Filme

Pankow '95

Bundesrepublik Deutschland 1983, 83 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Gábor Altorjay, Darsteller: Udo Kier, Dieter Thomas Heck, Nina Hagen

Ost-Berlin, 1995. Der Musikwissenschaftler Zart ist wegen seiner jüngsten Arbeit in eine Nervenklinik eingeliefert worden. Chefarzt Dr. Frisch behandelt hier die staatspolitischen Fälle von Psychotikern. Zarts Isolation endet, als ein mutiertes Retorten-Kind in seine Zelle verlegt wird. Gemeinsam entführen sie den Chefarzt, die Heilige Jungfrau Maria hilft ihnen dabei.

1983, im Entstehungsjahr von „Pankow ’95“, war noch lange nicht absehbar, dass die Berliner Mauer schon in wenigen Jahren fallen würde. So zeichnet der Film auch ein düsteres Zukunfts-Szenario für die beiden deutschen Staaten: Die BRD ein Armenhaus, die DDR ein Irrenhaus. Auf Filmfestivals im Ausland wurde „Pankow ’95“ gefeiert. „Ekliges Hirngespinst“ und „abstoßend arrogant“ lauteten dagegen die weniger wohlmeinenden Kritiken. Der aus der Fluxus-Szene kommende Regisseur Altorjay inszenierte einen Reigen absurder Bilder und satirischer Szenen mit einem reichlich abgefahrenen Schauspieler-Ensemble, darunter Ex-Hitparaden-Moderator Dieter-Thomas Heck. „Pankow ’95“ ist äußerst selten gezeigte, experimentelle 80er-Jahre-Filmkunst - die aufgrund der teilweisen Überstilisierung übrigens auch den einen oder anderen Schmunzler wert ist.

 

Stille Nacht, Horror-Nacht

Originaltitel: Silent Night, Deadly Night, USA 1984, 82 Min., deutsche Fassung, digital, Regie: Charles E. Sellier Jr., Darsteller: Lilyan Chauvin, Gilmer McCormick, Toni Nero

„Im zarten Alter von acht Jahren musste der kleine Billy mit ansehen, wie ein als Weihnachtmann kostümierter Psychopath seine Eltern ermordete. Der Vorfall hinterlässt ein schweres Trauma und Billy hegt seitdem tiefe Abneigungen gegen den Feiertag und vor allem gegen Weihnachtsmänner. 13 Jahre später soll der mittlerweile erwachsene Billy in einem Spielwarengeschäft ausgerechnet als Weihnachtsmann aushelfen. Seine verdrängten Kindheitserinnerungen kommen wieder hoch und er tauscht die Rute gegen ein scharfes Beil …“ (filmstarts.de)

Der blutige Horrorstreifen sorgte in den 80ern für große Kontroversen und wurde nach kürzester Zeit aus den Kinosälen verbannt.

 

Im Himmel ist die Hölle los

Deutschland 1984, 82 Min., deutsche Originalfassung, 35mm, Regie: Helmer von Lützelburg, Darsteller: Billie Zöckler, Dirk Bach, Barbara Valentin

„Willi Wunder ist ein umjubelter TV-Star. Als er für eine Live-Show nach Käseburg kommt und im dortigen Hotel „Himmel“ absteigt, sieht Mimi Schrillmann die große Chance, ihrem Angebeteten endlich einmal persönlich zu begegnen. Die Möglichkeit, Willi noch näher als gedacht zu kommen, ergibt sich, als dessen Assistentin Beate einen Unfall hat. Doch auch Elke, die Tochter von Mimis Nachbarn, hat es auf Willi abgesehen ...“ (prisma.de)

„Gemeinsam mit Markus Klug, der auch die Musik geschrieben hat, bastelte der Regisseur eine haarsträubende Kitschgeschichte zusammen, die er so schrill und deftig, so plusternd und voller Lebenslust intoniert, dass man, wenn man derlei blühenden Blödsinn mag, seine helle Freude hat.“ (Heiko R. Blum)

Eine irre Satire aufs Fernsehen mit grotesk überzeichneten Typen, deftigen Dialogen, herrlich überladener Ausstattung und rotzfrechen Songs.

„Müssen müssen müssen müssen Tränen sein? ... Nein nein ... nein nein!“

 

Open Season - Jagdzeit

Originaltitel: Open Season, USA 1974, 99 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Peter Collinson, Darsteller: Peter Fonda, Richard Lynch, John Phillip Law

Zum bedauerlichen Tod von Peter Fonda („Easy Rider“) im August dieses Jahres zeigen wir ihn in einer seiner besten Rollen. Der packend-provokante 70er-Reißer „Open Season“ hat unter Fans einen gewissen Kultstatus, ist aber beim breiten Publikum weitgehend in Vergessenheit geraten. Digital ist der auf dem umstrittenen Bestseller-Roman von David D. Osborn basierende Film in Deutschland nur in miserabler Qualität erhältlich.

„Jeden Sommer zur Jagdzeit (Open Season) das gleiche Spiel: Drei junge wohlhabende Amerikaner, ehemalige Vietnamsoldaten, betreiben zum Spaß eine zynische Hetzjagd auf wehrlose Menschen, meistens Pärchen, die sie auf dem Weg zur Jagd in ihre Gewalt bringen und in die extrem abgelegene Wildnis zu einer komfortabel ausgestatteten Jagdhütte verschleppen. Und das alles sehr höflich, ohne brutale Gewaltanwendung. Während der Mann zur Hausarbeit gezwungen wird, vergnügen sich die drei mit der Frau. Nach Psychoterror, sexueller Nötigung der Frau, groben und derben Späßen sowie unzähligen Demütigungen, werden die Verschleppten mit einem kleinen zeitlichen Vorsprung in die Wildnis entlassen - mit dem Ziel sie zu jagen und zu töten wie Tiere. Doch diesmal kommt alles etwas anders ...“ (www.ofdb.de)

„Peter Fonda, John Phillip Law und Richard Lynch geben ein soziopathisches Trio Infernale und verstehen es meisterhaft die Atmosphäre Szene um Szene bösartiger und unberechenbarer werden zu lassen. Und die Jagd, die sich lediglich über das letzte Filmdrittel zieht, mag relativ kurz sein, aber dafür ist sie packend, intensiv und unerbittlich. Umsonst hat die „Open Season“ sicherlich nicht das zeitweise Verbot in zwei skandinavischen Ländern ereilt - wobei der ausschlaggebende Grund nicht der Goreexzess, sondern die psychologische Härte gewesen sein dürfte. Fürs Auge bietet der Film auch etwas; in Gestalt der prächtig-perfiden Bilder von Kameraprofessional Fernando Arribas, der zuvor nicht nur edle Ercoli-Gialli, sondern auch ein paar Eurohorrorperlen wie „The Blood Splattered Bride“ und Jorge Graus exzellente Bathory-Verfilmung „Ceremonia Sangrienta“ fotografiert hat. Der Score von Ruggero Cini spielt neben genreüblichen Bluegrass und psychedelischen Sounds auch die eine oder andere gutgelaunte Camperhymne, was dann den zynischen Unterton des Ganzen ins Bulleye trifft.

FAZIT: „Run, Rabbit, Run!“ - Zynische Menschenjagd zwischen „Beim Sterben ist jeder der Erste“, „Last House on the Left“ und „Hitch-Hike“ mit dem Zeug zum Genreklassiker.“ (Christian Ade, www.filmtipps.at)

 

Black Christmas

USA/Kanada 2006, 84 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Glen Morgan, Darsteller: Katie Cassidy, Michelle Trachtenberg, Kristen Cloke

„Es ist Weihnachtsabend und während draußen ein Schneesturm wütet, sitzen die verbliebenen Mitglieder einer weiblichen Studentenverbindung samt ihrer Hausmutter vor Weihnachtsbaum und Geschenken. Doch eins der Geschenke ist für keinen von ihnen, sondern gemäß einem alten Brauch für einen Mörder. Denn vor langer Zeit war dieses Haus das Heim des Psychopathen Billy, der von seiner Mutter auf den Dachboden gesperrt wurde, nachdem diese seinen Vater erschlagen hatte. Nachdem ein Kind mit einem neuen Liebhaber nicht zustande kam, nahm die Mutter die Sache mittels Billy in eigene Hände und so wurde der Junge Bruder und Vater einer Tochter zugleich. Bis sich eines Tages die Situation in einem Gewaltakt am Weihnachtsabend entlud. Bis zum heutigen Tag wähnt man Billy in der psychiatrischen Klinik, doch was ihm in den übrigen Jahren verwehrt blieb, gelingt in diesem Jahr: Billy macht sich auf den Weg nach Hause. Doch das ist nicht das einzige Problem, denn ein weiterer Killer meuchelt sich brachial durch das abgelegene Gebäude ...“ (ofdb.de)

Passend zum nun kommenden Blumhouse-Remake des Originals zeigen wir die 2006-Version erneut auf der großen Leinwand. Entstanden im Zuge der Slasher-Remake Welle der frühen 2000er wirkt Glen Morgan’s zweite Regiearbeit dank des reißerischen Trailers wie ein typisches, schnell produziertes Remake. Jedoch schuf der Regisseur eine komplett eigene, vom Original losgelöste Geschichte. Vor allem die für neuere Slasherfilme untypische warme, kräftige ja schon fast giallohafte Farbgebung heben den Film deutlich von der Masse der Remakes hervor und schafft eine dichte, intensive Atmosphäre, welche der sonst so wohligen Weihnachtsstimmung eine bitterböse neue Note verleiht.

 

Antons Archiv

35mm

Anton mag Filme. Und jeder der ihn kennt, weiß das. Daher kommt es häufiger vor, dass jemand ihn fragt: „Hey Anton, du magst doch Filme. Also diese alten, noch so richtig auf Rollen und so? Ich hab da was für dich.“ Und so kommt es, dass Anton nun ein kleines Archiv hat. Voller analoger Filmrollen vergangener Jahrzehnte. Jetzt muss er die nur noch sichten. Auch einfach, um zu sehen, was drauf ist. Und jeder, der kommt, darf mit schauen. Unter Umständen gibt es sogar ein paar Schätze zu entdecken ... Wahrscheinlich aber nicht.

Eintritt frei!

Bag Attack

Deutschland 2019, 60 Min., deutsche Fassung, digital, Regie: Simon Begemann, Darsteller: Julia Gruber, Peter Kotthaus, Mario Neumann, Ralf Legat, David Riedel, Joachim Zons

Tüten können Leben retten – vorausgesetzt, man zieht sie sich über den Lümmel. Anders sieht die Sache aus, wenn die Plastiktasche aus einem geheimen Labor tief unter der Erde stammt. In Simon Begemanns Trash-Horrorkomödie „Bag Attack“ sorgen irre Wissenschaftler dafür, dass die praktischen, aber umweltschädlichen Sackerl lebendig werden und sich fortan grausam am Homo Sapiens rächen – wofür auch immer. Jedenfalls kann so eine Tüte mächtig einfallsreich sein, wenn es darum geht, den einen oder anderen Menschen ins Jenseits zu befördern ...

„Bag Attack“ ist der neueste Streich des Nürnberger Filmemachers Simon Begemann. Unterhaltsamer Trash aus der Region.

Regisseur Simon Begemann wird persönlich anwesend sein.

Auge um Auge

Originaltitel: Oeil pour oeil, Frankreic/Italien 1957, 101 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: André Cayatte, Darsteller: Curd Jürgens, Folco Lulli, Lea Padovani

„André Cayatte, Jurist, Regisseur und Spezialist in Gewissensfragen („Schwurgericht”, „Wir sind alle Mörder“), benutzte einen armenischen Roman als Vorlage zu diesem angenehm schaurigen Rachedrama, in dem ein vierschrötiger Armenier einen europäischen Chirurgen - den er am Tode seiner Frau schuldig wähnt - in die syrische Wüste lockt, um ihn dort einem qualvollen Erschöpfungstod preiszugeben.

Die beiden Kontrahenten gehen in der zerborstenen Wüstenlandschaft, während Bart und Durst wachsen, in mühseliger Kleinarbeit übertrieben langsam aneinander zugrunde.“ (Der Spiegel)

„Ein erstaunlicher Film von André Cayatte, der seine juristische Thematik und Technik aufgab, um ein krasses Modell gnadenloser Rachsucht zu zeigen. [...] Was dieses Musterbeispiel der Rachsucht über die erschreckende Psychologie hinaus unheimlich fesselnd macht, ist die meisterlich gehandhabte Wortkargheit des Drehbuchs: Nur Allernötigstes wird zur kurzen Mitteilung, der eigentliche Vollzug des Geschehens geschieht im Bilde.“ (Filmdienst)

 

Blutgericht

Originaltitel: La rivolta dei sette, Italien 1964, 88 Min., deutsche Fassung, Regie: Alberto De Martino, Darsteller: Tony Russel, Nando Gazzolo, Livio Lorenzon, Helga Liné, Paola Pitti

Eine Gruppe von Rebellen macht sich auf, die Schreckensherrschaft des Tyrannen von Sparta zu brechen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Statue der Pallas Athene, die als eine Art Unterpfand für die Herrscht fungiert. Sie wird geraubt, versteckt, gesucht, wieder entwendet, ausgeliefert und zurückerobert.

Doch die Handlung ist nur der ein Ausgangspunkt für ein buntes Spektakel, das in Technicolor und Techniscope den Wurzeln des Kinos in der Jahrmarktsattraktion huldigt, ein turbulentes Kräftemessen entfacht und einen Abenteuerspielplatz eröffnet, in dem sich gut geölte Muskelmänner austoben und die Freude am inneren Kind entdecken dürfen. Der vielseitig talentierte Alberto De Martino würzt das muntere Treiben mit opulenten Tempelfesten, einer fahrenden Komikertruppe und kleinen schelmischen Einfällen, mithilfe derer sich ein vergnüglicher Abenteuer-Bilderbogen aufspannt.

Die lange Nacht der Schweinereien

300 min, 35 mm

Sex! Pornographie! Pervers! Zügellos! Voyeuristische Einblicke in die vielfältigen sexuellen Erlebnisse des Menschen! Nur hier in diesem Lichtspielhaus!

Sich dem Frivolen hingebend, zeigt das KommKino die ganze Nacht pornographische Filme der 60er, 70er und frühen 80er. Als Pornos noch haarig waren und die Rahmenhandlung zum Teil noch ernst genommen wurde. Für eine Nacht wird somit das „In der Nähe des Bahnhofs“-Kino zum Bahnhofskino.

Wenn es Euch also gelüstet nach exploitativen, voyeuristischen Einblicken in die Sexualität des Golden Age of Porn, kommt vorbei und genießt die Perversion auf der Leinwand ...

Vor allem wenn ihr Material-Fetischisten seid, denn ALLE FILME LAUFEN AUF ANALOGEN 35MM-FILM, also Filmkopien direkt von damals.