Filmfestivals

Hieb- und Stichfest
(Slasherfilm-Festival)

Fr 28. Feb

15:00 Uhr The Driller Killer (digital)
17:00 Uhr *Überraschungsfilm" (digital)
21:15 Uhr Der Prauler (digital)
23:15 Uhr Fall Break (digital)

Sa 29. Feb

13:00 Uhr Flashback - Mörderische Ferien (35 mm)
15:00 Uhr Terror Eyes - Der Frauenköpfer (35 mm)
17:00 Uhr Party des Schreckens (35 mm)
21:15 Uhr Zombie Ritual & Mania (Weltpremiere) (digital)

Dauerkarte: Euro 36,-

Flashback - Mörderische Ferien

Regie: Michael Karen, BRD 2000, 35mm

„Nach zehn Jahren psychiatrischer Anstalt macht die 22jährige Jeanette, die einst den Mord an ihren Eltern durch den "Sichelmörder" miterleben mußte, erste Schritte ins eigene Leben und nimmt eine Anstellung als Privatlehrerin an. In einem schönen Haus in der einsamen Bergwelt der Alpen gibt sie drei Teenagern Nachhilfeunterricht in den Ferien. Doch in dem Ort geht das Grauen um: Der "Sichelmörder" scheint zurückgekehrt zu sein und macht sich daran, die Zeugin von damals zu jagen...

Eins muß man dieser deutschen Produktion trotz aller unterschiedlich abgefaßten Kritiken landauf und landab lassen: "Flashback – Mörderische Ferien" gehört zu den blutigsten Mainstream-Filmen, die je hierzulande entstanden sind. Mit den Insignien des US-Teenie-Slasher-Kinos der frühen 1980er Jahre versehen, unterhält Michael Karens Splattermovie auf naiv-charmante Weise, ohne jedoch zusätzlich auf die aufgesetzte Ironie der "Scream"-Filme zurück zu greifen. "Flashback – Mörderische Ferien" ist auf technischer Ebene versiert gestaltet und vom Inhalt her mit jeder Menge Verweisen auf die Arbeiten von Carpenter bis Tarantino versehen. Das Drehbuch stammt von Jimmy Sangster, die Darsteller sind unverbraucht und die Spezialeffekte können sich auch sehen lassen.“ (Frank Trebbin, „Die Angst sitzt neben dir“)

 

Terror Eyes

Orginaltitel: Night School, Regie: Ken Hughes, USA 1981, 35mm

Unter dem wie immer geschmackvoll zurückhaltenden Titel TERROR EYES – DER FRAUENKÖPFER erschien NIGHT SCHOOL in Deutschland, wahrscheinlich um potenzielle Freunde von FRIDAY THE 13TH und Konsorten ins Kino zu locken. Die werden sich dann eher gelangweilt haben. Auch wenn es noch immer für ein Verbot in England und für Schnittauflagen der bundesdeutschen FSK gereicht hat: Hughes‘ Film ist kein Kreischfilm für paarungswütige Teenies, sondern ein atmosphärischer Thriller, der vor allem von den herbstliche Stimmung vermittelnden Bildern Bostons – wunderschön eingefangen von Kameramann Mark Irvin (u. a. SCREAM und WES CRAVEN’S NEW NIGHTMARE) – und dem fragil-melancholischen (für seine Zeit typischen) Pianoscore von Brad Fiedel lebt. Die Geschichte ist weder originell noch innovativ, wird aber kompetent erzählt und gut gespielt und bietet angenehme, gediegene Unterhaltung mit der einen oder anderen Überraschung. Nichts, worüber man in äußerste Verzückung geraten muss, keine vergessene Perle der Filmgeschichte, deren Bergung Anlass zu ungebändigter Freude böte, aber ein Film von jener sauberen Handwerkskunst und geschmackvollen Zurückhaltung, die man heute, wo jeder Film etwas Besonderes sein will und das marktschreierisch verkündet, wieder zu schätzen gelernt hat.

In Boston geht ein Frauenmörder um. Seine Opfer werden enthauptet, die abgetrennten Köpfe jeweils in Wasser gefunden: in Tümpeln, Eimern, Aquarien. Die Ermittlungen führen Lieutenant Austin (Leonard Mann) an eine renommierte Abendschule für junge Studentinnen und zum Anthropologie-Professor Vincent Millett (Drew Snyder), der dort über „primitive“ Stammesriten doziert, zu denen eben auch Enthauptungen gehören. Auffällig ist sein wenig professionelles Verhältnis zu seinen Studentinnen: Ihm werden Liebschaften mit den Mordopfern nachgesagt. Ist er der Mörder? Und ist seine schöne Assistentin Eleanor (Rachel Ward), mit der er zusammenlebt, die nächste?

Um zu erkennen, wie hübsch NIGHT SCHOOL ist, kann man sich ja mal den Spaß machen, darüber nachzudenken, wie diese Geschichte wohl heute umgesetzt werden würde: Die Morde würden drastisch und mit allen modernen Mitteln des sogenannten Terrorkinos ins Bild gerückt werden, mit Gekreisch von der Tonspur und heftigen Schnittgewittern. Boston zeigte sich dreckig und schleimig-grün als Vorhof zur Hölle. Sex wäre explizit, wahlweise schwül inszeniert oder aber doch eher abstoßend, möglicherweise unter Integration devianter Praktiken. Hughes macht nichts davon: Die Enthauptungen finden im Off statt, die abgetrennten Häupter sieht man nie im Detail, so als solle die Würde der Opfer gewahrt werden. In der Inszenierung orientiert sich Hughes eindeutig an Meister Hitchcock, baut die Spannung in den entsprechenden Sequenzen langsam auf, um sie dann bis zum Zerreißpunkt zu steigern (es gibt sogar eine sehr schöne Duschszene). Und die eine Liebesszene kommt trotz des befremdlichen Einsatzes roter Kriegsbemalung sinnlich und keineswegs gewollt pervers daher. Alles, was NIGHT SCHOOL also von heutigen Vertretern des Genres abhebt, spiegelt sich schon in den feinen Gesichtszügen der schönen Rachel Ward wider, deren Sex-Appeal sich in einer züchtigen Verschlossenheit äußert und der graziösen Gelassenheit, mit der sie sich dann doch entkleidet. Fast möchte man ihr etwas um den Oberkörper legen, weil der Blick auf ihren üppigen Busen das heilige Mysterium, das ihre Gestalt darstellt, zerstört. Das Ködern mit T&A appelliert hier plötzlich an viel tiefer liegende Instinkte als nur an die eigene Geilheit. Dann ist da ihre Stimme: Ein rauchiges, tiefes Hauchen, das so gar nicht zu ihrem mädchenhaften Gesicht mit den runden, dunklen Augen passen mag.

NIGHT SCHOOL ist ein Film mit Tücken, die einem erst auffallen, wenn man drüber nachdenkt. Er ist so gut, wie man es zulässt.

© Oliver Nöding (remember it for later)

Party des Schreckens

Originaltitel: There Was a Little Girl, Regie: Ovidio G. Assonitis, USA/Italien 1981, 35mm

Als die Lehrerin Julie Sullivan (Trish Everly) von Father James (Dennis Robertson) erfährt, dass ihre Zwillingsschwester Mary (Allison Biggers) todkrank im Hospital liegt und sie nach mehr als sieben Jahren der Trennung sehen möchte, kommen in ihr längst verarbeitet geglaubte Ängste hoch: Unter der wahrhaften teuflischen Mary musste Julie als Kind nämlich unbemerkt von Eltern und anderen Erwachsenen wahre Todesängste und körperliche Torturen ausstehen. Die durch eine Knochenkrankheit schwer entstellte Mary macht bei Julies Besuch dann auch da weiter, wo sie einst aufhören musste, und droht ihr, sich am bevorstehenden gemeinsamen Geburtstag an ihr zu rächen. Als sie wenig später aus dem Krankenhaus verschwindet und Menschen aus Julies Umfeld auf mysteriöse Weise ums Leben kommen, ist sie sich ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch weder ihr Freund Sam (Michael MacCrae) noch Father James schenken ihren Befürchtungen Glauben …

Assonitis legt nach einer gialloesken, albtraumhaften Creditsequenz einen Schocker vor, der sehr davon profitiert, dass er die in der Kindheit geprägten und damit auf ein irrationales Ausmaß angewachsenen Ängste Julies zur Triebfeder seines Films macht. Was Mary ihrer Schwester wirklich angetan hat, bleibt weitestgehend ungewiss – Assonitis beschränkt sich auf eine kurze, eher harmlos anmutende Erzählung der Protagonistin -, doch Julies Blick lässt den Zuschauer die wahren Abgründe hinter den Worten erahnen und ihre schon Jahrzehnte zurückliegenden Angstzustände fast körperlich nachfühlen. Die Etablierung einer grundlos bösen Figur, die zudem bis auf wenige Sekunden, in der man sie sieht und hört, ausschließlich in der Erinnerung ihrer Schwester ihr Unwesen treibt, verlagert den Schrecken von der Leinwand in die Fantasie des Zuschauers, was sich im Horrorfilm immer wieder als Gewinn erweist. Mithilfe einer famosen Kamera-Arbeit, die die ungemütlichen Schatten in Julies Wohnhaus bedrohlich in den Vordergrund rückt und mehr als einmal sehr effektiv eine Subjektive vortäuscht (und zudem deutlich macht, dass es den modernen, mit Computernachbearbeitung auf siffig, eklig und schmuddelig getrimmten Horrorfilmen vor allem an Dunkelheit mangelt), und dem Gänsehaut evozierenden, einschmeichelnden und melancholischen Streicherscore von Riz Ortolani, in den dann wie schon beim Jahrhundertsoundtrack zu CANNIBAL HOLOCAUST immer wieder kalte Synthiesounds hereinplatzen und die Harmonie brutal zerreißen, gelingt Assonitis so ein ungemein wirkungsvoller, kreuzunheimlicher und origineller Horrorthriller.

© Oliver Nöding (remember it for later)

Zombi Ritual

Ronny erhält ein mysteriöses Videoband, auf dem scheinbar zusammenhangloses, blutiges Treiben in einem alten Felsgewölbe gezeigt wird. Seine Schwester Krissi ist ebenfalls blutüberströmt auf der Aufnahme zu erkennen. Entschlossen und bis an die Zähne bewaffnet, macht er sich mit seinen Freunden auf, um seine Schwester zu befreien. Auf ihrer Suche durch die fränkische Wildnis werden sie von blutrünstigen Zombies attackiert. Ihr Weg führt sie zu einem alten, verlassenen Ort, an dem im Mittelalter ein okkulter Templerorden grausame Blutrituale abhielt. Schritt für Schritt laufen die Freunde in ihr Verhängnis, und sie kommen der grauenvollen Wahrheit auf die Spur. In der Zwischenzeit breitet sich die Zombieplage immer weiter aus …

„Zombi Ritual“ ist der neueste Horrorschocker aus dem Hause Postmortem
Productions.

Deutschland 2020
Dauer: 52 Minuten
Hauptdarsteller: Ronny Sedlag, Charlet Bundy, Roland Kreißl, Benjamin Herr, Linda Djidjeh
Idee & Drehbuch: Alexander Franz, Thomas Herr
Spezialeffekte: Thomas Herr
Soundtrack: Sabrina Teleki
Regie: Alexander Franz

Mania

Vier Freunde fahren zu einer abgelegenen Fischerhütte, um tief draußen im Wald dem Alltag zu entfliehen. Nach einer unheimlichen Begegnung mit einer Fremden erfahren sie von dem berüchtigten Serienmörder Werner Kraus, der erst kürzlich aus einer nahe gelegenen Nervenheilanstalt entflohen ist. Zeitgleich verschwindet einer der vier. Nach weiteren mysteriösen Vorfällen begibt sich der Rest auf die Suche nach ihrem verlorenen Freund. Doch was sie dabei finden, ist weitaus entsetzlicher als das, was sie sich in ihren schlimmsten Albträumen vorstellen können. Plötzlich färben sich Frankens grüne Wälder blutrot.

Deutschland 2017
Dauer: 28 Minuten
Hauptdarsteller: Roland Kreißl, Silke Cervik, Kristina Maier, Bernt Eckert, Benjamin Herr
Idee & Drehbuch: Alexander Franz, Thomas Herr
Spezialeffekte: Thomas Herr
Regie: Alexander Franz

Filme

Mörderspiel

Bundesrepublik Deutschland/Frankreich 1961, 79 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Helmuth Ashley, Darsteller: Balduin Baas, Armin Dahlen, Götz George

Aus Frauenhass und weil seine Ehefrau ihn betrügt, entwickelt sich Klaus zum Serienmörder. Bei einem Mord wird er von einem Bekannten beobachtet, den er nun in einem „Mörderspiel“, das er initiiert, umbringen will.

Was nach einem Krimi vom Fließband klingt, beleuchtet bei näherer Betrachtung die Abgründe der Wirtschaftswunder-BRD und rechnet auf spannende und amüsante Weise mit der Upperclass ab. Ähnlich ging in Frankreich Claude Chabrol vor, der sich den großen Meister des Suspense, Alfred Hitchcock, oft zum Vorbild nahm. Wie zu erwarten bei Ashley, ist der Film auch visuell ein Genuss.

 

Helmuth Ashley-Special

Dem im Herbst 2019 100 Jahre alt gewordenen Helmuth Ashley widmet das KommKino eine kleine Auswahl seiner Filme. Als Fotograf ausgebildet wurde Ashley 1939 vom Militär eingezogen und drehte als Flieger und Kriegsberichterstatter Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg. 1942 wurde er als unzuverlässig entlassen. Er wurde Kamera-Assistent in UfA-Produktionen, nach dem Krieg schließlich Reporter für die englisch-amerikanische Wochenschau. Ab 1950 wird er Chef-Kameramann bei renommierten deutschen Regisseuren und avanciert schließlich zum Meister seines Fachs. Ab 1960 ist er 45 Jahre lang als Regisseur für Kino- und Fernsehproduktionen tätig, von denen die bekanntesten „Das schwarze Schaf“ (1960), der Edgar-Wallace-Film „Das Rätsel der roten Orchidee“ (1962) und „Der Trotzkopf“ (1983) sind.

 

Filme

Alibi

Bundesrepublik Deutschland 1955, 109 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Alfred Weidenmann, Darsteller: O. E. Hasse, Martin Held, Hardy Krüger

Eingebettet in eine Rahmenhandlung um amerikanische Atomwaffentests schildert „Alibi“ die Erlebnisse des Sensationsreporters Peter Hansen. Der wird eines Tages als Geschworener vor Gericht bestellt, da über einen Mordfall entschieden wird. Hansen stimmt als einziger gegen die Verurteilung des mutmaßlichen Mörders, gegen den alle Indizienbeweise sprechen, der aber seine Unschuld beteuert. Er wird verurteilt, doch Hansen gibt nicht auf und ermittelt nun auf eigene Faust.

„Alibi“ wurde mit fast dem gleichen Team wie „Canaris“ ein Jahr zuvor gedreht, nur dass als Kameramann hier Helmuth Ashley dazugestoßen ist. Neben einer spannenden Krimihandlung stellt der Film die ethische Frage, ob man aufgrund von Indizien verurteilen darf. Er erhielt das Prädikat „Besonders wertvoll“ und den Deutschen Filmpreis 1956. Das Publikum erkannte die Qualitäten nicht und strafte den Film an der Kasse ab –„Alibi“ war seiner Zeit anscheinend voraus.

 

Helmuth Ashley-Special

Dem im Herbst 2019 100 Jahre alt gewordenen Helmuth Ashley widmet das KommKino eine kleine Auswahl seiner Filme. Als Fotograf ausgebildet wurde Ashley 1939 vom Militär eingezogen und drehte als Flieger und Kriegsberichterstatter Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg. 1942 wurde er als unzuverlässig entlassen. Er wurde Kamera-Assistent in UfA-Produktionen, nach dem Krieg schließlich Reporter für die englisch-amerikanische Wochenschau. Ab 1950 wird er Chef-Kameramann bei renommierten deutschen Regisseuren und avanciert schließlich zum Meister seines Fachs. Ab 1960 ist er 45 Jahre lang als Regisseur für Kino- und Fernsehproduktionen tätig, von denen die bekanntesten „Das schwarze Schaf“ (1960), der Edgar-Wallace-Film „Das Rätsel der roten Orchidee“ (1962) und „Der Trotzkopf“ (1983) sind.Helmuth Ashley-Special

Dem im Herbst 2019 100 Jahre alt gewordenen Helmuth Ashley widmet das KommKino eine kleine Auswahl seiner Filme. Als Fotograf ausgebildet wurde Ashley 1939 vom Militär eingezogen und drehte als Flieger und Kriegsberichterstatter Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg. 1942 wurde er als unzuverlässig entlassen. Er wurde Kamera-Assistent in UfA-Produktionen, nach dem Krieg schließlich Reporter für die englisch-amerikanische Wochenschau. Ab 1950 wird er Chef-Kameramann bei renommierten deutschen Regisseuren und avanciert schließlich zum Meister seines Fachs. Ab 1960 ist er 45 Jahre lang als Regisseur für Kino- und Fernsehproduktionen tätig, von denen die bekanntesten „Das schwarze Schaf“ (1960), der Edgar-Wallace-Film „Das Rätsel der roten Orchidee“ (1962) und „Der Trotzkopf“ (1983) sind.

 

Nasser Asphalt

Bundesrepublik Deutschland 1958, 90 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Frank Wisbar, Darsteller: Horst Buchholz, Gert Fröbe, Maria Perschy

1951 ist der Zweite Weltkrieg seit sechs Jahren vorbei, doch fünf Wehrmachtssoldaten verschließen sich in einem Bunker. Nach einer Sprengung kann nur noch einer lebend in ein Krankenhaus eingeliefert werden. – Diese Falschmeldung wurde damals in allen Zeitungen gedruckt und verbreitet, sie inspirierte Dichter zu Balladen und Theaterstücken – und zu diesem Film. „Nasser Asphalt“ ist jedoch kein Film über das Leben von Wehrmachtssoldaten im Bunker, sondern ein Film über das Zustandekommen der Falschmeldung, und rückt den Urheber, einen Reporter, in den Vordergrund. Ein fesselnd erzähltes Werk, formal überdurchschnittlich, denn Kameramann war Helmuth Ashley, und intelligent, denn er geht der Frage nach journalistischer Wahrhaftigkeit in einer von Sensationsgier dominierten Pressewelt nach.

 

Helmuth Ashley-Special

Dem im Herbst 2019 100 Jahre alt gewordenen Helmuth Ashley widmet das KommKino eine kleine Auswahl seiner Filme. Als Fotograf ausgebildet wurde Ashley 1939 vom Militär eingezogen und drehte als Flieger und Kriegsberichterstatter Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg. 1942 wurde er als unzuverlässig entlassen. Er wurde Kamera-Assistent in UfA-Produktionen, nach dem Krieg schließlich Reporter für die englisch-amerikanische Wochenschau. Ab 1950 wird er Chef-Kameramann bei renommierten deutschen Regisseuren und avanciert schließlich zum Meister seines Fachs. Ab 1960 ist er 45 Jahre lang als Regisseur für Kino- und Fernsehproduktionen tätig, von denen die bekanntesten „Das schwarze Schaf“ (1960), der Edgar-Wallace-Film „Das Rätsel der roten Orchidee“ (1962) und „Der Trotzkopf“ (1983) sind.

Die Rechnung – Eiskalt serviert

Bundesrepublik Deutschland/Frankreich 1966, 98 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Helmuth Ashley, Darsteller: George Nader, Yvonne Monlaur, Horst Tappert

FBI-Mann Jerry Cotton ist seit den Sechzigern ein außerordentlich erfolgreicher Groschenromanheld, den viele Leser für so authentisch hielten, dass sich das echte FBI wunderte, warum ein nicht vorhandener Mitarbeiter plötzlich so viel Fanpost aus Deutschland bekommt. „Die Rechnung – Eiskalt serviert“ ist der vierte Film der achtteiligen Jerry-Cotton-Filmreihe und setzt keine Vorkenntnisse voraus. Er ist sorgfältig ausgestattet, das heißt, man bemühte sich, deutsche Städte und Studiokulissen so amerikanisch wie möglich wirken zu lassen. Und er besitzt eine sleazige, voyeuristische Duschszene, die in den Vorgängern von 1964 und 1965 in dieser Form noch nicht hätte gezeigt werden können. Wichtiger aber ist, dass die Jerry-Cotton-Filme das bieten, was im deutschen Kino bis heute viel zu selten produziert wird: echte Action!

 

Helmuth Ashley-Special

Dem im Herbst 2019 100 Jahre alt gewordenen Helmuth Ashley widmet das KommKino eine kleine Auswahl seiner Filme. Als Fotograf ausgebildet wurde Ashley 1939 vom Militär eingezogen und drehte als Flieger und Kriegsberichterstatter Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg. 1942 wurde er als unzuverlässig entlassen. Er wurde Kamera-Assistent in UfA-Produktionen, nach dem Krieg schließlich Reporter für die englisch-amerikanische Wochenschau. Ab 1950 wird er Chef-Kameramann bei renommierten deutschen Regisseuren und avanciert schließlich zum Meister seines Fachs. Ab 1960 ist er 45 Jahre lang als Regisseur für Kino- und Fernsehproduktionen tätig, von denen die bekanntesten „Das schwarze Schaf“ (1960), der Edgar-Wallace-Film „Das Rätsel der roten Orchidee“ (1962) und „Der Trotzkopf“ (1983) sind.

 

Filme

Sword of God

Polen/Belgien 2018, 104 Min., Original mit deutschen Untertiteln, digital, Regie: Bartosz Konopka, Darsteller: Krzysztof Pieczyński, Karol Bernacki, Wiktoria Gorodeckaja

Wenn das Schwert Gottes auf die Menschheit niederrasselt, endet das selten gut. Auch in „Sword of God“ birgt die Missionierung durchaus ihre Tücken. Das bekommen ein Ritter und ein stummer Einsiedler zu spüren, die auf einer entlegenen Insel versuchen, die dortigen Ureinwohner zum Christentum zu bekehren. Deren Anführer Geowold sieht jedoch keinen Bedarf an einem neuen Gott und dem damit verbundenen Regelwerk und widersetzt sich dem Glaubensdiktat. Eine überraschende Verbündete finden die beiden Christen indes ausgerechnet in Geowolds hinreißender Tochter Prahwe. Ein blutiger Konflikt ist damit unvermeidbar.

Mit „Sword of God“ ist dem polnischen Regisseur Bartosz Konopka ein knallhartes Mittelalter-Epos gelungen, das sich vor Referenzwerken wie Nicolas Winding Refns „Valhalla Rising“ nicht verstecken braucht. Trotz seiner drastischen Gewaltdarstellungen verkommt der Film nicht zur unappetitlichen Gammel-Schlachtplatte, sondern versteht es auf eindrucksvolle Weise, zentrale Lebensfragen zu thematisieren. „Atmosphärisch, faszinierend und erschütternd!“ (Bloody Disgusting) „Ein Gemetzel Gottes – kontemplativ und gewalttätig zugleich.“ (Film Festival Cottbus)

 

Love on a Leash

USA 2011, 90 Min, englische Orginalversion, digital, Regie: Jennifer Ten, Darsteller: Jana Camp, Aneese Khamo, Gloria Winship Ayon

Der Hund ist bekanntlich der beste Freund des Menschen. Louis Armstrong beschreibt das so: „Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.“ Dies offenbart sich auch in diesem Film, als eine junge Frau einen herumstreunenden Hund aufnimmt. Die hingebungsvolle Liebe, die sie ihrem neuen Gefährten entgegenbringt, nimmt eine gefühlvolle Wendung, da sich das Tier des Nachts in einen gutaussehenden Mann verwandelt. Dies bringt einige Vorteile, aber auch gewisse Spannungen mit sich. Begleiten wir den charmanten Golden Retriever auf seiner packenden Reise der Liebe in dieser romantischen Komödie.

„A complete black hole of competence so dumbfounding that makes „The Room“ look like „Casablanca" by comparison.“ (Unknown Artist)

 

Hörig bis zur letzten Sünde

Bundesrepublik Deutschland 1970, 81 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Lothar Bündisch, Hans Gillian, Darsteller: Horst Naumann, Carine Christian, Johannes Buzalski

In der Hoffnung auf das große Geld und auch um den hohen Ansprüchen seiner Frau zu genügen, lässt sich ein Bankangestellter dazu überreden, seine eigene Bank zu überfallen. Natürlich geht das schief, er nimmt sich im Knast das Leben – und sein Verteidiger macht sich nun an die frische Witwe ran, weil er weiß, dass dort das Geld zu finden ist.

Die Mitte der 60er für die Music-House-Schlagerfilme als Regisseure tätigen Hans Billian und Lothar Gündisch übernahmen hier gemeinsam das Ruder, während Günter Hendel das nicht um ersprießliche sprachliche Blüten verlegene Drehbuch („Quasseln Sie nicht wie ein Intellektueller - Sie sind Polizist!“) beisteuerte. Christian Witte: „Da ist Billian & Gündisch ein schön ausschweifend-fieses, exploitativ-knalliges Werk des hingerotzten Nihilismus gelungen, das durchweg durch sexy Modder latscht und zum Schluss Blut dort reinschießen lässt - weil es jetzt (1970) endlich erlaubt ist und man somit den moralischen Zeigefinger dezent bei der Leine halten kann. Ein wirklich spaßiger Reißer - Crime & Tits in Black & White, frech ausgekotzt über den bundesdeutschen Mief.“

 

Filmfestivals

Sweet Movies

Das Festival für erotische bis pornographische Filmen jenseits gängiger Massenware geht in die vierte Runde. Alle Titel sind im originalen 35mm-Kinoformat zu sehen!

Das Programm in der Übersicht:

Freitag, 13. März

21:15 Uhr: Take Off

23:15 Uhr: Katharina, die nackte Zarin (Hardcore-Fassung)

Samstag, 14. März

14:00 Uhr: Zeig mir wie man's macht

16:00 Uhr: All The Way In

21:15 Uhr: New Wave Hookers

23:00 Uhr: Body Lust

Filme

Take Off

USA 1978, 103 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Armand Weston, Darsteller: Wade Nichols, Georgina Spelvin, Annette Haven, Leslie Bovee

Die vierte Ausgabe von Sweet Movies begann letztes Jahr mit „The Opening of Misty Beethoven“, einer modernen und frechen Variante des Pygmalion-Stoffes. Auch „Take Off“ ist literarisch inspiriert, nämlich von Oscar Wildes visionärem Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“. Der Film – naturgemäß recht frei mit der Vorlage umspringend - erzählt die Geschichte von Darrin Blues, ein Multimillionär und ehemaliger Gangster, der über 70 Jahre alt ist, aber noch jung und frisch aussieht. Er erzählt einer Geliebten, dass er sich vor vielen Jahren gewünscht hat, dass sein Abbild in einer Filmaufnahme an seiner statt altern solle. Der Film folgt seinem sinnesfreudigen Leben und spielt zugleich liebevoll auf zahlreiche Hollywood-Filme an, von „Casablanca“ bis „Der Wilde“. Der Regisseur Armand Weston war einer der inspiriertesten, virtuosesten Regisseure in der Geschichte des Pornokinos.

 

Katharina, die nackte Zarin (Hardcore-Fassung)

Bundesrepublik Deutschland 1983, 100 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Scott Hunt [=Klaus König], Darsteller: Uschi Karnat, Vladimir Tartakovski, Jacqueline Roussel

Mit „Katharina, die nackte Zarin“ zeigen wir ein in den letzten Jahren kaum je aufgeführtes Opus Magnum des deutschen Hardcore-Kinos, von Produzent Alois Brummer als großes frivoles Sittengemälde konzipiert. Zum Spielleiter ernannte er einen der profiliertesten Kameraleute des deutschen Nachkriegskinos: Klaus König, der u. a. „Mädchen, Mädchen“ von Roger Fritz und „Zur Sache, Schätzchen“ fotografiert hatte und hier zum ersten und einzigen Mal (unter Pseudonym) Regie führte. Brummer schnitt sowohl eine Softcore- wie eine Hardcore-Version. Er zielte gewiss unter anderem auch auf ein neugieriges, bildungsbürgerliches Publikum ab, das zu gerne in einem der Bahnhofskinos sehen wollte, wie die nymphomane, als „Sexmonster“ berüchtigte deutschstämmige Zarin (sie wurde als Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst geboren) es in ihrer Regierungszeit deftig trieb. „Die krude Mischung bietet hinreichend Anlass, neben den einschlägigen Sexszenen dieses Genres, das sich schamlos wohl allmählich aller Zeitepochen unserer Geschichte bemächtigt, einem historisch wenig bewanderten Publikum Brutalitäten en masse zu bieten. (…) Wir raten ab.“ (katholischer Filmdienst)

 

Zeig mir wie man’s macht

Originaltitel: El periscopio, Italien/Spanien 1979, 80 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: José Ramón Larraz, Darsteller: Laura Gemser, Barbara Rey, Daniele Vargas, Gabriele Tinti

„In verbotenen Filmen und beim Belauschen von Liebespaaren sammelt der 16-jährige Alfonsino seine ersten sexuellen Erfahrungen, die ihm aber keinesfalls genügen. Als in der Schule der Bau und die Funktion des Periskops durchgenommen werden, macht er sich an die Arbeit, denn in der Wohnung über ihm leben und lieben zwei ungeheuer reizvolle Krankenschwestern. Was Alfonsino dann durch sein Sehrohr erspäht, übertrifft seine kühnsten Phantasien soweit, dass er ernsthaft krank wird. Seine ahnungslose Mutter holt darauf ausgerechnet die beiden Krankenschwestern zur Hilfe, die nicht nur auf Anhieb die richtige Diagnose stellen, sondern sich auch mit Begeisterung an die Therapie machen...“ (Schnittberichte)

 

All the Way In

USA 1984, 82 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Bob Chinn, Darsteller: Candy Samples, Martina Nation, Martina Nation, Mai Lin, Ron Jeremy, Russ Meyer

Candy ist Autorin einer Zeitschriftenkolumne. Sie verliebt sich in einen ihrer Leser und kann an nichts anderes mehr denken. Als die Zeitschrift einen neuen Inhaber bekommt, schicken Candys Kolleginnen sie vor, um den Boss zu becircen. „All the Way In“ ist ein weitgehend unbekanntes, unbeschriebenes und dabei heiteres, kurzweiliges und beschwingt gemachtes Kleinod des US-Pornokinos der frühen 80er-Jahre, das den Pornostar Ron Jeremy und den wunderbaren Regisseur Russ Meyer unter einer Filmbüchse vereint.

New Wave Hookers

USA 1985, 72 Min, englische Originalfassung, 35mm, Regie: Gregory Dark, Darsteller: Jamie Gillis, Traci Lords, Ginger Lynn, Desiree Lane Candy, Rick Cassidy, Peter North

„New Wave Hookers“ ist einer jener legendären Pornofilme, die von sich behaupten können, bahnbrechend gewesen zu sein und dem Hardcore-Kino eine neue Richtung eröffnet zu haben. „Deep Throat“, „Behind the Green Door“, „The Story of Joanna“, „Water Power“ – „New Wave Hookers“ darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Die Prämisse ist so einfach wie fruchtbar: Zwei Männer schauen fern, erzählen sich Witze und unterhalten sich über Frauen, fantasieren, wie sie einen Escort-Service mit „New Wave Bitches“ aufmachen würden, die sofort geil werden, sobald sie New-Wave-Musik hören. Dann schlafen die beiden ein und erträumen sich ihre sexuellen Fantasien mit Frauen, in denen auch der New Wave eine entscheidende Rolle spielt. Der Film etablierte das Genre des Alt Porn, das ein neues weibliches Schönheitsideal abbildete: tätowiert, im Gothic- oder Emo-Look, ganz der New-Wave-Zeit verhaftet. Gregory Darks Werk gewann zahlreiche Preise, zog viele Fortsetzungen nach sich und wurde vielfach imitiert. Nun gibt es die wahrlich einmalige Gelegenheit, das Original in einer seltenen 35mm-Originalfassungs-Kopie zu sehen, die wir unseren Kollegen vom Brüsseler Cinema Nova verdanken.

Filme

Body Lust

Frankreich 1979, 80 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Monique Carrera [=Monique Carrère], Darsteller: Virginie Caillat, Joël Charvier, Suzanne Chorard, Diane Dubois

„„Body Lust“ ist einer der seltenen Pornofilme aus den 70er-Jahren, die von einer Frau gedreht wurden – neben Roberta Findlay (deren Film „The Tiffany Minx“ wir letztes Jahr gezeigt haben) muss man lange nach einer weiteren Filmemacherin in diesem Genre zu dieser Zeit suchen. „Jetzt werde ich den Männern zeigen, wie man wirklich gute Sexfilme macht!“ „Mit dieser Ambition wechselte der Pornostar Monique Carrera 1979 hinter die Kamera, um mit „Body Lust“ selbst die Regie zu übernehmen – nicht etwa eines alternativen, feministischen Pornofilms, sondern eines Mainstream-Pornos, dessen Unterschiede im Vergleich zu den Arbeiten ihrer männlichen Kollegen sich eher in Nuancen zeigen. ‚Natürlich wird auch in Carreras Film gevögelt, in allen Variationen. Aber auch die kleinen Bewegungen haben eine Bedeutung‘, so schreibt die feministische Publizistin Claudia Gehrke über diesen Film“ (Pornfilmfestival Berlin, 2019). „Dank“ der räudigen, knatternden deutschen Synchronfassung erwartet uns ein Film voller derber Sprüche und bestialischer Ansagen, wie es sich für den Abschlussfilm des Sweet Movies von seiner ersten Ausgabe an ziemt.

Filme

The Ceremony

Originaltitel: Gishiki; Japan 1971, 123 Min, OmeU, 35 mm, Regie: Nagisa Ōshima, Darsteller: Kenzō Kawarasaki, Atsuko Kaku, Atsuo Nakamura, Kiyoshi Tsuchiya

Im Japan der Nachkriegszeit erhält Masuo von seinem Cousin ein Telegramm, in dem dieser seinen Selbstmord ankündigt. Der Grund: Als zukünftiges Oberhaupt des Sakurada-Clans erwarten ihn große Verantwortung, das Anleiten von Riten sowie das Einhalten strikter Traditionen und Regeln, die es in ihrer Gesamtheit den neuen Generationen erschweren, Neues zu erschaffen. So lässt Masuo auf dem Weg zu seinem Cousin all die Zeremonien (japanisch: Gishiki) Revue passieren, die sein altehrwürdiger Clan in den vergangenen 25 Jahren, mit eiserner Hand durch seinen Großvater angeführt, hochhielt, und die so zum Niedergang der Sippe führten.

Ōshima porträtiert hier anhand eines familiären Mikrokosmos‘ auf satirische, eindrückliche und ästhetisch wertvolle Art den Generationenkonflikt, in den ganz Japan nach dem Zweiten Weltkrieg katapultiert wurde. Damit schafft er es sogar, die Brücke zum heutigen Japan, das zwischen archaischen Traditionen und modernsten Technologien balanciert, zu schlagen. Ōshima selbst sagte zu seinem Werk: „In ‚Die Zeremonie‘ habe ich versucht, in der Gegenwart von 1971 die Gesamtheit meiner Existenz und meiner Gefühle während all der Jahre nach dem Krieg zu betrachten.“
„Dieser schöne japanische Film wird kein so großes Publikum finden wie ‚Der Pate‘. Er richtet sich an jene, die neugierig auf außergewöhnliches Kino sind. Das ist hier in jeder Hinsicht der Fall. […] Ein sehr schöner Film, den zu erfassen unser westlicher Geist einige Mühe hat, bevor wir verführt und fasziniert werden.“ (Le Canard enchaîné, 1972)

In Kooperation mit dem Japanischen Kulturinstitut (The Japan Foundation)

 

JKI 50

 

Zabriskie Point

USA 1970, 107 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Michelangelo Antonioni, Darsteller: Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor

Während der Studenten-Unruhen in Los Angeles 1969 fürchtet ein Student, Bekanntschaft mit der Polizei machen zu müssen. Er flieht mit einem geklauten Sportflugzeug in die Mojave-Wüste. Dort trifft er auf die Angestellte Daria, und am Zabriskie Point rauchen beide erstmal einen Joint. Danach sind sie bereit, die Welt zu verändern.

„Die Nacht“, „Die rote Wüste“, „Blow Up“ - bei den meisten früheren Filmen Antonionis war man sich einig: meisterlich. Nur bei "Zabriskie Point", dieser Hommage an die Flower-Power-Bewegung, gingen die Meinungen dann doch auseinander. Zu versponnen, zu fiebrig-verstrahlt geriet der Film, um ernsthaft Kritik an der US-amerikanischen Gesellschaft üben zu können. Aber das interessiert nicht mehr, heute genießt der Film zurecht Kult-Status. Denn was bleibt, ist ein experimenteller Bilderrausch samt psychedelischem Soundtrack. Ein Film für die große Leinwand!

 

Once Upon a Time … in Hollywood (35mm)

USA/Großbritannien 2019, 161 Min., englische Originalfassung, 35mm, R.: Quentin Tarantino, D.: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie

Tarantinos Neunter auf 35mm! „Once Upon a Time … in Hollywood“ spielt im Los Angeles des Jahres 1969, zu einer Zeit also, als alles im Umbruch ist. Auch TV-Star Rick und sein langjähriges Double Cliff müssen sich in einer Branche zurechtfinden, die sie kaum mehr wiedererkennen. Mit großer Ensemble-Besetzung und zahlreichen Erzählsträngen huldigt Tarantino den letzten Momenten von Hollywoods goldenem Zeitalter.

Und gerade deshalb war es ihm übrigens auch ein großes Anliegen, seine Hommage an die vergangene Zeit wenigstens auf einer einzigen 35mm-Kopie verewigt zu wissen (wobei sogar eine zweite Kopie gezogen wurde für den Fall, dass die Erstkopie während der Premierenaufführung zerstört worden wäre). Und jetzt will also der Verleiher diese beiden Schätze nach nicht einmal einem Jahr tatsächlich vernichten!? Völliger Irrsinn. Aber trösten wir uns damit, dass wir als vermutlich letzte Cinephile in Deutschland den Film einmal noch im einzig wahren Format zu sehen bekommen.