer brandneuen Innovation zurück: Virtual Reality! Doch wie wir spätestens seit unseren „versehentlichen“ Ausflügen ins Darknet wissen, hat der digitale Firlefanz durchaus seine Tücken. Dr. Angelos Gärtner Jobe Smith kann ein Lied davon singen: Zwar verbessern sich seine geistigen Fähigkeiten durch Dr. Angelos Behandlung rasant, doch steigt seine Mordlust mindestens genauso schnell. Das Experiment gerät außer Kontrolle ...
Zugegeben: 25 Jahre nach Erscheinen wirken die computergenerierten Sequenzen in Brett Leonards „Der Rasenmähermann“ ein wenig lächerlich und wenig würdevoll gealtert. Die Kernthemen des Sci-Fi-Horrorfilms sind hingegen aktueller denn je: Wird die Künstliche Intelligenz über das menschliche Hirnkastl siegen? Verschmelzen Mensch und Maschine zu perfekt optimierten Androiden? Antworten auf die drängenden Fragen der Menschheit gibt's im KommKino – vielleicht ...

 

Evil Dead – Special zur Aufhebung des jahrzehntelangen Verbots

Tanz der Teufel

USA 1981, 88 Min., dF, digital, R: Sam Raimi, D: Bruce Campbell, Ellen Sandweiss, Richard DeManincor

Was für eine fabelhafte Idee: Um ein paar Tage auszuspannen, fährt Ash mit seinen Freunden in eine abgelegene Waldhütte in Tennessee. Im Keller finden sie beim Stöbern ein mysteriöses, verstaubtes Buch und ein altes Tonbandgerät mit Beschwörungsformeln. Es kommt, wies kommen muss, nichts ahnend erwecken die Jugendlichen böse Kräfte und müssen sich fortan unter anderem mit besitzergreifenden Dämonen und lüsternen Bäumen herumschlagen.
Nachdem der Film mehreren Jahrzehnte in Deutschland auf dem Index stand und sogar für Erwachsene strengstens verboten war, gab es dieses Jahr endlich die langerwartete Aufhebung von Indizierung und Beschlagnahme. Aus diesem Anlass zeigen wir euch den Kultschocker in ungekürzter Fassung auf großer Leinwand.
Im Anschluss zeigen wir die Fortsetzung!

 

Evil Dead – Special zur Aufhebung des jahrzehntelangen Verbots

Tanz der Teufel 2

Evil Dead II, USA 1987, 84 Min., dF, digital, R: Sam Raimi, D: Bruce Campbell, Sarah Berry, Dan Hicks

Nahezu nahtlos führt der zweite Teil der „Evil Dead“-Trilogie die Handlung des ersten Films fort. Ash, der sich gerade von Teilen seiner Freundin Linda trennen musste, erwacht im Wald und sieht sich nach kurzer Pause erneut dämonischen Kräften gegenüber, die ihm und einigen neuen Mitstreitern den Tag gehörig versauen wollen.

„Die handwerklich routinierte Anhäufung von drastischen Szenen des Horrorfilms, einer Vielzahl von einschlägigen Zitaten und Anflügen makabren Humors kostet Zuschauerängste genüßlich aus und spielt nekrophil und süffisant mit Unappetitlichkeiten und Schreckmomenten.“ (Lexikon des internationalen Films)

 

Filme

Evil Dead – Special zur Aufhebung des jahrzehntelangen Verbots

Evil Dead

USA 2013, 91 Min, dF., digital, R: Fede Alvarez, D: Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou Taylor Pucci

Ein paar Tage in der absoluten Abgeschiedenheit einer Waldhütte ohne jeglichen Zugang zu Alkohol, das soll das bewährte Mittel für die gebeutelte Mia sein, die sich nach dem langsamen Tod ihrer Mutter in den Suff geflüchtet hatte. Ihr Bruder David hat drei gute Freunde um Mia versammelt: Olivia, Eric und Nathalie, die helfen sollen, die Zeit und den Entzug nicht zu lang werden zu lassen. Was sie jedoch nicht wissen, ist, dass die Hütte vor kurzem von einem Professor benutzt wurde, der dort das sogenannte „Buch der Toten“, das in Menschenhaut gebundene „Necronomicon“ untersucht hat und spurlos verschwunden ist. Doch das Buch ist noch dort und als Eric einige der mit Blut geschriebenen Passagen übersetzt, befreit er die Dämonen, die sich der jungen Leute nach und nach bemächtigen. (ofdb.de)

„Das Remake von „Evil Dead“ stieß unter Fans anfänglich auf Skepsis. Doch der Regiedebütant Fede Alvarez hat den Horror-Kultfilm kongenial modernisiert. […] „Evil Dead“ erfüllt mit seinen realistischen Gewalttätigkeiten alle Anforderungen des modernen Horrorfilms […]“ (Die Zeit)
Erstmals in der fast fünf Minuten längeren Unrated-Fassung im Kino zu sehen!

 

Evil Dead – Special zur Aufhebung des jahrzehntelangen Verbots

Armee der Finsternis

Army of Darkness, USA 1992, 85 Min., dF, R: Sam Raimi, D: Bruce Campbell, Embeth Davidtz, Marcus Gilbert

Ash ist zurück! Diesmal verschlägt es ihn mittels eines Zeittunnels ins Mittelalter, wo er prompt wieder auf Dämonen trifft. Geübt wie er ist, kann er sich quasi mit links verteidigen und wird daraufhin als Auserwählter erkannt, der das Land von den umherstreifenden Untoten befreien soll.
Der dritte Teil kommt weitaus humorvoller und weniger gewalttätig daher, büßt aber dennoch nichts von seinem kultigen Charakter ein.
„Mit bemerkenswerter Tricktechnik gedreht, findet der Film zwar keine Distanz zu seinem paranoiden Helden, steigert sich aber durch die comic-artige Inszenierung fast zu einer surrealen Komödie voll von makabrem Humor.“ (Lexikon des internationalen Films)

 

The Dark Half

USA 1993, 121 Min, OV, 35mm, R.: George A. Romero, D.: Timothy Hutton, Amy Madigan, Michael Rooker, Chelsea Field

Thad Beaumont ist ein Autor, dessen Unterbewusstsein ein mörderisches Alter Ego erschafft, George Stark, unter dessen Pseudonym Beaumont schreibt. Doch als er sich von seiner dunklen Hälfte trennen will, stellt er fest, dass diese sich nicht so einfach abschütteln lässt …

The Dark Half ist ein Horrorfilm, den George A. Romero nach einer Vorlage von Stephen King inszenierte und dabei auch als Drehbuchautor fungierte. An diesem Film fasziniert insbesondere nicht nur, dass das Unheimliche zum ersten Mal seit Shining von Stanley Kubrick von der ersten bis zur letzten Minute im Film präsent ist, sondern dass er die „Dr. Jeckyll und Mr. Hyde“-Geschichte so variiert, dass sie einen interessanten und sehr düsteren Kommentar zum kreativen Prozess eines Autors darstellt. Ein alptraumhaft-guter Film!

 

Zelluloid Sneak

„Sky is the limit“, heißt es bei unserem regelmäßigen Sneak Preview „Zelluloid Sneak“. Zu sehen bekommt Ihr einen Überraschungsfilm: Echte Gefühle. Echtes Kino. 35mm. 16mm. Ein Abend, an dem alles passieren kann – im Guten wie im Bösen. Selbst der Filmvorführer lässt sich überraschen!
Was hier gezeigt wird, läuft vielleicht nie wieder in einem Lichtspielhaus dieser Welt, ist quasi unwiederbringlich verloren.

Für Filmrisse und Essiggeruch kommen Sie vorbei oder schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.