Hongkong-Special

Madam White Snake

Bai She Zhuan, HK 1962, 95 Min., OmeU, 35 mm, R.: Griffin Yueh Feng, D.: Linda Lin Dai, Zhao Lei, Margaret Tu Chuan, Yang Chih-Ching, Li Yun-Chung, Yiu Kwang-Chao

Die Legende der Weißen Schlange gehört zu jenen chinesischen Erzählungen, auf die das Hongkong-Kino immer wieder zurückkommt. Diese Shaw-Brothers-Version aus dem Jahr 1962 ist eine der schönsten Adaptionen.

Linda Lin Dai übernimmt die Titelrolle des mystischen Schlangengeists Bai Suzhen, der im Körper einer Frau die Erde besucht und sich dort in den Apotheker Xu Xian verliebt. Die beiden heiraten, aber das Glück hält nicht lang: Xu Xian, vom Dorfklatsch und böswilligen Priestern beeinflusst, droht sich von Bai Suzhen abzuwenden.

MADAM WHITE SNAKE ist eine hochemotionale Huangmei-Oper mit Fantasy-Elementen (samt wunderbar-naiver Spezialeffekte). Wie die besten Hollywood-Musicals destilliert der von Yueh Feng stilsicher inszenierte Film aus Studioartifizialität eine Essenz des reinen Gefühls.

 

Die Vorstellung am 12. Mai findet im kommkino statt, die am 26. Mai in kinoeins.

 

Filme

The Captain

D 2018, 120 Min., dF, digital, R.: Helmut Brandl, D.: Matthias Sigl, Florian Parzer, Günther Brandl

Ist der Autor dieser Zeilen eigentlich der Einzige, der bei der Erinnerung an CAPTAIN FUTURE sofort ein halbes Dutzend Daft-Punk-Ohrwürmer im Gehörgang hat? Zumindest den Brandl-Brüdern geht es bestimmt ähnlich. Außer Frage steht jedenfalls, dass die bajuwarischen B-Film-Bekloppten riesige Fans der Animeserie sind. Und zwar so leidenschaftlich, dass sie dem Helden unserer 80er-Jahre-Kindheit gleich ihren nächsten Trash-Streifen widmen.
Kein Budget? Kein Problem! Fehlende Knete für die Produktion gleichen die Brandls mal wieder mit zig skurrilen Ideen und noch mehr Enthusiasmus aus. Gut so, schließlich hat diese Mischung schon bei schundigen Schönheiten wie MOOR-MONSTER raketenmäßig gezündet.

 

Hagazussa - Der Hexenfluch

D/Ö 2017, 102 Min., dF, digital, R.: Lukas Feigelfeld, D.: Aleksandra Cwen, Celina Peter, Tanja Petrovsky

„Die Alpen im 15. Jahrhundert: Die kleine Ziegenhirtin Albrun und ihre Mutter erfahren Misstrauen und Ausgrenzung, da sie alleine leben und selten die Kirche besuchen. Nachdem Albruns Mutter an einer Krankheit stirbt, bleibt das Mädchen alleine zurück; es gelingt ihr, zu überleben. Später hat sie ein Kind, findet für kurze Zeit eine Freundin, muss eine Vergewaltigung verkraften, bis sie, ohnehin schon zurückgezogen lebend, schließlich ganz aus der Welt gleitet. Denn die Ächtung macht ihr zu schaffen; sie verliert sich immer mehr in einem Netz aus bitterer Armut, sozialer Ausgrenzung, Aberglauben und Wahn, der schließlich genau das aus ihr macht, was ihr nachgesagt wird – eine böse Frau, eine Hagazussa!

Ein mutiger Film nicht nur aufgrund seiner Bild- und Klanggestaltung, die immer wieder repetitive Momente und Loops einbaut und die vom imposanten Soundtrack aufgenommen und variiert werden, sondern auch, weil der Film auf einem schmalen Grat zwischen Psychodrama und Horrorfilm balanciert und damit tendenziell Erwartungen unterläuft.“ (kino-zeit.de)

"Der Film ist soweit von allen Genrekonventionen entfernt, dass es müßig ist Vergleiche zu ziehen. HAGAZUSSA ist ein überwältigendes, sinnliches Märchen, eines, das Erzählungen wie die der Brüder Grimm in einen „realen“ historischen Kontext setzt und dabei gleichzeitig sehr zeitgemäß wirkt." (Eckhard Heck, www.hardsensations,com)

"Eins sollte diesbezüglich klar sein. HAGAZUSSA - DER HEXENFLUCH ist kein leicht zugänglicher Film, sondern ein verstörender Brocken, der gar nicht erst versucht irgendwelche Kompromisse zu machen. Ein mutiger Film, der seine vielgestaltigen Extreme mit aller Konsequenz und unaufhaltsamer Entschlossenheit auslotet. (...) Das große Plus des Films ist dabei, dass Feigelfeld in seiner langsam aufgebauten Inszenierung genau weiß, wann er mit überwältigen Naturaufnahmen und minimalistischen Schockszenarien für offene Augen und Gänsehaut sorgen muss. Die extrem stark spielende Hauptdarstellerin Aleksandra Cwen ist ein weiterer Grund in das allgemein recht breit gestreute Lob zum Film bedenkenlos einzustimmen.

HAGAZUSSA - DER HEXENFLUCH ist ein Film, dem man die dahinter stehende Leidenschaft am Filmemachen in jeder Sekunde ansieht. Feigelfeld erzeugt mit diesem fiebertraumgleichen Drama einen filmischen Erfahrungsraum, der fast körperlich spürbar ist. (...) Für das deutschsprachige Nachwuchs-Kino ist diese düstere Reflexion über den Niedergang einer Frau ein enormer Gewinn, den man gar nicht hoch genug bewerten kann." (André Becker, www.dasmanifest.com)

"So sehr der Film auch in drastischen Bildern, gerade von toten Tieren, schwelgt, so besitzt er doch auch eine – Schönheit. Ein erstaunliches Debüt." (Rudolf Worschech, epd Film)

"Großes Kino wird der Film, weil er sinnlich stark und ästhetisch zwingend ist, weil es ihm gelingt, mit einem Minimum an Dialogen und dafür einer Fülle sinnlicher Eindrücke zu erzählen. (...) „Hagazussa – Der Hexenfluch“ ist eine Entdeckung. (...) ein Film, der sich wie wenige deutsche Filme auf der Höhe der Zeit befindet." (Rüdiger Suchsland, Filmdienst)

Bei der Vorstellung am 28. Mai wird Regisseur Lukas Feigelfeld persönlich zu Gast sein!

 

Filmfestivals

B-Film-Basterds


Die Brut des Bösen

Do., 31.05., 21:15 Uhr

Karato - Der Knochenbrecher aus Singapur (35 mm)

Do., 31.05., 23:15 Uhr

Diler

Fr., 01.06., 14 Uhr

Das Foltercamp der Liebeshexen (35 mm)

Fr., 01.06., 16.45 Uhr

Liebesgrüße aus der Lederhose 7. Teil – Kokosnüsse und Bananen 35 mm)

Fr., 01.06., 21.15 Uhr

Santo vs. La Invasión de los Marcianos

Fr., 01.06., 23.15 Uhr

FWU-Selektion (16mm)

Sa., 02.06., 13 Uhr

Unterwelt - The World Beyond

Sa., 02.06., 14.30 Uhr

Der tapfere kleine Toaster (35 mm)

Sa., 02.06., 16.30 Uhr

ABCs of Superheroes

Sa., 02.06., 21.15 Uhr

Giant Killer (35 mm)

Sa., 02.06., 23.30 Uhr

„Wicked Vision Überraschungsfilm“

So., 03.06., 14 Uhr

Die Außerirdischen (35 mm)

So., 03.06., 16.30 Uhr

Macabra - Die Hand des Teufels

So., 03.06., 21.15 Uhr

Dementia

So., 03.06., 23.15 Uhr

Öffentliche Testsichtung

In dieser Nacht heißt es: „Sky is the limit“. Zu sehen gibt es eine Überraschungsperle aus unserem Archiv bei freiem Eintritt: Echte Gefühle. Echtes Kino. 35mm. 16mm. Ein Abend, an dem alles passieren kann – im Guten wie im Bösen. Selbst der Filmvorführer lässt sich überraschen!
Was hier gezeigt wird, läuft vielleicht nie wieder in einem Lichtspielhaus dieser Welt, ist quasi unwiederbringlich verloren.

Für Filmrisse und Essiggeruch kommen Sie vorbei oder schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Weiße Sklavin der grünen Hölle

God of the Amazon Women, USA 1979, 90 Min., dF, 35mm, R.: Mark Lester, D.: Bo Svenson, Anita Ekberg, Donald Pleasence

„Zwei Abenteurer brechen nach Südamerika auf. Der Grund ist ein Goldschatz, der sich in einem Inkatempel befinden soll. Sehr einfach ist es nicht dorthin zu gelangen, aber der Goldrausch beseitigt bekanntlich nacheinander alle Hindernisse. Es sind aber nicht nur Tiere, die den Weg erschweren, sondern auch Mörder und Amazonen ...“ (ofdb.de)

Ein schmal budgetiertes, durchaus unterhaltsames Frühwerk von Mark Lester, der später mit DIE KLASSE VON 1984 und DAS PHANTOM-KOMMANDO zwei Kultklassiker des rabiaten Actionkinos inszenierte.

„5,0 von 5 Sternen: Echter Kultfilm – Wer italienische Mondo- und Kannibalenfilme liebt, wird dieses originelle Dschungelabenteuer genießen. Auch wenn dieser Film zahmer ist als seine Vorbilder. Giftige Schlangen und Ameisen (!!!), und dazu ein Fluß voller Mörderkrokodile... Dazu Donald Pleasence und Anita Ekberg am Amazonas. Wunderbarer Trash.“ (Jürgen Melk, Amazon)

 

Filmfestivals

Morbid Movies - 3. Festival des menschenfeindlichen Films

Antlitz des Ablebens

Fr., 08.06., 21:15 Uhr

Hated - GG Allin & the Murder Junkies

Fr., 08.06., 23:15 Uhr

Das Haus der verlorenen Mädchen

Sa., 09.06., 14:00 Uhr

*Überraschungsfilm*

Sa., 09.06., 16 Uhr

Im Sündenpfuhl des Syndikats

Sa., 09.06., 21:15 Uhr

Henry: Portrait of a Serial Killer

Sa., 09.06., 23:15 Uhr

„Short Shocks“ – The Films of Richard Kern

So., 10.06., 14:00 Uhr

 

 

Antlitz des Ablebens

OT: Faces of Death, USA 1978, 86 Min., 35 mm, dF, R: Conan LeCilaire

Die berühmteste, berüchtigste & kontroverseste Shockumentation aller Zeiten, der T-Rex unter den Mondofilmen!

„Kunterbunte Aneinanderreihung von widerwärtigen Bildern, die das Thema Tod in allen Varianten voyeuristisch ausschlachten. Die vorgeblichen Dokumentaraufnahmen sind fast durchweg gefälscht bzw. für die Kamera arrangiert. Ein verlogen-dümmlicher Kommentar steigert noch das Ekelgefühl, das dieses Machwerk hervorruft.“ (Lexikon des internationalen Films)

Ein legendärer Kultfilm, der in den 80ern zumindest auf Video so populär wurde, dass ihn seinerzeit wohl fast jeder unter 40 gesehen hat. Und sei es als Mutprobe. In Japan war er sogar im Kino ein gigantischer Kassenschlager von STAR-WARS-Ausmaßen. Da man mittlerweise weiß, dass glücklicherweise ja fast alles gestellt ist, kann man dieses Machwerk nun auch ohne schlechtes Gewissen anschauen.

Hated - GG Allin & the Murder Junkies

USA 1993, digital, OV, R: Todd Phillips, D: GG Allin

„Punks sind heute die Typen, die einem die Tür zur Sparkasse öffnen und, wenn man sie nicht weiter beachtet, hinterherrufen: „Trotzdem noch einen schönen guten Tag.“ Nur gut, dass GG Allin diese höflichen Sparkassenpunks nicht mehr miterleben musste. 1993 ist er nach einem Gig in Manhattan standesgemäß nach einer Überdosis in einem New Yorker Apartment gestorben, er wurde gerade mal 36 Jahre alt. In seiner Karriere als Punksänger, die in den frühen Achtzigern begann, hatte er

sich den ordentlichen Ruf erarbeitet, der fieseste und gesellschaftsunfähigste Punkrocker aller Zeiten zu sein. Sid Vicious und Iggy Pop wirken gegenüber Allin wie Ministranten.

HATED, die Dokumentation des Regisseurs Todd Phillips über das Leben und Schaffen von GG Allin, ist kurz vor dessen Tod erschienen. Der Meister durfte den Film selbst noch in einem Kino sehen, er soll recht zufrieden mit ihm gewesen sein und zum Dank eine leere Bierflasche in Richtung Leinwand geworfen haben. (...)

Die religiösen Erfahrungen seiner Kindheit prägten GG Allin bis zum Schluss, er hatte regelrecht Erlöserfantasien, die darin gipfelten, dass er irgendwann bekannt gab, sich im Namen des Rock ’n’ Roll auf der Bühne selbst zu töten. Er inszenierte sich als eine Art Messias der Unmoral. Er sei Gott, Jesus und Satan in einer Person, sagte er einmal, und in einer Talkshow formulierte er den Satz: „Mein Körper ist der Tempel des Rock ’n’ Roll. Mein Fleisch, mein Blut und meine Körpersäfte sind die Kommunion für die Menschen.“

GG Allin war eine Unterklassen-Version von „Church of Satan“-Gründer Anton LaVey, Charles Manson und Donald Trump. Regeln und Moral galten für ihn nicht. Es gibt Footage in HATED, in dem man immerhin sieht, wie GG Allin während einer Performance eine Frau aus dem Publikum schlägt und sie an den Haaren zieht und das wirkt nicht bloß wie Theater. Über 50 Mal wurde GG Allin bei seinen Konzerten von der Polizei festgenommen. Einer, der mit seiner eigenen Scheiße sein Publikum bewarf, das war einfach zu viel in den USA. Hätte er jedoch gar nicht mehr auftreten dürfen, wäre er Massenmörder geworden, sagte Allin. Er gab alles dafür, gehasst zu werden, und dafür liebten ihn seine Fans. Auch Kurt Cobain, der sich dann wirklich im Namen des Rock ’n’ Roll opferte, war einer seiner Bewunderer. Das mit dem

öffentlichen Suizid, seiner Kreuzigung, wenn man so will, hat dann ja nicht geklappt bei GG Allin, aber für diesen Sachverhalt gibt es immerhin einen passenden Song von ihm: „Die when you die“.“ (Andreas Hartmann, taz.de)

 

Das Haus der verlorenen Mädchen

OT: Dværgen, Dänemark/USA 1973, 92 Min., 35 mm, dF, R: Vidal Raski, D: Torben Bille, Anne Sparrow, Tony Eades, Clara Keller

„Eine entstellte Alkoholikerin und ihr zwergwüchsiger Sohn halten sich blutjunge Mädchen in ihrem Speicher, die sie mit Heroin gefügig machen, an Freier verkaufen oder selbst als Sexsklavinnen missbrauchen. Als ein Pärchen ein Zimmer im Haus zur Untermiete bezieht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der blonde weibliche Part der Mieter ebenfalls unterm Dach landet.

An seinem asozialen Tag im Jahr 1974 ist der Sexploitation-Gott offenbar höchstpersönlich vom Sleaze-Olymp hinab nach Dänemark gestiegen, hat seine niederträchtige Phantasie spielen lassen und einen Film gedreht. (...)

Angeblich war Bille in seiner dänischen Heimat mal der lustige Liliputaner in einer TV-Show für Kinder. Hoffentlich hat keiner seiner kleinen Fans Bille in diesem Film gesehen. Das Idol als kleinwüchsiger Pimp und Drogenkurier beim Mädchen entführen, schlagen, peitschen; beim Heroinspritzen setzen und Spannen. Oder als irre kichernder Triebtäter, wie er auf die großen Brüste von Anne Sparrow sabbert. Die Desillusionierung käme einer Naturgewalt gleich.“ (Christian Ade – filmtipps.at)

 

*Überraschungsfilm*

I 1981, 35 mm, dF, R: Umberto Lenzi

Im Sündenpfuhl des Syndikats

OT: Luca il Contrabbandiere, 91 Min., 35 mm, dF, R: Lucio Fulci D: Fabio Testi, Ivana Monti, Guido Alberti, Enrico Maisto

Neapel: Luca Di Angelo, dem erweiterten Kreis der Mafia zugehörig, verdient sich seine Brötchen mit dem Schmuggeln, meist von Zigaretten – ein Beruf, der ihm und seiner Familie einigen Wohlstand beschert hat, aber vor allem aus der Armut der neapolitanischen Bevölkerung heraus geboren ist. Als Lucas Bruder Micky erschossen wird, vermutet er zunächst den Lokalrivalen Scherino hinter der Tat, doch bald stellt sich heraus, dass die Bedrohung von außerhalb kommt: Der Mann aus Marseille will Neapel an sich reißen, um die Stadt mit seinen Drogen zu überfluten, und dabei sind ihm die konservativen Kräfte der Stadt im Weg ...

IM SÜNDENPFUHL DES SYNDIKATS hat einen etwas unscheinbaren Look, der Film ist trüb und farbarm, psychedelische Effektsequenzen wie in Lucio Fulcis Horrorfilmen darf man natürlich auch nicht erwarten, trotzdem ist er eine Augenweide. Die Kamera schwebt immer wieder sanft um die Figuren herum, oft blendet Gegenlicht und belegt das Geschehen kurz mit einem unwirklichen Schleier.

Dann ist da natürlich die Gewalt. Die Bunsenbrenner-Szene brennt sich wahrlich ins Gedächtnis, Dutzende explodierender Köpfe, Brustkörbe und Bäuche lassen einem die Kinnlade herunterklappen. Richtig harter Tobak ist aber die ausgedehnte Vergewaltigungssequenz, die im Kinosessel zur wahren Zerreißprobe wird. Die sich zur Kakophonie steigernden Schreie des Opfers und Lucas hilfloser Blick am anderen Ende des Telefons: Das vergisst man nie wieder.

Lassen sich viele der in den Siebzigerjahren in Italien entstandene Gangster- und Polizeifilme als chauvinistischer Unfug mit Partycharakter titulieren, wirft IM SÜNDENPFUHL DES SYNDIKATS einen besonders desillusionierten Blick auf das finstere Treiben der Mafia. Einer von Fulcis besten Filmen. (Oliver Nöding)

 

Henry: Portrait of a Serial Killer

USA 1986, 86 Min., 35 mm, OmdU, R: John McNaughton, D: Michael Rooker, Tom Towles, Tracy Arnold, Mary Demas

„Henry ist ein Serienmörder. Er fährt durch das Land und tötet wahllos. Zusammen mit seinem alten Knastbruder Otis wohnt er in einer kleinen Wohnung in Chicago. Eines Tages zieht Otis Schwester Becky bei ihnen ein. Becky ist fasziniert von dem stillen, schweigsamen Henry. Sie ahnt nicht, was hinter dessen gutaussehender Fassade vor sich geht.

Als HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER im Jahre 1990, nach drei Jahren im Regal der Produktionsfirma und einem Jahr im Festival-Zirkus, endlich ins Kino kam, löste er einen Schock aus. In unbehauenen, fast dokumentarisch anmutenden Bildern musste man den Taten des titelgebenden Henry zusehen, für den das Töten so normal ist, wie sich im Geschäft um die Ecke, einen Schokoriegel zu kaufen. (...)

HENRY zeichnet ein düsteres, trostloses Bild einer Welt, in der es kein Regulativ gibt (Polizei oder sonstige Ordnungskräfte sucht man vergeblich). Eine Welt aus den Fugen, ohne Moral, in der der Tod blitzschnell und brutal um die Ecke kommen kann und niemand etwas dagegen tun kann. Wo jeder Schritt vor die Tür bedeutet, dass ein Irrer einen ins Visier nehmen kann und auch das eigene Heim keine Sicherheit mehr bietet. Eine Welt ohne Hoffnung, die einerseits wie ein böser Traum,

andererseits aber auch sehr real wirkt.

Mit HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER ist John McNaughton ein erschreckendes Debüt gelungen, welches, getragen durch starke Schauspieler und einem dreckig-realistischen, manchmal fast dokumentarischen Look, eine brutale Welt ohne jegliche Hoffnung zeigt. Obwohl die Gewalt häufig nur im Off oder aus der Distanz gezeigt wird, geht jede dieser Szenen doch unter die Haut. Unterstützt von einem eindringlichen Sounddesign ist HENRY ein gnadenloser Albtraum, den man mit offenen Augen erlebt.“ (Marco Koch – filmforum-bremen.de)

 

„Short Shocks“ – The Films of Richard Kern

USA 1983 - 1993, 180 Min., digital, OV, R: Richard Kern, D: Sonic Youth, Lydia Lunch, Henry Rollins, J.G. Thirlwell, Karen Finley

13 explizite, grenzüberschreitende Kurzfilme des New Yorker Undergroundfilmers Richard Kern aus der Blütezeit des Cinema of Transgression mit Sonic Youth, Lydia Lunch, Henry Rollins, J.G. Thirlwell, Karen Finley u. v. a. In den 90ern sorgte dieses Programm im KommKino für einen handfesten Skandal. Zwei der Filme durften nicht gezeigt werden. Diesmal ist natürlich alles unzensiert zu sehen.