DER MANN AUS EL PASO
UN HOMBRE LLAMADO NOON
ESP|ITA|GBR 1973 – DF – 95 Min. – 35mm – BW – TC
Regie Peter Collinson
Buch Scott Finch, Antonio Recoder (Buchvorlage „The man called noon“ von Louis L`Amour)
Kamera John Cabrera
Musik Luis Bacalov
Mit Richard Crenna, Stephen Boyd, Rosanna Schiaffino, Farley Granger, Patty Shepard
Wie schon bei der letzten Ausgabe, wurde heuer mit Peter Collinsons »Der Mann aus El Paso« erneut ein kleiner Ausnahmekandidat im Festivalprogramm untergebracht. Collinson verfilmte 1973 hierbei unter italienisch-spanischer Beteiligung das vier Jahre zuvor veröffentlichte Buch »The Man Called Noon« vom US-amerikanischen Westernautor Louis L’Amour, dessen vorherigen Romane »Hondo« und »Shalako« ebenfalls schon erfolgreich für die Leinwand inszeniert wurden.
Die Story gestaltet sich simpel und zweckdienlich: Richard Crenna spielt einen Revolverhelden, der bei einem Hinterhalt am Kopf verletzt wird und dadurch sein Gedächtnis verliert. Auf der Suche nach seiner Erinnerung findet er lediglich einen Brief mit dem Namen Jonas Mandrin und einen Verweis auf El Paso. Unter dem provisorischen Namen Noon macht sich Crenna, mit Unterstützung von Outlaw J.B. Rimes (Stephen Boyd), auf den Weg in die texanische Stadt, um die Drahtzieher hinter dem Anschlag auf ihn ausfindig zu machen.
1973 befand sich das europäische Western-Genre bereits im anhaltenden Tiefflug. Vermehrt gingen Filmemacher daher neue Wege, um diesen Filmzweig wieder interessanter zu machen. Entweder setzte man auf komödiantische Elemente oder man äußerte seinen Frust über harte, revisionistische Werke, wie Sam Peckinpah es prominent vorlebte. Andere Regisseure kurbelten wiederum billigste Filme ab, bei denen womöglich fünf verkaufte Tickets an der Kasse schon wirtschaftlichen Gewinn einbrachten. Andere hingegen gaben ihren Beiträgen, bewusst oder unbewusst, einen neuen Touch, indem abweichende Drehbedingungen für einen Tapetenwechsel sorgen sollten – so auch bei diesem Film.
Gedreht in Spanien, basierend auf einem amerikanischen Roman, inszeniert von einem Briten, komponiert vom argentinischen Italowestern-Routinier Luis Bacalov und besetzt mit einem Cast von zahlreichen bekannten Gesichtern aus den Vereinigten Staaten und Europa, mutet der Film in seiner Produktion sehr international an. Erzählerisch solide, fühlt er sich rein handwerklich fast wie ein klassischer, britisch-amerikanischer Spätwestern an, der durch die Crew und Locations jedoch einen südeuropäischen Anstrich erhält. Die Akteure machen dabei einen ordentlichen Job, während Crenna es mühelos schafft, die Hauptrolle als amnesiegeplagter Profischütze auf Identitätssuche mit seinem seriösen Spiel zu tragen und auch Boyd weiß, dank seiner kernigen Ausstrahlung, zu gefallen. Durch die hybride Machart hebt sich »Der Mann aus El Paso« auf unaufdringliche Weise aus dem Allerlei europäischer Westernkandidaten hervor und ist allein dadurch ein sehenswerter Beitrag zum Genre, der im Kino als wunderschöne Technicolor-Kopie farblich höchstwahrscheinlich die bisherigen Heimkino-Veröffentlichungen alt aussehen lassen wird.
Lucas Zimmermann