Freie Räume - Eine Geschichte der Jugendzentrumsbewegung

Deutschland 2019, 102 Min., 104 Min, deutsche Fassung, digital, Regie: Tobias Frindt

In den frühen 1970er-Jahren manifestierten sich die Ideen und Forderungen der „68er“ auch in einer neuen Jugendbewegung. Tausende von Jugendlichen in Westdeutschland organisierten in ihren Städten und Gemeinden selbstverwaltete Zentren und Häuser ohne Konsumzwang und ohne Kontrolle durch die Elterngeneration. Die Jugendzentrumsbewegung ist eine der lebendigsten, von der Forschung aber bislang am wenigsten beachteten Errungenschaften von 1968. Vielleicht trägt dieser Film also dazu bei, dass hier in Zukunft die eine oder andere Wissenslücke geschlossen werden kann.

Regisseur Tobias Frindt jedenfalls zeichnet anhand von Interviews mit Beteiligten und zeitgenössischem Filmmaterial ein ausgewogenes, stimmungsvolles Bild dieser Bewegung. Und übrigens: Ohne sie würde es auch unser KommKino (gegründet 1974 im seinerzeit so konzipierten „Kommunikationszentrum“ KOMM) nicht geben.

 

Alle Griffe sind erlaubt

Originaltitel: La Bestia Magnifica, Mexiko 1951, 83 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Chano Urueta, Darsteller: Miroslava, Crox Alvarado, Irma Dorantes

Dieses ebenso rare wie schwitzige Sport-Melodram des mexikanischen Film-Desperados Chano Urueta handelt von zwei Wrestlern, die seit Kindertagen beste Freunde sind, ehe eine Femme Fatal sich erst den einen und dann den anderen krallt und die beiden Jungs gegeneinander ausspielt, bis deren Leben völlig zerstört sind.

Hans Schifferle von der epd Film war beeindruckt: „Im Vergleich zu ähnlichen Sportfilmen aus Hollywood zeigt sich die wilde, fiebrige Energie des kommerziellen mexikanischen Kinos. »Alle Griffe sind erlaubt«, das ist Genrekino und zugleich Anatomie des Genres. Ein geradezu archetypisches B-Picture von Straubscher Reduktion, ein Actiondrama über den Alptraum des Erfolgs."

Und auch beim ehrwürdigen katholischen Filmdienst zeigte man sich durchaus beeindruckt: „Ein derartig abstoßendes Machwerk müßte jeder noch so primitiven Vorstellung von Menschenwürde ins Gesicht schlagen; daß sich dennoch auch in deutschen Kinos zahlreiche Besucher dabei sichtlich "unterhalten", wirkt als erschreckendste Feststellung nach.“

 

POPcore! - Musikfilme im KommKino:

Stop Making Sense

USA 1984, 88 Min., Originalversion, digital, Regie: Jonathan Demme, Darsteller: David Byrne, Tina Weymouth, Jerry Harrison, Chris Frantz

Keine Zuschauerreaktionen. Keine Backstage-Interviews. Und vor allem: keine Stadionatmosphäre. Als „Stop Making Sense“ 1984 in die Kinos kam, brach er eindrucksvoll mit den Gepflogenheiten des damaligen (Rock-)Konzertfilms. Regisseur Jonathan Demmes („Das Schweigen der Lämmer“, „Philadelphia“) minimalistische Inszenierung konzentriert sich auf die unwiderstehliche Performance seiner Protagonisten. Der schlaksige David Byrne torkelt über die Bühne, singt vom „Psycho Killer“ und davon, das Haus niederzubrennen. Begleitet von Tina Weymouth, Bassistin in militärgrünem Hosenanzug. Schlagzeug, Gitarre, ein Tabla-Spieler und zwei Background-Sängerinnen. Die Talking Heads waren das Coolste, was New Wave zu bieten hatte. Und „Stop Making Sense“ ist ein würdiges Denkmal, ein cineastischer Höhepunkt der Musikgeschichte, sorgfältig arrangiert und brillant gefilmt. Zeitlos.

POPcore! - Musikfilme im KommKino

„Stop Making Sense“ gibt den Startschuss für eine Reihe im KommKino: Ab sofort zeigen wir einmal im Monat unter dem Label „POPcore!“ einen Musikfilm in unserem Saal. Dabei flimmern sowohl klassische Konzertfilme als auch Dokus und Spielfilme über die Leinwand. Und auch hinsichtlich der Musikgenres setzen wir uns keine Grenzen. Metaller kommen ebenso auf ihre Kosten wie Freunde elektronischer Musik, Punks treffen aus Hip-Hopper, Mods auf Rocker.

 

Das Arrangement

Originaltitel: The Arrangement, USA 1969, 125 Min, deutsche Fassung, 16mm, Regie: Elia Kazan, Darsteller: Kirk Douglas, Faye Dunaway, Deborah Kerr

Eddie Anderson ist beruflich erfolgreich, aber so unglücklich, dass er sich vor einen Lastwagen wirft. Er überlebt seinen Suizidversuch, wird in ein Krankenhaus eingeliefert und erinnert sich an wichtige Stationen seines Lebens – die ihn allesamt nie mit Glück erfüllten. Als er gesund entlassen wird, beschließt er, alle Brücken hinter sich abzubrechen und sein Leben neu zu beginnen. Doch schnell holt ihn die Realität ein …

Elia Kazan, dem, wie aus „Jenseits von Eden“, "Baby Doll" oder "Endstation Sehnsucht" bekannt, psychologische Stoffe liegen, verfilmte mit „Das Arrangement“ seine eigene Romanvorlage. Was nach einem kleinen Independentfilm oder Kammerspiel klingt, ist in Wahrheit ein überraschend teuer produzierter Film mit edler Ästhetik, in Technicolor und Panavision gedreht mit einer von Robert Surtees („Ben Hur“) geführten Kamera. Der Stilwille, den Kazan vor diesem Hintergrund zeigt, unterstützt die ungewohnt erzählte und strukturierte Story des Films und würzt sie mit teils comicartigen, satirischen Ideen. Ein echtes künstlerisches Meisterwerk!

Special: In memoria di Kirk Douglas

Am 5. Februar 2020 ist Issur Danielovitch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, im Alter von 103 Jahren gestorben. Er war einer der letzten Überlebenden aus dem "Goldenen Zeitalter" Hollywoods. "Er hat fast alles im Filmgeschäft gemacht – Regie geführt, produziert und nebenbei noch die Blacklist in kleine Stücke gehauen", hieß es bei der Laudatio für seinen Ehren-Oscar 1996. Grund genug also für das KommKino, Kirk Douglas mit einer Auswahl seiner Filme zu ehren.

 

African Kung-Fu Nazis

Japan/Ghana/Deutschland 2020, 84 Min, deutsche Fassung, digital, Regie: Sebastian Stein, Darsteller: Sebastian Stein, Yoshito Akimoto, Elisha Okeyere

„Wie jeder weiß, hat sich Adolf Hitler nach Kriegsende per U-Boot nach Westafrika, an die Küste Ghanas, retten können. Mit seiner neuen rechten Hand, dem japanischen Oberbefehlshaber Hideki Tojo und „Horse-Man Göring“ im Schlepptau, will er die Welt von Afrika aus erobern: Mithilfe seiner gehirngewaschenen neuen Kameraden der „Ghan-Arier“ - und seinen übermenschlichen Karate-Kräften! Im Wege steht ihm die Kung-Fu-Schule der Schatten-Schlange. Als der dort trainierende Horst von Hitlers Schergen sowohl seiner Freundin als auch seines Meisters beraubt wird, schwört er Rache. Doch noch reichen seine Fähigkeiten nicht aus, um an Hitlers tödlichem Kampfturnier teilzunehmen.“ (Busch Media Group)

Tatsächlich eine japanisch-ghanaischen Koproduktion, die in Zusammenarbeit mit dem VICE-Magazin entstanden ist. In „African Kung-Fu Nazis“ trifft „Sie nannten ihn Knochenbrecher“ auf „Iron Sky“!

„Ein politisch unkorrekter Filmspaß voller verrückter Ideen!“ (Deadline – Das Filmmagazin)

"AFRICAN KUNG FU NAZIS ist das Werk des deutschen Regisseurs Sebastian Stein, der seit über zehn Jahren in Japan lebt. Dort reifte auch der Plan, eine internationale Actionkomödie in Ghana zu drehen. Zur Realisierung dieses ambitionierten Projekts konnte Stein den ghanaischen Top-Regisseur Samuel K.Nkansah alias "Ninja Man" als Partner für die Produktion gewinnen. Das Ergebnis ist ein einzigartiger Genre-Mix aus Komödie und Martial Arts, den es so noch nie zuvor gegeben hat." (Busch Media Group)

 

Ilsa – Haremswächterin des Scheichs

Originaltitel: Ilsa, Harem Keeper of the Oil Sheiks, Kanada 1976, 86 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Don Edmonds, Darsteller: Dyanne Thorne, Max Thayer, Jerry Delony

Ilsa ist diesmal im Auftrag eines perversen Scheichs tätig. Ihre Hauptaufgabe: Mädchen zu entführen und sie für seinen riesigen Harem gefügig zu machen. Doch als die Kommandeuse überraschend menschliche Seiten zeigt und sich in einen US-Geheimdienst-Offizier verliebt, kommt es zur Revolte.

„ILSA – das folternde Scheusal in Frauengestalt“, krakeelte seinerzeit die deutsche Verleihwerbung. „Dyanne Thorne ist selbstverständlich auch hier der Stoff, aus dem die degenerierten Träume sind, und erneut darf man der üppigen Amerikanerin eine intensive Darbietung bescheinigen, die obendrein noch äußerst überzeugend wirkt. Sie führt ein Regiment, offensichtlich ganz nach den Vorstellungen ihres Herrn, kann aber die bedeutenden Schritte weitergehen, wenn die Vorstellungskraft der anderen an ihre Grenzen stoßen.“ (www.italo-cinema.de)

Special In memoria di Dyanne Thorne

Am 20. Januar dieses Jahres verstarb die US-amerikanische Schauspielerin Dyanne Thorne, eine wahre Ikone des Exploitation- und Grindhouse-Films. Ihren großen Durchbruch hatte die darstellerisch durchaus begabte Thorne 1974 als wahrlich furchteinflößende KZ-Aufseherin Ilsa in „Ilsa – She-Wolf of the SS“. Trotz seiner comichaften Realitätsferne wurde der Film wegen des NS-Themas nie in den deutschen Kinos ausgewertet. Die beiden offiziellen Fortsetzungen „Ilsa –Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ sowie der thematisch ähnlich gelagerte „Greta – Haus ohne Männer“ (in einigen Ländern ebenfalls als Ilsa-Film vermarktet) ließen aber auch in den deutschen Bahnhofskinos die Kassen klingeln. Mit coronabedingter Verspätung zeigt das KommKino diese Werke, die bis heute als beliebte Kultklassiker gelten, sowie die rare vorher entstandene Kolportage „Die sexuellen Wünsche der Männer“ im originalen 35mm-Kinoformat. Dyanne Thorne war später übrigens bizarrerweise als Priesterin tätig. Was sie aber nicht davon abhielt, 2013 in „House of Forbidden Secrets“ noch einmal eine Hommage an ihre Paraderolle als Ilsa zu geben.

 

Ilsa – Die Tigerin

Originaltitel: Ilsa, Tigress of Siberia, Kanada 1977, 88 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Jean LaFleur, Darsteller: Dyanne Thorne, Michel-René Labelle, Gilbert Beaumont

Ein Gulag in Sibirien stellt das neue Betätigungsfeld für die grausame Ilsa dar. Nach der Entstalinisierung ist sie allerdings arbeitslos, flieht nach Kanada und verdient dort ihre Brötchen mit einem Bordell. Doch ein ehemaliger Häftling erkennt sie wieder ...

Keine Geringeren als B-Film-König Roger Corman und „Ghostbusters“-Regisseur Ivan Reitman produzierten diesen Schundfetzer – wohlweislich unter Pseudonym. „Für Fans von Exploitationfilmen ist ILSA – DIE TIGERIN ein Muss.“ (retro-film.de) Der deutsche Verleih verstieg sich gar zu einem Vergleich mit James Bond. Weniger begeistert war erwartungsgemäß der katholische Filmdienst: „Das ist einer der widerwärtigsten Filme, die je auf einer Kinoleinwand zu sehen waren.“

Special In memoria di Dyanne Thorne

Am 20. Januar dieses Jahres verstarb die US-amerikanische Schauspielerin Dyanne Thorne, eine wahre Ikone des Exploitation- und Grindhouse-Films. Ihren großen Durchbruch hatte die darstellerisch durchaus begabte Thorne 1974 als wahrlich furchteinflößende KZ-Aufseherin Ilsa in „Ilsa – She-Wolf of the SS“. Trotz seiner comichaften Realitätsferne wurde der Film wegen des NS-Themas nie in den deutschen Kinos ausgewertet. Die beiden offiziellen Fortsetzungen „Ilsa –Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ sowie der thematisch ähnlich gelagerte „Greta – Haus ohne Männer“ (in einigen Ländern ebenfalls als Ilsa-Film vermarktet) ließen aber auch in den deutschen Bahnhofskinos die Kassen klingeln. Mit coronabedingter Verspätung zeigt das KommKino diese Werke, die bis heute als beliebte Kultklassiker gelten, sowie die rare vorher entstandene Kolportage „Die sexuellen Wünsche der Männer“ im originalen 35mm-Kinoformat. Dyanne Thorne war später übrigens bizarrerweise als Priesterin tätig. Was sie aber nicht davon abhielt, 2013 in „House of Forbidden Secrets“ noch einmal eine Hommage an ihre Paraderolle als Ilsa zu geben.

 

Greta – Haus ohne Männer

Schweiz 1977, 86 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Jess Franco, Darsteller: Dyanne Thorne, Sandra L. Brennan, Tania Busselier, Eric Falk

Greta (Dyanne Thorne) heißt die sadistische Kommandantin eines Frauengefängnisses in einer südamerikanischen Diktatur. In erster Linie will sie von den Gefangenen Informationen über revolutionäre Bewegungen herauspressen. Als sich eine Frau unter falschem Namen in den Knast einschleusen lässt, um ihre Schwester zu finden, wird es für Greta gefährlich ...
Diesmal wird das Ilsa-Thema – vielfach wurde der Streifen dann auch als Teil der Serie vermarktet – von dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich und dem spanischen Kultregisseur Jess Franco variiert. Auch dieser Reißer ist definitiv nichts für Zartbesaitete, aber deutlich intelligenter als es zunächst den Anschein hat. Die Story ist durchaus komplex und beinhaltet überraschenderweise gar nicht dumme Reflexionen über Voyeurismus.

Special In memoria di Dyanne Thorne

Am 20. Januar dieses Jahres verstarb die US-amerikanische Schauspielerin Dyanne Thorne, eine wahre Ikone des Exploitation- und Grindhouse-Films. Ihren großen Durchbruch hatte die darstellerisch durchaus begabte Thorne 1974 als wahrlich furchteinflößende KZ-Aufseherin Ilsa in „Ilsa – She-Wolf of the SS“. Trotz seiner comichaften Realitätsferne wurde der Film wegen des NS-Themas nie in den deutschen Kinos ausgewertet. Die beiden offiziellen Fortsetzungen „Ilsa –Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ sowie der thematisch ähnlich gelagerte „Greta – Haus ohne Männer“ (in einigen Ländern ebenfalls als Ilsa-Film vermarktet) ließen aber auch in den deutschen Bahnhofskinos die Kassen klingeln. Mit coronabedingter Verspätung zeigt das KommKino diese Werke, die bis heute als beliebte Kultklassiker gelten, sowie die rare vorher entstandene Kolportage „Die sexuellen Wünsche der Männer“ im originalen 35mm-Kinoformat. Dyanne Thorne war später übrigens bizarrerweise als Priesterin tätig. Was sie aber nicht davon abhielt, 2013 in „House of Forbidden Secrets“ noch einmal eine Hommage an ihre Paraderolle als Ilsa zu geben.

 

Die sexuellen Wünsche der Männer

Originaltitel: Love me like I do, USA 1970, 101 Min. deutsche Fassung, 35mm, Regie: Jean Van Hearn, Darsteller: Dyanne Thorne, Peter Carpenter, Paul Fleming

Sharon ist eine sehr zufriedene Frau. Sie hat einen fürsorglichen Ehemann, eine wunderbare Familie und ein schönes Haus. Ihr Leben könnte besser nicht sein. Bis sie entdeckt, dass ihr Ehemann sie mit der Nymphomanin aus der Nachbarschaft betrügt. Sharons heimeliges Leben scheint auf den Kopf gestellt zu sein. Sie beschließt, das Paar mit einer geladenen Waffe zu besuchen. Bald werden Schüsse abgegeben - und ihr Ehemann kriecht nackt über den Bürgersteig ...

"Die sexuellen Wünsche der Männer" spielt irgendwo zwischen der sexuellen Revolution und der feministischen Bewegung. Der vielleicht bemerkenswerteste Film mit Dyanne Thorne. Kurz vor den „Ilsa“-Filme entstanden, ist es nicht uninteressant, diese zukünftige "She Wolf of the SS" in der Rolle einer (zunächst braven) Hausfrau zu erleben. - „Wir raten ab.“ (katholischer Filmdienst)

Special In memoria di Dyanne Thorne

Am 20. Januar dieses Jahres verstarb die US-amerikanische Schauspielerin Dyanne Thorne, eine wahre Ikone des Exploitation- und Grindhouse-Films. Ihren großen Durchbruch hatte die darstellerisch durchaus begabte Thorne 1974 als wahrlich furchteinflößende KZ-Aufseherin Ilsa in „Ilsa – She-Wolf of the SS“. Trotz seiner comichaften Realitätsferne wurde der Film wegen des NS-Themas nie in den deutschen Kinos ausgewertet. Die beiden offiziellen Fortsetzungen „Ilsa –Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ sowie der thematisch ähnlich gelagerte „Greta – Haus ohne Männer“ (in einigen Ländern ebenfalls als Ilsa-Film vermarktet) ließen aber auch in den deutschen Bahnhofskinos die Kassen klingeln. Mit coronabedingter Verspätung zeigt das KommKino diese Werke, die bis heute als beliebte Kultklassiker gelten, sowie die rare vorher entstandene Kolportage „Die sexuellen Wünsche der Männer“ im originalen 35mm-Kinoformat. Dyanne Thorne war später übrigens bizarrerweise als Priesterin tätig. Was sie aber nicht davon abhielt, 2013 in „House of Forbidden Secrets“ noch einmal eine Hommage an ihre Paraderolle als Ilsa zu geben.

 

Filme

56. Tuesday Trash Night

The Mangler

USA 1995, 106 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Tobe Hooper, Darsteller: Robert Englund, Ted Levine, Daniel Matmor

In den 1920er-Jahren kamen elektrische Wäschemangeln auf den Markt, die mit dem Vermerk „Automatisch vollständig gefahrlos!“ beworben wurden. Damals konnte noch keiner ahnen, dass auch Textilien glättende Arbeitsmittel ihre Opfer fordern. Zumindest die Protagonistin des hier gezeigten Schauspiels giert jedes Jahr nach dem Blut einer jungfräulichen 16-Jährigen. Kriminal-Kommissar Hunton begibt sich bei seinen Recherchen auf den schmalen Grat zwischen tödlichen Betriebsunfällen und okkultistischen Ritualen.

Nur weil der Film auf einer Kurzgeschichte von Stephen King basiert und sich Robert Englund (Freddy Krüger) unter Regie von Tobe Hooper („Texas Chain Saw Massacre“) die Ehre gibt, heißt noch lange nicht, dass es sich hier um einen hochkarätigen Gruselfilm handelt. Dennoch kann der Film durchaus überzeugen: durch eindrucksvolles Set-Design, spritzige Splatter-Effekte, unfreiwillig komische Stereotypen und eine Dramaturgie zum Davonlaufen. Garantiert nichts für schwache Nerven! „Nur eines kommt in diesem amateurhaften Humbug noch häufiger vor als Blut: schwachsinnige Dialoge.“ (Kölner Stadt-Anzeiger)

 

Filme

Yummy

Belgien 2019, 90 Min., deutsche Fassung, digital, Regie: Lars Damoiseaux, Darsteller: Maaike Neuville, Bart Hollanders, Benjamin Ramon

Die Belgier können viele seltsame Sprachen, überdimensionierte Statuen von Atomen und Bier, das nach Schokolade schmeckt. Neuerdings zählt zusätzlich der Zombiefilm zum Portfolio belgischer Handwerkskunst. „Yummy“ huldigt dem Kult der Wiedergänger und schickt seine Protagonisten Michael (Bart Hollanders) und Alison (Maaike Neuville) in eine ranzige osteuropäische Schönheitsklinik. Dort will Madame sich eigentlich nur die Brüste verkleinern lassen, landet jedoch samt Gatten mitten im Epizentrum einer Zombie-Epidemie. Nun gilt es, sich mit Händen und Füßen gegen die Untoten zur Wehr zu setzen.

„Yummy“ ist Belgiens erster aufwendig inszenierter Zombie-Horrorfilm und war einer der Hits des Fantasy Filmfests 2019. Saftige Effekte und jede Menge schwarzer Humor machen Lars Damoiseaux‘ Splatter-Schlachtplatte zu einem kurzweiligen und des Öfteren überraschend unangenehmen Streifen zwischen Facelift, Fettabsaugung und Freakshow.

 

Zwischen Frauen und Seilen

Originaltitel: Champion, USA 1949, 99 Min, Originalversion, 16mm, Regie: Mark Robson, Darsteller: Kirk Douglas, Arthur Kennedy, Marilyn Maxwell

Midge Kelley (Kirk Douglas) ist Profiboxer und an seinem Ziel, reich und berühmt zu sein, angelangt. Unter tosendem Applaus erinnert er sich an seinen Werdegang und wie er sich unter ärmlichsten Verhältnissen und nach zahlreichen Rückschlägen nach oben gekämpft hat.
Was wie eine klassische Erfolgsgeschichte klingt, reflektiert tatsächlich schonungslos und in drastischen Bildern den verlogenen American Way of Life, der von jenen, die ihn beschreiten, das Aufgeben ihrer Integrität fordert, damit sie in den Genuss von Geld, Ruhm und schönen Frauen kommen. Dies wie auch das intensive Schauspiel Kirk Douglas‘ lässt „Zwischen Frauen und Seilen“ zu einem Klassiker des Film Noir werden!

Special: In memoria di Kirk Douglas

Am 5. Februar 2020 ist Issur Danielovitch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, im Alter von 103 Jahren gestorben. Er war einer der letzten Überlebenden aus dem "Goldenen Zeitalter" Hollywoods. "Er hat fast alles im Filmgeschäft gemacht – Regie geführt, produziert und nebenbei noch die Blacklist in kleine Stücke gehauen", hieß es bei der Laudatio für seinen Ehren-Oscar 1996. Grund genug also für das KommKino, Kirk Douglas mit einer Auswahl seiner Filme zu ehren.

 

20.000 Meilen unter dem Meer

Originaltitel: 20,000 Leagues Under the Sea, USA 1954, 122 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Richard Fleischer, Darsteller: Kirk Douglas, James Mason, Peter Lorre

Im Jahr 1868 verschwinden auf See immer wieder Schiffe. Es machen sich Gerüchte über ein riesiges, todbringendes Seeungeheuer breit. Trotz seiner Zweifel begibt sich der renommierte Professor Pierre Arronax (Paul Lukas) im Auftrag der Regierung auf eine Expedition. Eines Nachts wird jedoch auch sein Schiff angegriffen und versenkt. Die Geretteten gelangen an Bord der Nautilus – einem technisch hochentwickelten U-Boot, das vom tyrannischen Kapitän Nemo (James Mason) geführt wird.

Die Verfilmung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jules Verne. Mit Kirk Douglas, der hier den furchtlosen und streitsüchtigen Haudegen Ned Land gibt, James Mason ("Der unsichtbare Dritte", "Lolita" ) und Peter Lorre ("Casablanca", "Der Verlorene") wirkten hier auch erstmals bekannte Hollywood-Schauspieler in einem Disneyfilm mit.

Bemerkenswerte Spezialeffekte, spektakuläre Unterwasseraufnahmen und eine Kulisse, die ihresgleichen sucht, erwarten uns. Modellbauten, Kostüme und vor allem die Nautilus, entworfen von Filmarchitekt Harper Goff, lassen nicht nur die Herzen von Steampunk-Fans höherschlagen.

Special: In memoria di Kirk Douglas

Am 5. Februar 2020 ist Issur Danielovitch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, im Alter von 103 Jahren gestorben. Er war einer der letzten Überlebenden aus dem "Goldenen Zeitalter" Hollywoods. "Er hat fast alles im Filmgeschäft gemacht – Regie geführt, produziert und nebenbei noch die Blacklist in kleine Stücke gehauen", hieß es bei der Laudatio für seinen Ehren-Oscar 1996. Grund genug also für das KommKino, Kirk Douglas mit einer Auswahl seiner Filme zu ehren.

 

Reporter des Satans

Originaltitel: Ace in the Hole, USA 1951, 110 Min., deutsche Fassung, 16mm, Regie: Billy Wilder, Darsteller: Kirk Douglas, Jan Sterling, Robert Arthur

2019 war eine Gruppe von Jugendlichen über zwei Wochen in einem Höhlensystem in Thailand eingeschlossen – und die Welt konnte die Rettungsversuche quasi live beobachten, da die Presse tägliche Updates lieferte.

Eine ähnliche Geschichte behandelt Billy Wilders bitteres Drama „Reporter des Satans“, das auf dem Fall eines Forschers basiert, der 1925 in einer Höhle eingeschlossen wurde. Wichtiger als das Drama selbst, ist jedoch der mediale Umgang mit der Katastrophe: Kirk Douglas spielt den begabten, aber egozentrischen Reporter Chuck Tatum, der schon aus vielen Redaktionen gefeuert wurde und nun gezwungen ist, für ein kleines Lokalblatt zu schreiben. Als er von Leo Minosa hört, einem Einheimischen, der in einer Höhle eingeschlossen wurde, wittert er eine große Story. Um eine erfolgreiche Reportage zu schreiben, geht er skrupellos vor – und jedes Mittel ist ihm recht. Schaulustige pilgern zur Unglücksstelle, die Rettungsaktion wird zur Party.

„Reporter des Satans“ ist eine zynische und böse Abrechnung mit den Praktiken der Boulevardpresse und der menschlichen Sensationsgier. Ein packendes Drama, das bis heute aktuell ist – und das Kirk Douglas nicht als Sympathieträger, sondern als zynischen und skrupellosen Antihelden zeigt.

Special: In memoria di Kirk Douglas

Am 5. Februar 2020 ist Issur Danielovitch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, im Alter von 103 Jahren gestorben. Er war einer der letzten Überlebenden aus dem "Goldenen Zeitalter" Hollywoods. "Er hat fast alles im Filmgeschäft gemacht – Regie geführt, produziert und nebenbei noch die Blacklist in kleine Stücke gehauen", hieß es bei der Laudatio für seinen Ehren-Oscar 1996. Grund genug also für das KommKino, Kirk Douglas mit einer Auswahl seiner Filme zu ehren.

 

Teufelskreis Alpha

Originaltitel: The Fury, USA 1978, 118 Min., Originalversion, 16mm, Regie: Brian De Palma, Darsteller: Kirk Douglas, John Cassavetes, Carrie Snodgress

Der junge, telepathisch begabte Robert (Andrew Stevens) wird entführt – scheinbar von Terroristen. Doch sein Vater Peter (Kirk Douglas) findet heraus, dass in Wirklichkeit eine geheime Regierungsorganisation der USA dahintersteckt. Deren Leiter, der skrupellose Childress (John Cassavetes), will den Jungen für Spionagezwecke missbrauchen und hat es außerdem noch auf eine ähnlich begabte Studentin (Amy Irving) abgesehen. Doch er hat die Rechnung ohne Peter gemacht …

Nach seinem Kassenhit „Carrie“ drehte Kultregisseur Brian De Palma („Dressed to Kill“, „Scarface“) einen weiteren Film zum Thema Telepathie. Doch „The Fury“ geht weniger in die Horror-Richtung, sondern spielt geschickt mit Elementen des Agententhrillers, wobei überraschend scharfe kritische Töne angeschlagen werden. Der US-Regierung traut De Palma offenbar alles zu. Auch wenn der Streifen inhaltlich etwas überfrachtet wirkt, ist er doch ein packender und rasanter Reißer, der außerdem mit einer Traumbesetzung punkten kann. „Brian De Palma's "The Fury" is a stylish entertainment, fast-paced, and acted with great energy“, meinte dann auch der damalige US-Kritikerpapst Roger Ebert.

Special: In memoria di Kirk Douglas

Am 5. Februar 2020 ist Issur Danielovitch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, im Alter von 103 Jahren gestorben. Er war einer der letzten Überlebenden aus dem "Goldenen Zeitalter" Hollywoods. "Er hat fast alles im Filmgeschäft gemacht – Regie geführt, produziert und nebenbei noch die Blacklist in kleine Stücke gehauen", hieß es bei der Laudatio für seinen Ehren-Oscar 1996. Grund genug also für das KommKino, Kirk Douglas mit einer Auswahl seiner Filme zu ehren.

 

Filmarchäologen-Symposium

Vom 23. bis 25.10. laden wir herzlich zum Filmarchäologen-Symposium im KommKino ein. Kommt mit auf eine Studienreise zur Ausgrabung längst vergessener filmischer Artefakte im originalen 35mm-Kinoformat. Seid dabei, wenn wir der Frage nachgehen, ob es sich bei den Fundstücken um verlorene Schätze oder vollkommen zu Recht verdrängten Humbug handelt. Schließt Euch an und werdet Teil der Filmarchäologen-Community.

Eine Frau sieht rot

Originaltitel: Lipstick, USA 1976, 89 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Lamont Johnson, Darsteller: Margaux Hemingway, Chris Sarandon, Perry King

„Die überaus attraktive Chris arbeitet erfolgreich als Top-Model. Eines Tages lädt sie auf Empfehlung ihrer jüngeren Schwester Kathy deren Lieblingslehrer Gordon Stuart zu sich nach Hause ein: Der Hobbykomponist erhofft sich von Chris einen Einstieg ins Showgeschäft. Als diese Hoffnung sich nicht erfüllt, lässt er seiner angestauten Frustration freien Lauf und vergewaltigt das Mädchen auf überaus brutale Weise. Es kommt zu einem aufreibenden Prozess – der mit einem Freispruch für Stuart endet. Trotz des furchtbaren Erlebnisses versucht Chris, ihr bisheriges Leben weiterzuführen. Doch als Stuart wenig später auch Kathy vergewaltigt, kennt sie nur noch ein Ziel: Rache.“ (nach retro-film.de)

Der zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geratene Streifen stellt keineswegs, wie es der deutsche Titel signalisiert, lediglich eine weibliche Variante des Selbstjustiz-Klassikers „Ein Mann sieht rot“ dar. Regisseur Lamont Johnson verzichtet zwar nicht auf exploitative Effekte. „Lipstick“ ist jedoch kein Actionkracher, sondern eher ein psychologisch interessantes, doppelbödiges Drama von beachtlicher Intensität. Die versierte Inszenierung und die guten schauspielerischen Leistungen sorgen dafür, dass der Film kaum etwas von seiner Wirkung eingebüßt hat. Und sein Thema ist, wie die derzeitigen Debatten beweisen, zeitlos aktuell – leider.

 

Komm und sieh

Originaltitel: Idi i smotri, Sowjetunion 1985, 146 Min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln, digital, Regie: Elem Klimow, Darsteller: Alexei Krawtschenko, Olga Mironowa, Liubomiras Laucevičius

Weißrussland 1943. Der junge Florja, mehr Kind als Erwachsener, will sich rekrutieren lassen und zieht stolz in den Kampf gegen Nazi-Deutschland. Der kindliche Traum von Ruhm und Abenteuer zerplatzt aber schon sehr bald: Der Kommandant will ihn beim Einsatz nicht dabeihaben. Und auf seinem Rückweg beginnt für ihn eine Odyssee, die ihn mitten in die Hölle des Zweiten Weltkriegs führt.

Ein Klassiker. Elem Klimows letzter Spielfilm, dessen Drehbuch von der Sowjet-Zensur jahrelang blockiert wurde, gilt vielen als bester (Anti-)Kriegsfilm der Kinogeschichte. Kritiker-Papst Roger Ebert sprach gar von „einem der niederschmetterndsten Filme aller Zeiten“. Und Andreas Kilb von der FAZ schrieb: „‚Komm und sieh‘ ist ein Kriegsfilm von ungeheuerer Brutalität, aber auf seinem Höhepunkt schlägt der Schrecken um in furchtbare Nachdenklichkeit.“